Als besondere Ausnahme im Kulturerbe-Jahr 2018 erhalte kein Gemeinwesen, sondern erstmals eine "Organisation der Zivilgesellschaft die begehrte Auszeichnung", teilte der Schweizer Heimatschutz am Dienstag mit. Die Origenstiftung, die Musik und Tanz meist biblischen Ursprungs auf die Bühnen bringt, ist beheimatet in Riom im mittelbündnerischen Tal Surses an der Julierstrecke.

Ausgehend vom eigenen kulturellen Erbe sei es Origen gelungen, eine Ausstrahlung weit über das eigene Tal hinaus zu entwickeln, schrieb der Heimatschutz. Was in Riom produziert werde, finde Widerhall im ganzen Kanton Graubünden, in der Schweiz und weit über die Landesgrenzen hinaus.

Potenziale jenseits des Massentourismus

"Modellhaft macht das Engagement der Stiftung deutlich, welche wirtschaftlichen Potenziale jenseits des Massentourismus im Berggebiet auf ihre Aktivierung warten", resümiert der Heimatschutz. Origen suche Wege, das bauliche Erbe ebenso pragmatisch wie verantwortungsvoll für seine Zwecke nutzbar zu machen.

Die markante Burg Riom funktionierte Origen um zum wetterunabhängigen Spielort. Ebenfalls vom Theater in Beschlag genommen wurde das Anwesen der heimischen Konditor-Familie Carisch. Die Villa Carisch erfuhr eine Neubelebung als Foyer und Ort des Austausches, das stillgelegte Schulhaus als Probelokal. Weitere Neunutzungs-Projekte sollen folgen.

Über allem steht Giovanni Netzer

Die Kulturorganisation Origen ist untrennbar mit der Person des 50-jährigen Giovanni Netzer verbunden. Der Theologe, Kunstgeschichtler und Theaterwissenschaftler firmiert als Gründer und Leiter des Origen-Theaters.

Netzer ist gleichsam ein Abräumer, wenn es um Preise geht. 2007 erhielt er den wichtigsten Theaterpreis der Schweiz, den Hans-Reinhart-Ring. Ein Jahr später wurde ihm der Hauptpreis des Eliette von Karajan-Kulturfonds verliehen. 2012 war er Träger des Bündner Kulturpreises.

"Systemrelevant" - sagt die Bündner Regierung

Hohe Wertschätzung geniesst Origen besonders bei der Bündner Regierung. Die Arbeit der Mittelbündner Kulturorganisation stufte die Kantonsregierung letzten Dezember als "systemrelevant" ein.

Den Wakkerpreis vergibt der Heimatschutz jährlich seit 1972, in der Regel an eine politische Gemeinde. Das Preisgeld von 20'000 Franken habe eher symbolischen Charakter, der Wert der Auszeichnung liege in der öffentlichen Anerkennung vorbildlicher Leistung, so der Heimatschutz. Ermöglicht hat den Preis ein Vermächtnis des Genfer Geschäftsmannes Henri-Louis Wakker.