Kritik
Der Bund hätte eine eigene Impfstoff-Produktionslinie haben können – und lehnte ab

Es wird (noch mehr) Kritik laut an der Strategie des Bundes zur Impfstoff-Beschaffung. Laut Medienberichten soll er ein Angebot der Phamaunternehmens Lonza für eine schweizeigenen Produktionslinie ausgeschlagen haben.

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Lonza in Visp: Wäre die Impfstoff-Knappheit vermeidbar gewesen?

Lonza in Visp: Wäre die Impfstoff-Knappheit vermeidbar gewesen?

Keystone
bal/watson.ch

Eine eigene Impstoff-Produktionslinie nur für die Schweiz? Das wäre wohl möglich gewesen. Doch der Bund schlug offenbar ein Angebot von Lonza-Präsident Albert Baehny aus. Er hatte angeboten, dass der Bund im Wallis eine eigene Produktionslinie für den Moderna-Impfstoff aufbauen könnte, welche nur für die Schweiz produziert. Dies berichtet der Tages-Anzeiger.

Die Gründe für die Ablehnung sind überraschend: «Es müsste die Gesetzesgrundlage angepasst werden, um in eine staatliche Impfstoffproduktion zu investieren», sagt BAG-Vizedirektorin Nora Kronig gegenüber der Zeitung. Und auch eine staatliche Produktion könne nicht sofort genügend Dosen für alle bereitstellen. Kronig:

«Es gibt klare Produktionsgrenzen, die nur die Zeit lösen wird.»

Doch Kapazität für eine grössere Impfstoffproduktion wäre durchaus vorhanden. Lonzas Ziel war ursprünglich, 600 Millionen Dosen für Moderna herzustellen. Von Moderna kam dann nur ein Auftrag für 400 Millionen. Sprich: Lonza wäre wohl in der Lage, 200 Millionen zusätzliche Impfdosen zu produzieren.

«Wir haben uns darauf konzentriert, einerseits sehr früh internationale Organisationen zu unterstützen und andererseits selbst Impfstoffe zu beschaffen»: Nora Kronig.

«Wir haben uns darauf konzentriert, einerseits sehr früh internationale Organisationen zu unterstützen und andererseits selbst Impfstoffe zu beschaffen»: Nora Kronig.

Keystone

Für die eigene Schweizer Produktionsanlage mit einer Kapazität von 100 Millionen Dosen hätte der Bund 60 bis 70 Millionen Franken in die Hand nehmen müssen, schreibt der Tagi weiter. Für deren Betrieb werden rund 70 Mitarbeitende benötigt. Der Schweizer Bedarf wäre in wenigen Wochen gedeckt.