Bundesrat
Kopp und Leuenberger – Alt-Bundesräte schiessen gegeneinander

Die ehemalige Bundesrätin Elisabeth Kopp wirft Moritz Leuenberger vor, als Präsident der PUK sie und ihre Familie in den finanziellen Ruin getrieben zu haben. Der Alt-Bundesrat wehrt sich in einer Richtigstellung vehement gegen diese Vorwürfe.

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Sie machte sich einen Namen als erste Frau im Bundesrat. Rund 25 Jahre nach ihrem Rücktritt kehrt Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp nun ins Zentrum des öffentlichen Interesses zurück.

In den nächsten Tagen wird die Biographie «Zwei Leben - ein Schicksal. Aufstieg und Fall der ersten Bundesrätin der Schweiz» über die FDP-Frau auf dem Markt erscheinen – Autor ist René Lüchinger, der am 1. Januar 2014 neuer Chefredaktor des Blicks wird.

Darin kreuzt sie unter anderem mit Moritz Leuenberger die Klingen. Kopp wirft dem Alt-Bundesrat vor, ihre Familie ruiniert zu haben. Leuenberger habe bei ihr und ihrer Familie illegalerweise das Telefon abhören lassen, was schliesslich zum finanziellen Ruin der Familie geführt habe.

Die Klienten des Anwaltsbüros ihres Mannes hätten erklärt, dass sie keinen Anwalt brauchen könnten, dessen Telefon abgehört werde.

Kontrolle bei Bundesanwaltschaft

Der damalige Nationalrat Leuenberger sah sich am Montag zu einer Richtigstellung genötigt, die er an zahlreiche Medien versandte. Er wehrt sich darin vehement gegen den Vorwurf, als Präsident der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) Telefonabhörungen der Familie Kopp organisiert zu haben.

Leuenberger erklärt: «Die PUK wurde im Februar 1989 informiert, dass ein amerikanische Staatsbürger von Hans W. Kopp ein Dokument, welches aus der EJPD stammt, gegen eine Bezahlung von 250 000 Franken erhalten habe.»

Es erhob sich daraufhin der Verdacht im Zusammenhang mit Geldwäscherei. Die PUK habe diese Informationen an die Bundesanwaltschaft weitergeleitet, welche nach weiteren Ermittlungen die Überwachung der Telefonanschlüsse von mehreren beteiligten Personen, darunter auch jener von Hans W. Kopp und seiner Familie anordnete.

«Die PUK hat die Abhörungen weder angeordnet noch hat sie je Abhörprotokolle gesehen», betont Leuenberger in seinem Schreiben, «die Überwachung lag in der Kompetenz der Bundesanwaltschaft und wurde vom Präsidenten der Anklagekammer des Bundesgerichts genehmigt.»

Rücktritt unter Druck

Der «Kopp-Skandal» bewegte die damals 53-Jährige Elisabeth Kopp zum Rücktritt als Bundesrätin: Im Oktober 1988 wurde sie von einer Mitarbeiterin des Eidgenössichen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) informiert, dass die Firma ihres Mannes in den Verdacht der Geldwäscherei geraten war.

Obwohl ein Teil der Informationen aus departementsinternen Quellen stammte, rief Kopp daraufhin ihren Mann an und bewegte ihn zum Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Firma.

Unter dem Verdacht auf Insidertipps geriet die Bundesrätin immer mehr unter Druck der Öffentlichkeit und gab im Februar 1989 nach fünfjähriger Amtszeit ihren Rücktritt bekannt. Ihr Mann wurde zu einem Jahr Gefängnis bedingt verurteilt, zudem wurde ihm das Anwaltspatent entzogen.

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