Kommentar
Die Armee motzt den Orientierungstag für Junge auf – ihre wahre Chance lauert anderswo

Die Armee sucht neue Wege, wie sie die Generation Z beim Erstkontakt für sich begeistern kann. Bloss: Der Wandel dürfte sich auch so kaum aufhalten lassen.

Sven Altermatt
Sven Altermatt
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Obwohl ihre Aufgaben hohe Zustimmung in der Bevölkerung finden, hat die Armee nicht mehr den gleichen Stellenwert wie einst.

Obwohl ihre Aufgaben hohe Zustimmung in der Bevölkerung finden, hat die Armee nicht mehr den gleichen Stellenwert wie einst.

Bild: Urs Jaudas

Eigentlich sollte alles wie geschmiert laufen: Schliesslich ist gemäss Bundesverfassung jeder Schweizer verpflichtet, Militärdienst zu leisten. Junge Männer werden der Armee jahrgangsweise zugeführt. Trotzdem muss sie mehr denn je um Nachwuchs werben: Ihr laufen die Leute davon. Manche wechseln in den Zivildienst, andere fallen aus medizinischen Gründen weg.

Lange fokussierten sich die Militärfreunde bizarrerweise darauf, den Zivildienst weniger attraktiv zu machen. Statt bei der Unbeliebtheit der Armee anzusetzen. Daraus sprach die Verzweiflung. Am Ende scheiterten höhere Hürden für den Zivildienst im Parlament.

Nun setzt man anderswo an. Unter anderem soll der Orientierungstag, der erste obligatorische Termin für Stellungspflichtige, aufgemöbelt werden. Stärker müsse man auf die «individuellen Bedürfnisse» der Jungen eingehen, heisst es etwa. «Nachhaltig» gelte es die Generation Z fürs Militär zu gewinnen. Daran ist nichts verkehrt.

Bloss: Der gesellschaftliche Wandel dürfte sich kaum aufhalten lassen. Obwohl ihre Aufgaben hohe Zustimmung in der Bevölkerung finden, hat die Armee nicht mehr den gleichen Stellenwert wie einst. Eine Milizkarriere befördert die Aufstiegschancen im Beruf immer weniger.

Milizsystem reformieren

Gut, dass der Kreis derer, die das Milizsystem reformieren wollen, immer grösser wird. Freisinnige und Grünliberale fordern einen Bürgerdienst für alle, und bald soll eine Initiative für einen breit gefassten Dienst an der Gesellschaft lanciert werden. Selbst Verteidigungsministerin Viola Amherd ist solchen Ideen nicht abgeneigt.

Für die Armee könnte dies eine Chance sein, ihr Profil zu schärfen. Mehr denn je müsste sie aufzeigen, dass ihr Dienst wirklich attraktiv ist.