Die Energiestrategie 2050 beinhaltet, dass in der Schweiz der Energieverbrauch gesenkt, die Energieefffizienz erhöht, die erneuerbaren Energien stärker gefördert und der Neubau von Atomkraftwerken verboten wird. Doch ist gerade der letzte Punkt realistisch, wo doch die AKW in der Schweiz einen Drittel des Stroms produzieren?

"Ich glaube, das ist machbar", antwortet Bundesrätin Doris Leuthard im "TalkTäglich" dem Moderator Oliver Steffen. Die Bundesrätin will das Volk davon überzeugen, am 21. Mai Ja zu stimmen zum Energiegesetz, der ersten Etappe zur Umsetzung der Energiestrategie 2050. "Die Alternative ist, wir importieren sehr viel fossile Energie aus ölproduzierenden Staaten", sagt die Energieministerin. 

Bis 2050 sollen auch alle Schweizer Atomkraftwerke vom Netz sein. "Selbst wenn es überall Solarzellen hat und an jedem Hang eine Windenergieanlage steht, selbst dann würde das wahrscheinlich nicht reichen", hält ihr Oliver Steffen entgegen. 

TalkTäglich mit Bundesrätin Doris Leuthard: Thema Kosten

Doris Leuthard im "TalkTäglich" über die Energiestrategie 2050

Hier äussert sich die Energieministerin zu den Kosten, deren Höhe umstritten ist.

Doch Doris Leuthard bleibt bei ihrem Standpunkt: "Doch, das wird aufgehen. Die erste Etappe der Strategie ist bis 2035 berechnet. Was wir brauchen und was wir zubauen, das ist hinterlegt bei diesen Berechnungen." 

Leuthard weist auf folgenden Punkt hin: Auch wenn das Schweizer Volk Nein sage zur Energiestrategie, die Kernkraftwerke würden trotzdem abgestellt. Die BKW hat dies für das AKW Mühleberg für 2019 angekündigt. Wie lange die beiden Beznau-Blöcke Strom produzieren werden, sei unklar.

TalkTäglich mit Bundesrätin Doris Leuthard: Thema Gewerbe

Doris Leuthard im "TalkTäglich" über die Energiestrategie 2050

Hier äussert sich die Energieministerin über die Folgen für das Gewerbe. 

Die Ära der Kernkraftwerke in der Schweiz werde zu Ende gehen. Darauf müsse man schon eine Antwort geben. "Wenn man nichts macht, wird ein Versorgungsengpass realistisch. Wir aber machen etwas. Wir setzen vor allem auf Effizienz. Wir wollen die erneuerbaren Energien in der Schweiz aufbauen." Man vergesse, dass es in 20 Jahren bessere Speicherlösungen geben werde. Im Sommer produziert die Schweiz genug Strom für den eigenen Bedarf. Für einige Wochen im Winter importiere das Land heute schon Strom. "Da wird uns die Speicherung von Strom helfen", gibt sich Leuthard überzeugt.  

Steffen hakt nach: Doch wieso wartet man nicht, bis die Speicherung effizienter und günstiger wird? Dann würden sich die Lösungen automatisch durchsetzen. Wieso braucht es da eine Energiestrategie?

"Das passiert nicht von alleine", entgegnet Leuthard. Es brauche technische Vorgaben, um Energie effizienter einzusetzen. Leuthard verweist auf Neuwagen, die weniger Treibstoff verbrauchen oder auf die Beleuchtung mit dem Verbot der Glühbirne. "LED war vor einigen Jahren teuer. Jetzt lohnt es sich für jeden Haushalt, umzustellen." Das Universitätsspital Zürich beispielsweise habe den Energieverbrauch um 70 Prozent senken können durch die Umstellung auf LED. Später verweist Leuthard auf die Auslandabhängigkeit der Schweiz bei der Energie. "Wir importieren heute 75 Prozent der Energie (...) Es ist ein Gebot der Stunde, dass wir wegkommen von der fossilen Energie. Dabei wird uns das Gesetz helfen." 

Doris Leuthard über die Energiestrategie 2050

Doris Leuthard im "TalkTäglich" über die Energiestrategie 2050

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