Kruzifix-Verbot

Koch gegen Kruzifix-Verbot

Kritik: Bischof Kurt Koch stellt das Urteil des Europäischen Menschengerichtshofs infrage, das sich gegen Kruzifixe an Italiens Schulen ausgesprochen hat.

Kruzifix

Kritik: Bischof Kurt Koch stellt das Urteil des Europäischen Menschengerichtshofs infrage, das sich gegen Kruzifixe an Italiens Schulen ausgesprochen hat.

Der Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg hat sich gegen die obligatorische Präsenz von Kruzifixen in italienischen Schulen ausgesprochen – zum Unmut von Kurt Koch.

Michele Coviello
Hans-Peter Wäfler

«Gott wird auf die ‹Ersatzbank› verwiesen.» Bischof Kurt Koch braucht in seiner Predigt am letzten Sonntag in der Oltner St.-Martins-Kirche klare Worte. Am Festgottesdienst des Kirchenpatrons drückte der Bischof der Diözese Basel seine Besorgnis aus. Anlass war das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Strassburg. Dieses hat die obligatorische Präsenz von Kruzifixen in italienischen Schulzimmern aufgehoben. Weil es darin eine Verletzung der Religionsfreiheit und der Menschenrechtskonvention sieht.

Europa versuche eine Gemeinschaft zu bauen, die von einem religiösen Fundament absehe, kritisiert nun Bischof Koch. Und fragt rhetorisch: Was bedeute das Urteil für die Schweizer Fahne? Dürfe man das Kreuz fortan nur noch als ein Plus-Zeichen deuten?

«Er spricht mir aus dem Herzen»

Am Gottesdienst war als Ehrengast auch der CVP-Ständerat Bruno Frick (SZ) anwesend. «Es ist das Recht eines Bischofs, seine Besorgnis auszudrücken», so Frick. Zum Urteil des Europäischen Menschengerichtshofs meint er: «Für die Schweiz ist das nichts Neues.» Er erinnert daran, dass das Schweizer Bundesgericht 1990 gleich entschieden habe (siehe Kasten). Frick: «Als Bürger in einem Rechtsstaat akzeptiere ich das, auch wenn es mich nicht freut.»

Deutlicher wird Oskar Freysinger, SVP-Nationalrat aus dem erzkatholischen Wallis: «Kurt Koch spricht mir aus dem Herzen.» Freysinger findet zwar nicht, dass Kruzifixe unbedingt in öffentlichen Schulen hängen müssten. Dennoch: «Unsere Geschichte ist vom Christentum geprägt. Wer aber nicht mehr zu seinen Wurzeln steht, der hat keine Zukunft.» Weniger dramatisch sieht das Andy Tschümperlin, SP-Nationalrat aus dem Kanton Schwyz: «Ich habe keine Angst, dass in der Schweiz die Kreuze aus dem öffentlichen Leben verschwinden.» In der Innerschweiz gibt es nach wie vor öffentliche Schulen, in denen Kreuze hängen.

Für Gelassenheit plädiert der Bündner Regierungsrat Claudio Lardi. Auch in einem Teil der Schulen seines Kantons hängen die Kreuze noch; sie seien nie ein Thema gewesen: «Wenn sich jemand daran stört, soll er nicht darauf schauen.» Das katholisch geprägte Tessin belässt Kruzifixe in den älteren Schulhäusern, hängt in Neubauten aber keine mehr auf. «Es gibt einen Bundesgerichtsentscheid, den wir zu befolgen haben», sagt Diego Erba, Schuldirektor des Kantons.

«Innere Haltung wichtiger»

Verständnis für die Gerichtskritik von Bischof Kurt Koch hat dagegen FDP-Nationalrat Otto Ineichen (LU): «Es sollte doch möglich sein, dass Kruzifixe bei uns auch in öffentlichen Schulzimmern hängen.» Es fehle ihm die Toleranz, die unsere Gesellschaft weiterbringe. Toleranz fordert er aber auch von der katholischen Kirche: «Viel wichtiger als öffentliche Symbole ist doch die innere Haltung. So würde auch ein Bischof viel glaubwürdiger wirken, wenn er sich statt mit weissem Kragen auch einmal im offenen Hemd und in Jeans zeigen würde.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1