Daniel von Känel

Die vielen gekaperten Schiffe, die Politik, die Truppen zum Schutz dieser Schiffe aussandte oder zumindest darüber diskutierte: Somalia, da kommen doch die Piraten her. Aus Somalia kommen auch Asylsuchende in die Schweiz. «Das Bild der Somalier ist von Klischees geprägt», sagt Catherine Goumoens. Zum Bild, das durch die Piraten in Somalia geschaffen wurde, kommt die Tatsache, dass Somalia ein muslimisches Land ist. Menschen aus dem christlich geprägten Eritrea beispielsweise würden bereits weniger mit Berührungsängsten konfrontiert als die Somalier.

Grundlage entzogen

Um Menschen aus verschiedenen Ländern ein Forum zu geben, beginnt die Weltgruppe Möhlin einen Veranstaltungszyklus. So wird morgen Abend im Pfarreizentrum Schallen ein Somalier aus seiner Sicht über die Hintergründe sprechen. Denn solche gebe es meistens, so auch bei jenen Somaliern, die sich als Piraten betätigen. «Früher waren es kleine Fischer», sagt Goumoens. Durch die industrielle Fischerei sei das Meer vor Somalia leergefischt und ihnen die Grundlage entzogen worden. Aus dem Kapern von kleineren Booten sei immer mehr geworden, es habe sich eine Mafia gebildet. Und: «Sie sind reich geworden damit», erklärt Goumoens. Die Piraterie könne man nicht entschuldigen. Aber: «Man hätte diese Entwicklung stoppen können», hält Goumoens fest. Dann nämlich, wenn man die Grossfischerei längerfristig unterbunden hätte. «Aus den Kleinfischern ist durch die Piraterie eine steinreiche Mafia geworden», sagt Goumoens. «Die wollen nicht mehr zurück.»

Entstanden ist die Piraterie in der Region um das Horn von Afrika. Doch Somalia ist grösser und komplexer. Der Konflikt im Land basiert hauptsächlich darauf, dass die Islamisten die gemässigten Muslime bekämpfen. «Die Asylsuchenden aus Somalia hier sind gemässigte Anhänger des Islam und keine extreme Islamisten», sagt Goumoens.

Projekte in der ganzen Welt

Die Anfänge der Weltgruppe Möhlin reichen bis ins Jahr 1976 zurück. 1983 wurde die «Dritte Welt Gruppe» gegründet. Letztes Jahr hat sie ihren heutigen Namen erhalten. «Wir haben Projekte auf verschiedenen Kontinenten», erklärt Goumoens. Schon seit langer Zeit seien aber auch Menschen aus verschiedenen Kontinenten in der Schweiz. Man wisse teilweise wenig über sie. «Deshalb wollten wir ein Projekt dazu machen», sagt Goumoens. So habe man die Gruppe Begegnung Asyl gegründet. Diese sei auch dem Netzwerk Asyl Aargau angeschlossen. Unter anderem gebe man den Asylsuchenden Deutschstunden. Dies sei der grösste Wunsch gewesen, der bei der ersten Kontaktaufnahme im Durchgangszentrum geäussert worden sei. Auch wenn viele dieser Menschen die Schweiz wieder verlassen würden, sei es doch entscheidend, wie man mit
ihnen in dieser Zeit umgehe. Eine schlechte Behandlung, ist Goumoens überzeugt, führe höchstens dazu, dass auch diese Leute gegen den Westen radikalisiert würden. Auf lange Sicht gewinne man deshalb mehr, wenn sie gut behandelt würden. Ziel der Gruppe Begegnung Asyl sei auch, dieses Gedankengut bekannt zu machen.

Neben den Deutschstunden habe man auch schon einige Anlässe wie beispieslweise einen Chlausabend organisiert. In einen Gottesdienst eingebunden hätten Menschen aus Eritrea von ihrer Situation und der Situation in ihrem Heimatland erzählt. Mit dem Veranstaltungszyklus, den man nun starten wolle, sollen solche Länder-Schwerpunkte gesetzt werden. Von Sri Lanka wisse man relativ viel, aber aus Togo beispielsweise, von dort kämen in letzter Zeit immer mehr Menschen als Asylbewerber nach Europa, eher wenig. So könnte es gut sein, dass nach Somalia das westafrikanische Land Togo im Zentrum stehen wird.