Debatte

Klimastreiker stellen «Arena» auf den Kopf – und lassen SVP-Zanetti so richtig toben

20 Klimaaktivsten diskutierten im Studio - und kündigten gleich an, bald ihre eigene Klima-Arena abzuhalten

20 Klimaaktivsten diskutierten im Studio - und kündigten gleich an, bald ihre eigene Klima-Arena abzuhalten

Direkt von der Demo in die SRF-Arena: 20 durchnässte Klima-Aktivisten und Aktivistinnen kämpften in einer turbulenten Sendung gegen die «alten Männer» aus Politik und Wirtschaft.

Wegen der basisdemokratisch organisierten Klimastreik-Bewegung stellt Arena-Dompteur Jonas Projer die Sendung auf den Kopf. Gleich 20 Klima-Aktivisten und Aktivistinnen treten gegen die bürgerlichen Politiker, wie etwa «Klimaleugner» und SVP-Nationalrat Claudio Zanetti, in den Arena-Ring. Dies aber von zweiten Reihe aus, was für rote Köpfe sorgt: «Wir müssen uns von alten Männern anhören, wie unrealistisch unsere Forderungen sind», enerviert sich die Klima-Bewegung in einem vorab publizierten Communiqué.

Zanetti hält den Streik zwar für «unschweizerisch», zeigt sich aber anfangs noch versöhnlich («die Vergeudung von Ressourcen ist eine kapitalistische Sünde»). Und greift dann aber die Klimastreiker frontal an: «Die Klimaerwärmung ist für sie eine Art Religion. Dabei ist die Erdtemperatur schon im Mittelalter rauf und runter gegangen.» Während seine Mitstreiter wie FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler den Kopf schütteln, provoziert der SVP-Heisssporn weiter: «In der Klima-Bewegung hat es auch Extremisten», so Zanetti und erntet verständnislose Blicke.

Zanetti vergleicht Klimawandel mit Tierversuchen:

Über 60'000 Klimastreikende gingen am Freitag in der Schweiztrotz garstigen Bedingungen auf die Strasse. Der Berner Gymnasiast Marco Läderach zeigt sich im Studio besonders kampflustig und fällt den Kontrahenten immer wieder ins Wort. «Herr Zanetti, wir reden hier über Klimaschutz», sagt er, als der SVP-Vertreter die wissenschaftliche Erklärung des Klimawandels mit der Diskussion über Tierversuche vergleicht.

Die Jugendlichen fühlen sich unverstanden: «Seit Monaten stehen wir auf der Strasse, aber die Parteien haben überhaupt keinen Klima-Plan», erzürnt sich Aktivist Andri Gigrl, fuchtelt mit der Armen herum und spielt auf das C02-Gesetz an, welches der Nationalrat in der Wintersession versenkte. «Wir haben im Parlament Sandkasten-Spiele gemacht. Aber wir nehmen das Problem durchaus ernst», erklärt CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, als er zur Unterstützung der Klima-Jugend in die Arena eingewechselt wird.

«Das sind Seifenplööterli-Argumente»:

Man müsse die Amerikaner und die Chinesen bei der Kimapolitik mit ins Boot holen, sonst bringe alles nichts, sagte Jean-Philippe Kohl vom Industriedachverband Swissmem. Auch er lobt die Demonstranten. Selbst ist er aber gar kein Draufgänger: «Ich fühle mich zu alt, um auf die Strasse zu gehen».

«Die Klimajugend trifft auf ihre schärfsten politischen Gegner – und auf die harte wirtschaftliche Realität»: Unter diesem Motto führt SRF-Projer durch die Sendung. Im Wahljahr will sich FDP-Bigler aber nicht in diese Ecke stellen lassen: «Es nützt nichts, wenn wir als Musterschüler vorangehen. Man muss beim Klimaschutz alle Länder ins Boot holen», sagt der Nationalrat zur Forderung der Klimajugend, die Treibhausgas-Emissionen in der Schweiz bis 2030 auf netto Null zu senken.

Ist es sinnvoller, den CO2-Austoss in der Schweiz oder im Ausland einzudämmen? Diese Frage scheidet in der Arena selbst unter den Bürgerlichen die Geister. «Ein investierter Franken hat im Ausland eine fünfmal so hohe Wirkung gegen die Klimaerwärmung,» moniert Bigler weiter. Zanetti wettert derweil über die «mafiösen» Klimakompensations-Instrumente.

«Wenn wir aussterben, ist dies nicht bezahlbar»:

«Das sind doch alles Seifenplööterli-Argumente. Niemand von ihnen ist bewusst, wie ernst die Klima-Lage ist», wirft ein Klimastreiker in die Runde ein und hält sein Plakat in die Luft.

CVP-Müller wirft sich für die Klimastreiker ins Zeugs, zeigt sich aber als Realist. «Wenn wir ein neues Klima-Gesetz durchbringen wollen, muss es fair und bezahlbar sein. Man kann den Menschen nicht einfach ihre Ölheizung aus dem alten Haus herausreissen». Lenkungsabgaben dürften etwa Bewohner von Randgebieten nicht benachteiligen. Man müsse auch aufzeigen, wie man die Bauern zur E-Mobilität bringen könne.

Klimaaktivist Läderach hat eine provokante Idee, wie man die Bundesbudgets zu Gunsten des Klimas umwälzen könte. Und zwar, indem man bei der Armee abspeckt. «Der Klimawandel ist eine viel grössere Bedrohung für die Schweiz als etwa bewaffnete Konflikte», so der Berner.

Sein Kollege Gigrl pflichtet ihm bei: «Wenn wir aussterben, das ist nicht bezahlbar. Akzeptieren sie endlich die Fakten, die kann man nicht infrage stellen», appelliert er an die Politker.

Und fügt an: «Autos sind einfach nicht so geil, wie alle meinen. Autos verschmutzten die Luft und wir müssen aufpassen, nicht überfahren zu werden».

Rytz greift Zanetti an:

Später wird auch die Grünen-Präsidentin Regula Rytz in die Arena geholt. Sie bedauerte, dass die Schweiz punkto Umweltschutz schon lange kein Pionierland mehr ist, wie dies etwa früher bei der obligatorischen Einführung des Katalysators der Fall gewesen sei. «Ausgerechnet in der Schweiz werden selbst in Städten Autos gekauft, die sehr viel Most verbrauchen». Auch sie verzweifelt ob SVP-Zanetti. «Sie sagen immer nur ‹Nein, nein, nein›. Hören sie doch mal zu, was möglich ist, »

Für den Aktivisten Jann Kessler stellt sich vielmehr die Frage, nach welchen Idealen man künftig leben wolle. «Wie ist es möglich, auf diesem Planeten zu überleben? Ist es der Sinn des Lebens, dauernd herumzujetten?», so der Ostschweizer. Sein Kollege Dominik Tobler sieht es etwas pragmatischer als seine Streik-Gspändlis. «Ich sehe auch, dass es in der Klima-Frage Zielkonflikte gibt.»

Wirklich zufrieden sind die Klimastreiker mit dem SRF-Diskussionsformat aber nicht. Darum organisieren sie am 22. März eine eigene Klima-Arena, die sie auf sozialen Medien ausstrahlen.

Schweizer Jugendliche gehen für Klimaschutz auf die Strasse

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Schweizer Jugendliche fordern im Klimaschutz Taten statt Worte. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, gehen sie am weltweiten Protesttag vom Freitag unter dem Motto "Klimastreik" im ganzen Land auf die Strasse.

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