Klimawandel
Klima verändert auch den Wald

Der Klimawandel verändert auch die Wälder. Erste Prozesse sind bereits sichtbar. Welche, und wohin die Entwicklung geht, ist an Waldexkursionen zu erfahren. Zur Teilnahme laden die Universität Bern und das kantonale Amt für Wald im Mai und Juni ein.

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Berner Rundschau

Bruno Utz

«Wir haben zwar längst die Ohren voll davon, aber der Klimawandel betrifft uns», sagte gestern auf dem Gurten Urs Würgler. Der Rektor der Universität Bern stellte das gemeinsam vom Amt für Wald und der heuer ihren 175. Geburtstag feiernden Uni Bern erarbeitete Projekt Wald 2050 vor. Damit belege die Uni ihre seit vielen Jahren erarbeitete Kompetenz in der Klimaforschung. «Wir können zwar nicht genau sagen, wie die Wälder im Kanton Bern im Jahr 2050 aussehen werden, aber wir können mögliche Entwicklungszenarien aufzeigen», so Würgler.

Experten vermitteln Klimawissen vor Ort

An acht Standorten verteilt im ganzen Kanton finden im Mai und im Juni im Rahmen von «Wald 2050 - Klimawissen vor Ort» insgesamt 16 Exkursionen statt. In der näheren Region können sich Interessierte am Donnerstag , 18 Juni, (17.30 bis 20 Uhr) und am Samstag, 20. Juni, (10.30 bis 13 Uhr) in Lyssach informieren lassen. Treffpunkt ist jeweils beim Emmi-Gebäude (Nähe Bushaltestelle Kernenriedstrasse). Beide Exkursionen werden von Oberförster Laurent Marti und vom Biologen Thomas Mathis geleitet. Thema ist «Wie kann sich der Rumiwald an die Klimaveränderung anpassen?». Rund um Kernenried sind bereits deutliche Veränderungen sichtbar. Durch den verstärkten Borkenkäferbefall nach dem Orakn Lothar 1999und nach dem Hitzesommer 2003 sind die Fichtenbestände massiv zurückgegangen. Davon zeugen die Waldlücken im Rumiwald, welche in der Zwischenzeit vermehrt mit Laubbäumen angepflanzt worden sind. Die weiteren Exkursionsorte sind: Gurten, 9. Mai und 5. Juni; Biel-Magglingen, 18. und 25. Juni;
Frutigen (Schlafegg), 30. Mai und 7 Juni; Gantrisch (Gäggersteg), 31. Mai und 12. Juni; Heimberg (Hartlisberg); 16. und 20. Mai; Interlaken (Kleiner Rugen), 14. Mai und 7. Juni sowie La Neuveville, 15. und 16. Mai. Die Exkursionen finden bei jedem Wetter statt und sind kostenlos, Anmeldung ist nicht nötig. (uz)
Detaillierte Infos: www.wald2050.unibe.ch

«Die Kürze ist das Neue»

Klimaveränderungen habe es schon immer gegeben, sagte der Biologie Beat Fischer. Er wird die Exkursionen auf dem Gurten leiten, zusammen mit Franz Weibel, Oberförster der finanziell am Projekt beteiligten Burgergemeinde Bern. Vor etwa 15 000 Jahren seien die ersten Bäume, Birken und Waldföhren, in unserer Region sesshaft geworden. Erst mit dem Wärmerwerden vor etwa 11 000 Jahren seien Laubhölzer wie Eiche, Linde und Ulme eingewandert. Die vorangegangenen Klimaveränderungen hätten sich in riesigen Zeitdimensionen abgewickelt. «Das Neue ist die Kürze», so Fischer. Gemäss dem Biologen wird sich das Klima nördlich der Alpen dem heutigen Trockenklima im Wallis angleichen.

Zu heiss und trocken für Buchen

Für die Zukunft des Waldes sei der Wissenstransfer im Bereich Klimawandel von grosser Bedeutung, sagte Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher. Der Klimawandel müsse in die nachhaltige Waldbewirtschaftung einbezogen werden. «Was wir heute im Wald unternehmen, beeinflusst das Waldbild der nächsten hundert Jahre», so Rickenbacher. Wegen der Erwärmung und geringeren Niederschlägen im Sommer erwarteten Wissenschaftler beispielsweise, dass die verbreitete Buche in den tiefsten Lagen von Arten verdrängt werden, die besser an die Trockenheit angepasst sind. Dazu gehörten beispielsweise die Eiche, die Föhre oder die Kastanie. Die Buche werde in höhere Lagen ausweichen und dort die Fichte konkurrieren.

Als Reaktion auf die Veränderungen müsse zwar nicht der Waldbau auf den Kopf gestellt werden. Es sei aber sinnvoll, die Vielfalt der Bestände zu erhöhen. Und an den Standort angepasste Baumarten seien zu fördern. Im Vordergrund stehe dabei die natürliche Verjüngung. Zudem seien altersdurchmischte, strukturreiche Wälder am stabilsten. Deshalb seien alte und dichte Wälder zu reduzieren. Rickenbacher: «So erhalten die Jungpflanzen Licht und Platz, um zu wachsen.»