Sozialwerke
Nach Jahren in den Schlagzeilen: Keine IV-Aufträge mehr für Basler Firma

Die Basler Firma ABI klärt in Gutachten ab, ob das Anrecht auf eine IV-Rente besteht. Nun darf sie das in vielen Fällen nicht mehr tun.

Lucien Fluri
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Wer erhält eine IV-Rente? Gutachterfirmen wie das ABI haben einen grossen Einfluss.

Wer erhält eine IV-Rente? Gutachterfirmen wie das ABI haben einen grossen Einfluss.

Bild: CHMedia

Wer eine IV-Rente beantragt, der bekommt es möglicherweise mit der Basler Firma ABI zu tun. Sie gehört zu den ganz Grossen im Markt der professionellen Gutachtenschreiber. Ob jemand eine IV-Rente erhält oder nicht, hängt oft von der Einschätzung der Firma ab.

Dabei sorgt die Firma seit Jahren für Schlagzeilen. Anwälte werfen ihr vor, zu oft im Sinne der IV zu entscheiden. Und als die gut bezahlten Aufträge 2018 zurückgingen, schien es, als ob das ABI das Vergabeverfahren auszutricksen versuche: Plötzlich tauchten ganze Gutachterteams bei anderen Firmen auf – und hatten so in der Auftragsvergabe per Losentscheid grössere Chancen. Bis das Bundesamt für Sozialversicherung diese Praxis unterband.

Jetzt hat das Amt erneut reagiert und die Tätigkeit der Firma eingeschränkt: Mitte November sind die kantonalen IV-Stellen angewiesen worden, keine Aufträge mehr für bidisziplinäre Gutachten an das ABI zu erteilen. Das Amt bestätigt entsprechende Informationen dieser Zeitung. Das heisst: Das ABI darf keine Gutachten mehr schreiben, bei denen zwei Fachrichtungen involviert sind.

Auslöser für die aufsichtsrechtliche Massnahme waren Recherchen dieser Zeitung: Sie hatten aufgezeigt, dass das ABI einen Risikozuschlag verlangte, weil ein Anwalt stark negativ eingestellt sei. Damit allerdings schnitt sich die Firma ins eigene Fleisch, denn: Nach so einer Aussage lässt sich der Firma quasi immer Befangenheit vorwerfen. Dies könne nicht toleriert werden, hält das Bundesamt fest, betont allerdings auch: Qualitätsprobleme habe es bei den Gutachten nicht gegeben.

Alle anderen – ausser den bidisziplinären – Gutachten darf das ABI weiter schreiben. Dort gibt es, anders als bei bidisziplinären Gutachten, feste Vergütungen gemäss Tarifsystem – und keinen Spielraum bei der Preisgestaltung.