Zertifikat
Kein Zertifikat für Sauberkeit

Es sind vor allem die schwarzen Schafen, die im Gastgewerbe für Schlagzeilen sorgen. Eine Auszeichnung für saubere Betriebe, wie es sie in anderen Kantonen gibt, möchte der Wirteverband Basel-Stadt trotzdem nicht einführen.

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Wirte

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Toprak Yerguz

Es ist ein Thema, das Emotionen weckt: Sauberkeit in Gastrobetrieben. Sollen die schwarzen Schafe unter den Restaurantbetreibern öffentlich genannt werden? Den umgekehrten Weg ist man in Zürich gegangen: Dort können sich die «weissen Schafe» als solche deklarieren lassen. Weil lokale Gastgewerbeverbände genug davon hatten, nur im Zusammenhang mit Schlagzeilen wie «Grüselbeizen» erwähnt zu werden, haben sie ein eigenes Hygienezertifikat geschaffen.

Das Ziel ist, die vielen sauber arbeitenden Betriebe auszuzeichnen und in den Vordergrund zu rücken. Zürcher Lokale können nun das Zertifikat freiwillig beantragen, sofern sie nicht in den Kontrollen der Zürcher Inspektoren hängen bleiben.

Kein Basler Interesse

Ein solches Zertifikat wird es in Basel nicht geben: Beim Wirteverband Basel-Stadt sieht man dafür keine Notwendigkeit. «Es ist eine gute Idee für gute Betriebe», sagt Maurus Ebneter vom Wirteverband, um gleich anzufügen: «Der allgemeine Hygienestandard wird damit aber nicht gehoben.» Er hält ein solches Zertifikat für ein mögliches Kommunikationsmittel für die sauberen Gaststätten, «aber den Schmutzfinken legt man so nicht das Handwerk.»

Ein Zertifikat, das nur auf der Kontrolle der Lebensmittelinspektoren alle zwei Jahre beruhe, sage wenig über die tatsächlichen Verhältnisse aus. In einer Küche könne es sehr schnell zu Veränderung kommen: «Wenn der Küchenchef wechselt, sieht es oft schon nach 14 Tagen anders aus.» Das könne im guten wie im schlechten Sinne der Fall sein.

Wolle man tatsächlich ein aussagekräftiges Zertifikat kreieren, müssten aus seiner Sicht die Betriebe monatlich oder zumindest quartalsweise unangekündigt kontrolliert werden. Ebneter weiss jedoch um die geringe Wahrscheinlichkeit solcher Kontrollen: «Die Frage ist auch: Wie soll man das bezahlen?»

In den Kantonslaboren in Basel und Zürich glaubt man ebenfalls nicht, dass ein solches Zertifikat die Hygiene verbessert. Der Zürcher Kantonschemiker Rolf Etter hat gegenüber lokalen Medien verlauten lassen, dass man in Zürich überall gefahrlos essen könne, weil die wirklich dreckigen Betriebe ohnehin geschlossen würden. Ein Zertifikat sei deshalb nicht notwendig.

Der Basler Kantonschemiker Philipp Hübner teilt die Meinung seines Kollegen, wenn auch nicht uneingeschränkt: «Zur Verbesserung der Hygiene trägt ein solches Zertifikat wenig bei. Aber der springende Punkt ist: Wer kontrolliert diese Zertifikate?» Hübner glaubt, dass statt privatrechtlichen Regelungen eine nationale, einheitliche Regelung im Rahmen des Lebensmittelgesetzes sinnvoller sei. «In der Bevölkerung ist das Bedürfnis da, über die Hygieneverhältnisse in einem Lebensmittelbetrieb Bescheid zu wissen», sagt Hübner. Insofern braucht es eine neue Regelung.

Gesetzesänderung in Aussicht

Die Notwendigkeit solcher Zertifikate könnte gänzlich hinfällig werden. Zurzeit ist nämlich die Revision des eidgenössischen Lebensmittelgesetzes in der Vernehmlassung. Darin heisst es, dass zuständige Behörden das Ergebnis ihrer Kontrollen der Öffentlichkeit zugänglich machen können. Was viele Konsumenten erfreuen würde, stösst bei Ebneter auf Skepsis. Weil die Kontrollen nur eine Momentaufnahme seien, werde ein Betrieb möglicherweise lange für ein vergleichsweise kleines Vergehen an den Pranger gestellt.

«Bei krassen Hygieneverstössen gibt es ja behördliche Massnahmen, die aus meiner Sicht sogar noch härter sein sollten», sagt er. Aus diesem Grund sei die Notwendigkeit einer «schwarzen Liste» nicht gegeben. Ebneter weiss jedoch auch: «Der Wunsch der Konsumenten ist verständlich. Wenn sie es so wollen, werden wir uns nicht mit Händen und Füssen dagegen wehren.»