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Kein Inländervorrang für Pferde

Jonas Schmid
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Freiberger Pferde in Damvant im Kanton Jura (Archiv)

Freiberger Pferde in Damvant im Kanton Jura (Archiv)

Keystone

Letzten Mittwoch kam also doch noch eine gute Nachricht aus dem Bundesrat: Das Freibergerpferd ist nicht gefährdet, stellte die Regierung fest. Immerhin handelt es sich beim Freiberger um die letzte heimische Pferderasse, für deren Schutz der Bund jährlich 10 Millionen Franken aufwirft. Doch der Bestand der Pferde nimmt ab: Kamen 2002 noch 3000 Fohlen zur Welt, so waren es letztes Jahr noch 2000. Grund: Die Freiberger sind als Freizeit- und Sportpferd einfach nicht mehr gefragt. Besorgniserregend, fand die jurassische Ständerätin Anne Seydoux. Um die inländischen Pferde attraktiver zu machen, fordert die CVP-Frau kleinere Kontingente für ausländische Pferde – einen tierischen Inländer-Vorrang also.

Der Bundesrat hält dies aber für keine gute Idee: Eine Preis-Analyse habe ergeben, dass«rein theoretisch» nur 29 Prozent der importierten Pferde in Konkurrenz zu den Freibergern stünden. Eine strengere Kontingentierung wäre demnach ineffizient und würde zu volkswirtschaftlichen Kosten führen. Als Massnahme rät er dem Schweizerischen Freibergerverband vielmehr zu einer Vorwärtsstrategie: Er soll die Zucht der Pferde aufs Ausland ausdehnen. Denn: «Es scheint wichtig, dass sich eine Rasse nicht ausschliesslich darüber definiert, wo sie ursprünglich gezüchtet wurde, sondern dass man versucht, die Zucht dieser Rasse über die Grenzen des Ursprungslandes hinaus zu verbreiten.» So könne sichergestellt werden, dass der Bestand nicht unter ein bedrohliches Niveau sinke.

Übertragen auf die Europadebatte würde das heissen: Statt Ausländern bei der Stellensuche Steine in den Weg zu legen, würde der Staat Inländer besser so fit machen, dass sie auch im Ausland einen Job kriegen. Nicht wo jemand geboren wird, soll entscheidend sein, sondern welche Chancen er bekommt.

jonas.schmid@azmedien.ch

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