Kein Grund für eine «Trotzreaktion»

Der Verzicht habe nichts mit der Diskussion um die Beamtengehälter zu tun, sagte Gasche. Die Parteien sind mit der Arbeit des Finanzdirektors zufrieden – und die SVP mit seinem Verzicht.

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Regierungsrat Urs Gasche sprach gestern von einem «Sommertheater», das derzeit im Gang sei. Und er stellte klar, dass die Diskussion um die Entlöhnung von Spitzenbeamten im Kanton Bern nichts mit seinem Verzicht zu tun habe. Eher hätte sie zu einer «Trotzreaktion» und zu einer weiteren Kandidatur geführt, sagte Gasche. Doch dazu konnte sie ihn nicht verleiten - schliesslich sei alles mit rechten Dingen zugegangen.

«Fair und kompetent»

Von allen Parteien erhielt Urs Gasche gestern Lob für seine Arbeit in der Regierung. Die SVP würdigte «seine Verdienste bei der Sanierung der Finanzen», wie sie mitteilte. «Respekt» zollte ihm Irène Marti, Präsidentin der SP Kanton Bern. «Er ist ein fairer Politiker, der das Amt sehr kompetent ausführt.» Soweit sie beurteilen könne, habe die Zusammenarbeit auch innerhalb der rot-grün dominierten Regierung gut funktioniert. Fairness wird ihm auch von FDP-Kantonalpräsident Johannes Matyassy attestiert. «Auch wenn wir nicht immer einverstanden waren, hat er gute Arbeit geleistet.» (joh)

Einem Beamten waren bei seinem Austritt 3700 Überstunden ausbezahlt worden. Gasche hatte die Vereinbarung unterschrieben. Insgesamt erhielt der Beamte gegen eine halbe Million Franken. «Die Sache ist nicht unkorrekt abgelaufen», sagte er. Darum habe ihn diese Geschichte betroffen gemacht - «vor allem für den dahinterstehenden Mann». Der Regierungsrat werde aber diese Regelung überprüfen.

Klärungsbedarf geortet

Für die bernische SVP, Gasches einstige politische Heimat, ist allerdings klar, dass Gasches Verzicht auf die «bekannt gewordenen Missstände» bei der Entlöhnung von kantonalen Spitzenbeamten zurückzuführen ist, wie sie gestern in einer Mitteilung schrieb. Sie wären «zu einer grossen Belastung» für Gasche geworden, so die SVP. Sie verlangt nun eine Parlamentarische Untersuchungskommission.

SP und FDP sehen keinen Zusammenhang zwischen Gasches Rücktritt und der Gehalts-Diskussion: «Sicher nicht», sagte dazu FDP-Kantonalpräsident Johannes Matyassy. Er ortet aber «Klärungsbedarf». Von einem Führungsmangel wollte SP-Präsidentin Irène Marti nichts wissen. «Es gibt klare Regelungen», und an die habe sich Gasche gehalten. Aber auch sie will Klärung. (joh)

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