Unten folgen die Absage-Gründe der CVP-Kandidatinnen und -Kandidaten...

Zu wenig Weltbürger

Der Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler sieht sich als nicht geeignet für das Bundesratsamt. "Ich bin nicht der Kosmopolit, der man für diese Aufgabe sein sollte", sagte er Ende September zum Portal "grheute". Ausserdem wolle er sein Leben und dasjenige seiner Familie nicht auf den Kopf stellen und sei "viel zu fest verankert in Graubünden".

Jetzt schon glücklich

Englers Kantonskollege Martin Candinas will ebenfalls nicht Magistrat werden. Der 38-jährige Nationalrat ist derzeit vollauf glücklich mit seiner politischen, beruflichen und familiären Situation.

Rückzug aus Politik

Der Luzerner Ständerat Konrad Graber gab seinen Verzicht bekannt, noch bevor Doris Leuthard ihren definitiven Rücktritt verkündigt hatte. Graber galt als der "perfekte Bundesrat". Allerdings will er sich nächstes Jahr aus der Politik zurückziehen. Er sei nicht politik-müde, aber es gebe auch ein Leben danach, sagte er an einem CVP-Anlass.

Die Partei braucht ihn

Schon im Mai 2018 sagte CVP-Präsident Gerhard Pfister zur "NZZ", er wolle nicht kandidieren. Er will die Partei ein Jahr vor den Wahlen nicht mit einem Chefwechsel belasten: "Ich halte mich nicht für unersetzbar, aber es ist nicht gut, wenn eine Partei vor den Wahlen den Präsidenten auswechseln müsste."

Herz und Kopf: Es ist kompliziert

Der St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth verzichtet auf eine Kandidatur, obwohl sein Herz eigentlich Ja sagen würde. Allerdings lässt der Kopf verlauten: Nein. Würths "sorgfältige Lagebeurteilung" dürfte ergeben haben, dass seine Chancen neben der ebenfalls aus der Ostschweiz stammenden Karin Keller-Sutter minim sein dürften. Und weil eine Bundesratswahl in hohem Masse von Konstellationen abhänge, so Würth, begebe er sich nicht ins Rennen.

Kein inneres Feuer

Der Aargau wird nach Doris Leuthards Rücktritt wohl nicht mehr in der Landesregierung vertreten sein. Nationalrätin Ruth Humbel hat abgesagt. Druck, Motivation und Privatleben waren für die Gesundheitspolitikerin entscheidend, wie sie dieser Zeitung sagt: "Eine Bundesrätin oder ein Bundesrat steht unter ständiger Beobachtung und hohem Druck. Das notwendige innere Feuer und das bedingungslose Streben nach dem höchsten politischen Amt gehen mir unter Würdigung aller Kriterien ab, zumal das Privatleben kaum Platz findet."

Lieber in den Ständerat

Die Luzernerin Andrea Gmür hätte, anders als Humbel, Feuer: "Mit Biss und Füür – Andrea Gmür" lautet der Slogan auf ihrer Website. Als Frau und Zentralschweizerin hatte sie auch zwei gute Argumente, um die Kandidatur zu wagen. Die CVP-Nationalrätin hegt aber andere Ambitionen: Sie will in den Ständerat. "Für mich persönlich sehe ich mein Wirkungsfeld weiterhin im Parlament, nicht in der Exekutive", sagte sie zu "CH Media".

... und so tönt es bei der FDP:

Partei in die Wahlen führen

Die Präsidentin der FDP, Petra Gössi, nahm sich bald nach Johann Schneider-Ammanns Rücktrittsankündigung aus dem Rennen: Sie sei erst seit etwas mehr als zwei Jahren Parteipräsidentin, wolle die Partei in die Wahlen 2019 führen und fühle sich wohl in ihrer Rolle.

Danke, aber nein danke

Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh wertete es in einer Facebook-Mitteilung als Anerkennung, für das höchste Schweizer Amt in Betracht gezogen zu werden. Lieber bleibe sie aber Zürcher Regierungsrätin: "Ich bin mit grossem Engagement und Herzblut Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin und empfinde es als ausserordentliches Privileg, für den wirtschaftlich starken Kanton Zürich und seine Bevölkerung Verantwortung tragen zu dürfen." Ihre Mitteilung ist 680 Zeichen lang.

Frau hat Vortritt

Nur 277 Zeichen – inklusive Hashtag – brauchte Ruedi Noser, Ständerat für den Kanton Zürich, für seine Absage. Die Zeit sei reif für eine zweite FDP-Bundesrätin (nach Elisabeth Kopp). Mit Karin Keller-Sutter stelle sich eine Persönlichkeit zur Verfügung, die alles für das Amt mitbringe. Noser lässt also Frau den Vortritt – oder will nicht an der Seite der Kron- Favoritin verheizt werden.

Fast gleich tönt es beim Urner Ständerat Josef Dittli. Auch er verzichtet aufgrund Keller-Sutters Kandidatur. Er will sich nun darauf konzentrieren, "die Interessen des Kantons Uri im Ständerat bestmöglich zu vertreten".

Er hätte gerne, tut es aber nicht

Auch der Bündner Ständerat Martin Schmid will Keller-Sutter den Vortritt lassen. Allerdings lässt er in seiner Mitteilung durchblicken, dass er einer Kandidatur nicht abgeneigt gewesen wäre: "Das Amt würde mich sehr reizen (...) Sehr gerne hätte ich mich bei einer allfälligen Wahl für die Interessen der Wirtschaft und des Berggebietes im Bundesrat eingesetzt."

Ständerats-Ambitionen

Nationalrätin Daniela Schneeberger will für die Baselbieter Freisinnigen den einzigen Ständeratssitz erobern und deshalb nicht Bundesrätin werden.

Guter Papi ist kein guter Bundesrat

Ständerat Andrea Caroni (AR) werden Bundesratsambitionen nachgesagt. Man traut dem 38-Jährigen das Amt auch zu. Der ehemalige persönliche Mitarbeiter von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz weiss aber: "Dieses Amt ist allumfassend." Er könne nicht gleichzeitig ein guter Bundesrat und ein guter Vater für seine kleinen Kinder (2 und 4) sein.

Dem Beruf verschrieben

Für die Zürcher Nationalrätin Regine Sauter "stimmt gerade alles so, wie es ist". Das Bundesratsamt sei reizvoll, aber sie habe einen spannenden Beruf, in dem sie noch viel bewegen wolle, schreibt die Direktorin der Zürcher Handelskammer auf Facebook.

Absage ohne Begründung: Christa Markwalder