FDP-Bundesratskandidatin

Karin Keller-Sutter: «Konnte mir nicht vorstellen, mich noch einmal zur Verfügung zu stellen»

«Es wäre mir eine grosse Ehre und Freude, mich in dieser verantwortungsvollen Position für unser Land einzusetzen», sagte FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter bei ihrer Medienkonferenz in Wil/SG.

«Es wäre mir eine grosse Ehre und Freude, mich in dieser verantwortungsvollen Position für unser Land einzusetzen», sagte FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter bei ihrer Medienkonferenz in Wil/SG.

Die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter kandidiert für den Bundesrat. Die 54-Jährige spricht über ihre Ambitionen, ihre Motivation und ihre Kritiker.

Sie haben sich Zeit genommen, Ihre Kandidatur zu überdenken. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Karin Keller-Sutter: Ich konnte mir ehrlich nicht mehr vorstellen, mich nach 2010 noch einmal zur Verfügung zu stellen. Aber es war ein Prozess nach dem Rücktritt von Didier Burkhalter, als mir einige Fraktionskollegen sagten, sie würden auf mich zählen. Nun bin ich zum Schluss gekommen, dass ich mich zur Verfügung stelle. Erstens habe ich in den letzten sieben Jahren im Ständerat sehr viel Erfahrung gesammelt in der Bundespolitik und der Privatwirtschaft, ich konnte mein Profil erweitern und habe dazugelernt. Und zweitens haben mir in der vergangenen Woche viele Ständeräte ihre Unterstützung zugesichert. Auch von der Parteispitze wurde der Wunsch an mich herangetragen, zu kandidieren.

Für alle anderen waren Sie schon lange die Top-Favoritin. War die Bedenkzeit nur Formsache?

Die Favoritenrolle ist nicht in meinem Interesse. Wissen Sie: Wenn man über Sie schreibt und spekuliert, dann lesen Sie das in der Zeitung und blättern weiter. Aber wenn es wirklich soweit ist, ändert sich die Situation. Dann muss man hinstehen und einen Entscheid fällen, mit allen Konsequenzen. Das ist nicht so einfach. Und man muss sich auf zwei Szenarien vorbereiten: Man wird gewählt oder man wird nicht gewählt. Auch für den Fall meiner Wahl habe ich grössten Respekt vor der Aufgabe.

Bundesratskandidatur: Karin Keller-Sutter im Interview

Bundesratskandidatur: Karin Keller-Sutter im Interview

Am Dienstagnachmittag hat die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter in Wil SG ihre Ambitionen auf einen Sitz im Bundesrat bekanntgegeben.

Ihnen wird nachgesagt, Sie würden nur antreten, wenn Sie sicher sind, gewählt zu werden. Sind Sie das?

Nein. Wenn dem so wäre, würde ich nicht kandidieren – denn sicher ist meine Wahl nicht. Ich spüre einen grossen Rückhalt in der Fraktion. Aber die Wahl ist erst am Schluss eines Prozesses: Zuerst kommt jetzt die Nomination durch die Kantonalpartei. Dann entscheidet die Fraktion, wen sie nominiert und auf welchem Ticket. Das wird grossen Einfluss haben auf allfällige Wahlchancen.

Sie gelten als starke Kandidatin. Wer soll gegen Sie antreten?

Ich hoffe sehr, dass sich noch andere Fraktionsmitglieder melden. Die FDP hat ein breites Feld an guten National- und Ständeräten. Ein Wettbewerb ermöglicht eine Diskussion über das politische Profil der Kandidaten.

Was würde es für Sie bedeuten, die erste FDP-Bundesrätin seit Elisabeth Kopp zu werden?

Ich spüre, dass der Wunsch nach einer Frau in der FDP sehr stark ist, in unserer Basis und in unserer Fraktion. Aber ich will mich nicht aufs Geschlecht reduzieren lassen. Ich habe Erfahrung als Regierungsrätin, als Ständerätin, als Ratspräsidentin, in der Privatwirtschaft und im Verbandswesen. Den Ausschlag geben wird eine Mischung dieser Faktoren.

Sie werden beschrieben als berechnend und kühl. Was löst es bei Ihnen aus, das über sich selbst zu lesen?

Ich höre das nicht von Leuten, die mich kennen. Aber ich nehme das zur Kenntnis, es darf mich nicht irritieren. Manchmal sind das einfach nur Zuschreibungen, mit denen man leben muss. Das St. Galler Volk hat mich mehrfach in die Regierung und den Ständerat gewählt und hat mich offensichtlich von einer anderen Seite kennen gelernt.

Die Angriffe auf Sie werden zunehmen, wenn Sie jetzt kandidieren. Sind Sie bereit dafür?

Wenn man sich für eine Kandidatur entscheidet, weiss man, dass jetzt nicht die einfachste Zeit des Lebens wartet. Umso wichtiger ist es, dass man Rückhalt spürt, man hat Freunde, man hat eine Familie, man hat einen Mann. Aber den Druck muss man aushalten können. Bundesräte werden nicht mit Samthandschuhen angefasst. Und das Amt ist allumfassend, wie mein Ständeratskollege Andrea Caroni sagte. Man stellt sich voll in den Dienst des Landes, und man stellt sich voll in den Dienst dieses Mandats.

Die Transparenzanforderungen sind gestiegen. Sind Sie bereit, Ihre Steuererklärung offenzulegen?

Kein Problem habe ich damit, wenn meine Partei Belege dafür will, dass ich meine Steuern bezahlt habe. Ich bin aber nicht bereit, in der Öffentlichkeit mein Einkommen offenzulegen, weil es aus der Privatwirtschaft stammt und ich keinen Zusammenhang für die Eignung für das Amt einer Bundesrätin sehe.

Laut Bundesrätin Doris Leuthard braucht es Magistraten, die von ihrer Partei unabhängig sind. Gerade die FDP sucht aber Bundesräte mit enger Parteibindung. Wie wollen Sie diese Gratwanderung bewältigen?

Es braucht eine Mischung von Nähe und Distanz. Ich habe selbst 12 Jahre Exekutiverfahrung und weiss, was das bedeutet. Bundesräte müssen in der Fraktion gut verankert sein. Darauf ist der Bundesrat angewiesen, damit seine Vorlagen Mehrheiten finden. Aber ein Bundesratsmitglied muss das Gesamtinteresse natürlich vor das Parteiinteresse stellen.

Karin Keller-Sutter: «Region und Geschlecht allein sind nicht entscheidend»

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Karin Keller-Sutter gab am Dienstagnachmittag an einer Medienkonferenz bekannt: Sie will im Dezember als Bundesrätin kandidieren.

Sie gelten als Kompromissbeschafferin, etwa beim AHV-Steuer-Paket. Damit setzen Sie sich aber auch Kritik aus. Wie gehen Sie mit solchen Widersprüchen um?

Ich habe damit keine Mühe. Ich habe einen klar liberalen Kompass. Nur wenn die eigene innere Mitte gefestigt ist, kann man auch kompromissbereit sein. Lösungen zu suchen und zu finden, die Gespräche zu führen, das ist für mich die eigentliche Herausforderung und das Spannende an der Politik.

Das AHV-Steuer-Paket ist ein Sinnbild für Ihre Politik: Sie wurden von der rechten Asylhardlinerin zur Brückenbauerin.

Mein Profil hat sich nicht verändert, ich bin eine Mitte-rechts-Politikerin. Ich erhielt vorher einfach ein Etikett wegen meiner Rolle als St. Galler Justizdirektorin. Wäre ich als Regierungsrätin nicht kompromissbereit gewesen, hätte ich meine Vorlagen nicht durchgebracht.

2010 haben die Linken Sie nicht gewählt, diesmal müssen Sie die SVP überzeugen. Wie?

Im Ständerat haben mich auch Kollegen von der SVP zu einer Kandidatur ermutigt. Die kennen mich als verlässliche Partnerin, zum Beispiel bei der Altersvorsorge 2020, als ich hart kämpfte gegen das Paket, das damals von Mitte-Links geschnürt worden war.

Gibt es ein Departement, in dem Sie sich besonders gerne sähen?

Nein. Als ich Regierungsrätin wurde, rechnete niemand damit, dass ich Justiz- und Polizeidirektorin würde, und meine Begeisterung hielt sich anfänglich in Grenzen. Aber man kann sich überall einarbeiten, und dann bekommt man auch Freude. Wenn man sich zu einer Bundesratskandidatur bereit erklärt, bewirbt man sich um einen Sitz in der Landesregierung und nicht um ein Departement. Es braucht mehr Bundesräte und weniger Departementschefs. In einem Gremium wie dem Bundesrat ist eine vertiefte politische Auseinandersetzung vor allem in wichtigen Fragen nötig.

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