Den Hochschulen steht eine Millionen-Reform bevor. Heute zahlt jeder Kanton für seine Bewohner, die an einer Universität eines anderen Kantons studieren, eine Entschädigung. Sie wird fällig, weil die angehenden Akademiker von der Ausbildung und Infrastruktur des fremden Kantons profitieren. Studiert beispielsweise ein Aargauer an der Universität Zürich, muss der Aargau dem Kanton Zürich einen Ausgleichsbetrag zahlen. Bisher waren es 70 Millionen Franken pro Jahr. Doch das soll sich nun ändern. Die Erziehungsdirektoren streben einen neuen Verteilschlüssel an – mit deutlich mehr Verlierern als Gewinnern.

Acht Kantone würden von der neuen Regel profitieren, für die restlichen 18 wird es teurer. Insgesamt geht um 580 Millionen Franken, die zwischen den Kantonen bezahlt werden. Die grösste Gewinnerin der Reform ist zugleich die grösste Hochschule des Landes: die Universität Zürich. Sie erhält künftig rund 5 Millionen Franken mehr, weil sie junge Erwachsene aus allen Teilen der Schweiz ausbildet. Von den derzeit 26 250 eingeschriebenen Studierenden stammen lediglich 38 Prozent aus dem eigenen Kanton.

Spardruck verschlingt Millionen

Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich, geht davon aus, dass der Kanton das Geld direkt in das Hochschulbudget fliessen lässt. «Wir würden die zusätzlichen Mittel in die Lehre investieren», verspricht er. Allerdings weist Hengartner darauf hin, dass die Universität wegen des Spardrucks für 2018 ein Defizit von mehreren Millionen Franken budgetieren musste. Auch deshalb hält sich der Enthusiasmus ob der zusätzlichen Millionen in Grenzen – nicht nur in Zürich. Das Geld gilt als willkommener Zuschuss, mehr nicht. So würde Basel zwar jährlich zusätzliche 3,6 Millionen Franken erhalten, allerdings muss die Universität 2020 und 2021 insgesamt 74 Millionen Franken einsparen. Für viele ist die Reform deshalb ein «Tropfen auf den heissen Stein», wie lokale Medien schreiben. Das gilt auch für andere Gewinner der Reform: Bern (+3,7 Millionen Franken), Waadt (+2) oder Genf (+0,6).

Doppelt ärgerlich ist der neue Verteilschlüssel für die Verlierer, hauptsächlich Kantone ohne eigene Universität, darunter das Wallis (–5 Millionen Franken), Graubünden (–1,5) oder der Aargau (–0,1). Sie müssen sparen und erhalten weniger Geld. Stark betroffen ist auch das Tessin, trotz einer eigenen Universität. Die Reform schlägt mit zusätzlichen 3,1 Millionen Franken aufs Budget. Darüber ärgert sich der Tessiner Erziehungsdirektor Manuele Bertoli (SP): «Die Verteilung sorgt bei uns für neue Probleme.»

Natürlich sei es schwierig, eine Lösung zu finden, mit der alle Kantone einverstanden seien, sagt er. Aber gerade für das Tessin wäre es wichtig gewesen, entlastet zu werden. «Wir werden schon mit der Stipendienregelung benachteiligt», sagt Bertoli, der sich stärkere Unterstützung vom Bund wünscht. Das Tessin müsse höhere Stipendien zahlen als andere Kantone. Ihre Studierenden könnten nicht zu Hause wohnen, wenn sie eine Universität in der Deutschschweiz besuchen. «Die Wege sind zu weit, die Wohnungskosten müssen wir bei den Stipendien einberechnen», sagt er. Das sei bei einem Aargauer, der in Zürich studiert, anders.

Teure Naturwissenschaften

Neben dem Tessin müssen auch Kantone mit florierender Hochschule künftig mehr zahlen, zum Beispiel St. Gallen (HSG) mit 1,9 Millionen Franken. Der neue Verteilschlüssel berücksichtigt die kostspieligen Naturwissenschaftlichen Fakultäten stärker als die Geistes-, Sozial- oder Wirtschaftswissenschaftlichen wie in St. Gallen. Noch sind die Änderungen nicht beschlossen. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) hat die Reform erst in die Vernehmlassung geschickt. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass der neue Verteilschlüssel durchkommt.

Der bisherige ist gemäss EDK nicht mehr zeitgemäss, weil Kantone ohne Universitäten Rabatte erhalten mit der Begründung, dass viele Akademiker nach dem Studium nicht in ihren Herkunftskanton zurückkehren. Das bestreitet die EDK nicht, die Wanderverluste würden heute wegen der gestiegenen Mobilität aber alle Kantone betreffen. Die Vernehmlassung läuft bis Ende Januar 2018.