Covid-Impfung
Jetzt wird geimpft, doch welche Nebenwirkungen gibt es? Die wichtigsten Fragen und Antworten

In der Schweiz ist ein Impfstoff gegen Corona zugelassen. Das gaben die Behörden am Samstag bekannt. Dies sind die wichtigsten Informationen dazu.

Lucien Fluri
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Bald liegt die Impfung vor.

Bald liegt die Impfung vor.

Christian Ohde / www.imago-images.de

Von einer «wirklich sehr guten Nachricht», sprach Anne Lévy, Direktorin des Bundesamtes für Gesundheit, am Samstag vor den Medien. Die Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic hat die Covid-Impfung des Herstellers Pfizer/Biontech zugelassen; viel schneller als erwartet worden war. Bereits in wenigen Tagen kann mit dem Impfen begonnen werden. Doch die Behörden warnen auch: "Es braucht Geduld." Es wird Zeit benötigen, bis die Schweiz grossflächig geimpft werden kann.

Wann wird mit dem Impfen begonnen?

Es soll sehr rasch gehen. «In den nächsten Tagen starten wir», sagte Bundesrat Alain Berset am Samstag in einer Videobotschaft. Bereits im Dezember können erste Impfungen stattfinden. In den nächsten Tagen kommen die ersten 100'000 der 3 Mio. bestellten Impfstoffdosen des Herstellers Pfizer/Biontech in die Schweiz. Die Armeeapotheke lagert das Vakzin bei minus 70 Grad und verteilt es dann an die Kantone. Ab dem 4. Januar 2021 beginnt dann die offizielle schweizweite Impfung der Risikogruppen.

Wer kann sich impfen lassen und wie funktioniert die Impfung?

Grundsätzlich können sich alle ab 16 Jahren impfen lassen. Für einen optimalen Impfschutz braucht es zwei intramuskulär verabreichte Impfungen im Abstand von mindestens 21 Tagen. Gemäss den von Swissmedic ausgewerteten Studiendaten liegt der Impfschutz sieben Tage nach der zweiten Verabreichung bei über 90 Prozent. Kinder und Schwangere gehören nicht zu den Impfgruppen, da zu wenig Daten für diese Studiengruppen vorliegen.

Wer wird zuerst geimpft?

Zuerst werden besonders gefährdete Personen geimpft, also ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. In zweiter Priorität kann sich das Gesundheitspersonal impfen lassen, dann folgen Menschen, die mit besonders gefährdeten Menschen zusammenleben. In vierter Priorität folgen Personen in Gemeinschaftseinrichtungen wie beispielsweise Behindertenheimen. Alle übrigen erwachsenen Personen können sich impfen lassen, sobald ausreichend Impfdosen zur Verfügung stehen. Die Schweiz hat sich vorerst 3 Mio. Impfdosen von Pfizer/Biontech gesichert, womit 1,5 Mio. Personen geimpft werden können. Nach den ersten 100'000 Impfdosen werden monatlich neue Dosen kommen, rund 250'000 pro Monat. Insgesamt, auch bei anderen Herstellern, hat sich die Schweiz 15 Mio. Impfdosen gesichert. Bis im Frühling oder Sommer sollen möglichst viele Impfungen möglich und weitere Impfstosffe vorhanden sein. Vorerst braucht es jedoch Geduld.

Wie sicher ist der Impfstoff?

Er gilt als sicher. «Nach der minutiösen Prüfung der verfügbaren Informationen kommt Swissmedic zum Schluss, dass der Covid-19-Impfstoff von Pfizer/Biontech sicher ist», sagt Swissmedic Direktor Raimund Bruhin. «Sein Nutzen überwiegt die Risiken.» Bundesrat Alain Berset betonte: «Der Impfstoff wurde ebenso streng geprüft wie jeder andere Impfstoff, der bei uns auf den Markt kommt.»

Welche Nebenwirkungen hat der Impfstoff?

Swissmedic schreibt dazu: «Die häufigsten in den Zulassungsstudien dokumentierten Nebenwirkungen sind vergleichbar mit jenen nach einer Grippeimpfung.» Man spüre, dass die Abwehr im Körper mobilisiert werde, heisst es von Swissmedic. Dies könne unangenehm sein. Nach der zweiten Impfung können die Grippe-Symptome stärker auftreten als bei der Grippe. Unwohlsein, Muskelschmerzen, etc. waren etwa Folgen der Impfung. Diese habe stärkere Folgen als man von Impfungen gewohnt sei, die man vor Ferienreisen macht.

Was kostet die Impfung?

Sie wird gratis sein für die Bevölkerung.

Wie geht das Impfen voran?

Die meisten Kantone richten dazu Impfzentren ein. Zu Beginn wird angesichts der noch beschränkt verfügbaren Menge wohl vorwiegend mit mobilen Equipen gearbeitet. Die Lager der Armeeapotheke seien vorbereitet, heisst es vom Bund. Er wird die Kantone auch mit Impfmaterial wie Spritzen versorgen. Die Logistik ist nicht einfach, weil der Impfstoff bei minus 70 Grad gelagert wird. Nicht jeder Kanton werde gleich schnell starten können, es werde nicht alles von Beginn weg klappen, sagt Michael Jordi, Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren. Zudem werden die Mengen zu Beginn gering sein.

Gibt es einen Impfzwang?

Nein. Das hat der Bundesrat mehrfach klargestellt.

Wird man nicht mehr an Veranstaltungen dürfen, wenn man nicht geimpft ist?

Die Frage ist umstritten. Nationalrätin Ruth Humbel brachte den Vorschlag eines Impfpasses ein. Die Task Force und diverse Organisationen warnten jedoch vor einer Diskriminierung von Personen, die sich nicht impfen lassen. Justizministerin Karin Keller-Sutter hat in dieser Frage Abklärungen in Auftrag gegeben. Wer staatliche Aufgaben erfülle, müsse die Gleichbehandlung grundsätzlich gewährleisten, sagte Martin Dumermuth, Direktor des Bundesamtes für Justiz. Private könnten grundsätzlich selbst entscheiden, mit wem sie Verträge eingehen. Es gebe aber auch hier Einschränkungen: Wer mitteilen müsse, ob er geimpft sei oder nicht, müsse besonders schützenswerte Daten über sich preisgeben, sagte Dumermuth. «Dies jederzeit offen zu legen, ist heikel.» Klarheit gibt es hier also noch nicht. Das Parlament könnte eine gesetzliche Regelung beschliessen.Man weiss auch nicht, was andere Länder beschliessen. Ob es beispielsweise einen Impfpass für Reisen brauche: Dies zu diskutieren sei zu früh, sagt Anne Lévy.

Bedeutet dies das rasche Ende der Einschränkungen und der Pandemie?

Nein, es braucht Geduld. Die Schutzmassnahmen müssen aufrechterhalten werden. Der Impfstoff schützt Personen, die sich anstecken. Es ist noch nicht ganz klar, ob auch Weiterübertragungen verhindert werden. Deshalb müssten alle Massnahmen wie das Händewaschen und das Maskentragen weitergeführt werden, heisst es vom Bundesamt für Gesundheit. Auch wenn es lange dauere: Man sei damit sehr gut aufgestellt.

Und: Es wird lange dauern, bis viele Personen geimpft sind. Die Schweiz erhält vom Pfizer/Biontech-Impfstoff 250'000 Dosen pro Monat. Diese Menge sei das Maximum in den Verhandlungen gewesen, betont der Bund. Mit den Impfstoffen von anderen Herstellern, die demnächst kommen könnten (insgesamt 15 Mio. Dosen) könnte der Grossteil der Schweizer bestenfalls in sechs Monaten geimpft werden.

Wo steht die Schweiz im europäischen Vergleich?

Das Gesuch von Biontech/Pfizer wurde innerhalb von zwei Monaten geprüft. Die Schweiz ist nach Grossbritannien das zweite europäische Land, das dem Vakzin die Zulassung erteilt, und das weltweit erste Land, in dem die Zulassung in einem ordentlichen Verfahren und nicht per Notfallzulassung erfolgt. Darauf ist man bei Swissmedic stolz.