Fall Carlos

Jetzt redet Carlos: «Ich bin doch keine Abstimmungsvorlage»

"Carlos" in betreuter Wohneinrichtung in Reinach BL (Archiv/Quelle: SRF)

"Carlos" in betreuter Wohneinrichtung in Reinach BL (Archiv/Quelle: SRF)

Der verurteilte Jugendstraftäter «Carlos» äussert sich erstmals öffentlich zu den Ereignissen der vergangenen Monate. Er habe sich geändert und zu Gott gefunden, sagt er in der aktuellen Ausgabe der «Weltwoche».

Der Medienrummel um seine Person macht «Carlos» zu schaffen. «Ich denke, 99 Prozent der Leute hassen mich», so der 18-Jährige in der aktuellen «Weltwoche». Er habe viel falsch gemacht und wolle nichts beschönigen. Doch seit dem Angriff auf einen Jugendlichen habe sich viel verändert.

Straftäter Carlos: Zürcher Justizdirektor steht hinter der Spezialbehandlung

Straftäter Carlos: Zürcher Justizdirektor steht hinter der Spezialbehandlung

Die Kraft dafür findet «Carlos» auch in seinem Glauben. «Ich fasste Vertrauen zu Gott», sagt er. Dadurch begann er, sein Leben endlich selbst in die Hand zu nehmen.

Die Kritik in den Medien sowie die Rufe nach einer härteren Strafe verletzen ihn. Er glaube nicht, dass in der Schweiz je ein Jugendlicher so lange im Gefängnis gesessen habe.

Höchstens ein Taschengeld

Auf die monatlich bis zu 30 000 Franken teure Sonderbehandlung angesprochen, welche die breite Diskussion ausgelöst hatte, meint Carlos, dass er abgesehen von Taschengeld davon nie etwas gesehen habe. Gerne würde er auf privaten Schulunterricht und Wohnung verzichten, solange er das Boxtraining fortführen kann. Dies ermögliche ihm Perspektiven für die Zukunft.

«Carlos» war wegen einer Messerattacke auf einen anderen Jugendlichen in Zürich verurteilt worden. Heute blickt er mit Befremden auf diese Zeit zurück. Er habe damals Drogen konsumiert, sei beim Angriff «total bekifft» gewesen.

Eingesperrt auf Druck der Öffentlichkeit

Heute konsumiere er keine Drogen mehr. Die Genugtuung von 20000 Franken würde er seinem Opfer bezahlen, wenn er das Geld hätte.

Seine erneute Inhaftierung empfindet «Carlos» als ungerecht. Politiker und Behörden hätten diese auf Druck der Öffentlichkeit angeordnet. «Ich bin doch keine Abstimmungsvorlage.», wehrt sich der 18-Jährige. (cze)

Meistgesehen

Artboard 1