Die Rücktrittsankündigung auf dem Höhepunkt der SBB-Krise: Sie wirkt wie ein Schuldeingeständnis, auch wenn Konzernchef Andreas Meyer sagt, der Abgang sei schon lange geplant gewesen. Die Versuchung dürfte nun gross sein, eine Gegenthese zu Meyer als neuen Chef zu installieren. Doch das wäre falsch.

Meyer hat zweifellos Fehler gemacht, zuletzt bei der Bewältigung des tödlichen Unfalls von Baden. Da trat seine Schwäche zutage: Er schwebt oft in zu hohen Sphären, er interessiert sich mehr für Lufttaxis als für verbogene Geleise und Türprobleme. Meyer ist ein inspirierender Visionär, aber kein Krisenmanager.

Die SBB brauchen jetzt einen Chef oder eine Chefin mit beiden Qualitäten. Der neue CEO muss einerseits stärker auf das langweilige Kerngeschäft fokussieren, also dafür sorgen, dass die Eisenbahn jeden Tag tadellos funktioniert. Und andererseits, wie Meyer, weit in die Zukunft schauen. Die Mobilität verändert sich gerade rasend schnell. Die SBB brauchen Antworten darauf. Also: bitte kein Verwalter als neuer SBB-Chef, bitte kein Anti-Meyer!

Der oder die Neue sollte rasch gefunden werden. Meyer ist seit gestern eine «lame duck», es kann nicht sein, dass er noch ein halbes oder gar ein ganzes Jahr im Amt bleibt. Den richtigen Zeitpunkt für den Abgang hat er ohnehin verpasst. Jetzt sollte es schnell gehen.