Entschädigungen

Jetzt mischt auch Sommarugas Ehemann im Kampf für Verdingkinder mit

Justizministerin Sommaruga mit Ehemann Lukas Hartmann.

Justizministerin Sommaruga mit Ehemann Lukas Hartmann.

Justizministerin Simonetta Sommaruga setzt sich seit Jahren für Verdingkinder ein. Jetzt engagiert sich auch ihr Ehemann Lukas Hartmann für die Wiedergutmachungsinitiative.

Heute Donnerstagmorgen fällt der Startschuss: Zahlreiche ehemalige Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Massnahme treffen sich in der Berner Innenstadt, um sich von dort in einem siebentägigen Solidaritätsmarsch Richtung Genf aufzumachen. Die Teilnehmenden rühren dabei die Werbetrommel für die sogenannte Wiedergutmachungsinitiative, die äusserst erfolgreich lanciert worden ist (siehe Box).

Bei ihrem Marsch werden die Direktbetroffenen von National- und Ständeräten aus praktisch allen Parteien und zahlreichen Kulturschaffenden wie dem Schriftsteller Franz Hohler, Clown Dimitri, der Musikerin Sina oder der Videokünstlerin Pipilotti Rist sekundiert. In der Gilde der Künstler, die dem Unterstützungskomitee für die Wiedergutmachungsinitiative beigetreten sind, befindet sich auch der Schriftsteller Hans-Rudolf Lehmann, in der Öffentlichkeit besser bekannt unter seinem Pseudonym Lukas Hartmann.

«Entschuldigung von Herzen»

Interessantes Detail: Hartmann, dessen Grossmutter selbst ein Verdingkind war, ist der Ehemann von Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Es war sie, die Vorsteherin des Polizei- und Justizdepartements, die im Frühling 2013 die ehemaligen Verdingkinder und Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen «im Namen der Landesregierung von ganzem Herzen um Entschuldigung» bat.

Zudem rief Sommaruga damals einen runden Tisch ins Leben, an dem Betroffene und Vertreter der Behörden unter anderem über eine finanzielle Wiedergutmachung verhandeln. Dabei kam es erst kürzlich zum Knatsch: Aus Protest gegen den Delegierten des Bundes verlässt der Verein Netzwerk - verdingt das Gremium per sofort.

Unabhängig davon bereitet das Justizdepartement in Zusammenarbeit mit den Teilnehmern des runden Tischs einen konkreten Vorschlag vor, der noch diesen Herbst dem Gesamtbundesrat präsentiert werden soll. Dies berichtete der «Tages-Anzeiger».

Gegenvorschlag möglich

Parallel dazu sammeln die Befürworter der Wiedergutmachungsinitiative seit dem 1. April Unterschriften. Die Absicht dahinter ist klar: Die Initiative soll den Druck auf Bundesrat und Parlament erhöhen, einen möglichst grosszügigen Solidaritätsfonds einzurichten. Es ist durchaus denkbar, dass die Kernanliegen der Initiative in einem Gegenvorschlag aufgenommen werden.

Auch wenn die beiden Anliegen formell voneinander getrennt sind, zielen sie letztlich in die gleiche Richtung – die von Behördenwillkür, Missbrauch und Zwangsarbeit Betroffenen sollen in irgendeiner Form entschädigt werden. Da kann es für die Urheber der Wiedergutmachungsinitiative nützlich sein, über Lukas Hartmann einen direkten Draht ins zuständige Justizministerium zu haben.

Verbindung «kein Thema»

Der Schriftsteller selbst war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Initiant Guido Fluri sagt dazu: «Die private Verbindung zwischen Frau Sommaruga und Herrn Hartmann war absolut kein Thema, als wir ihn angefragt haben. Uns war es wichtig, namhafte Schweizer Kulturschaffende wie eben Lukas Hartmann, einer der bedeutendsten Literaten im deutschsprachigen Raum, für das Unterstützungskomitee zu gewinnen.» Dass dies gelang, zeigt laut Fluri, wie breit das Anliegen in der Bevölkerung verankert sei.

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