Solothurn
Interesse für den Anbau ist klein

«Normale» Zahlen zum Betriebsjahr servierte die Parking AG Solothurn ihren 90 erschienen Aktionären. Das «Dessert» war jedoch eher bitter: Offenbar besteht nur geringes Interesse an einem Anbau zum Parkhaus Baseltor, von dem vor allem die Altstadtbewohner und Hauseigentümer profitieren sollten.

Drucken
Spielplatz

Spielplatz

Solothurner Zeitung

Wolfgang Wagmann

«Sehr enttäuscht» vom Rücklauf zeigte sich erst unter «Varia» Niklaus Studer, VR-Präsident der Parking AG. Diesen Frühling hatte das Stadtbauamt gegen 2000 Geschäfte, Anwohner und Hauseigentümer der Altstadt angeschrieben, ob Interesse an einem Anbau zum Parkhaus Baseltor unter der Chantierwiese im Süden bestehe. Man war von rund 200 Parkplätzen und einer Bausumme von 8 Mio. Franken ausgegangen - was einem Stückpreis von rund 39 000 Franken beim Kauf eines Platzes entsprochen hätte. Für die Mietvariante hatten sich gar nur 10 Personen interessiert, für einen Kauf immerhin 65. «Ingesamt betrug der Rücklauf nur gerade 15 Prozent», erklärte nach der Generalversammlung Werner Stebler, Leiter Stadtbauamt. Er appellierte im Saal zwar nochmals, sich bei Interesse im Stadtbauamt zu melden. Doch zuvor hatte Studer schon vorsichtig angetönt, dass in den nächsten fünf Jahren wohl kaum mit einem zusätzlichen Parkhaus-Angebot in Solothurn zu rechnen sei, auch wenn Stebler das Interesse der Stadt an der Parking AG als Investor weiterhin aufrecht erhielt. «Wir klären weiterhin den Bedarf ab», meinte Niklaus Studer, der sich einen Anbau mit 300 Parkplätzen eher vorstellen könnte - «da käme eine Einheit wesentlich günstiger zu stehen.»

Neue Kurzzeitparkplätze

Die oberirdischen Parkkplätze rund um die Altstadt auf ihre Tauglichkeit als Kurzzeitparkplätze zu überprüfen - diese Aufgabe hatte die Stadtpolizei vom Gemeinderat gefasst. Nun liegt das Resultat vor: Neu sollen 114 Langzeit- in Kurzzeitparkplätze umgewandelt werden. Es betrifft dies 106 Parkplätze an der Nordringstrasse, im Burrisgraben, an der Westbahnhofstrasse und am Ritterquai, wo neu nur noch 2,5 statt bisher maximal 6 Stunden parkiert werden darf. An der Nordringstrasse und im Burrisgraben wird der Stundenansatz neu von 1.50 auf 2 Franken angehoben. Gleichzeitig werden die 10 Gratisparkplätze für Postkunden beim Westbahnhof aufgehoben, 8 davon in bewirtschaftete Kurzzeitparkplätze und 2 in Invalidenparkplätze umgewandelt. Postkunden sollen dort die ersten 30 Minuten weiterhin gratis parkieren können. Damit soll die Fluktuation auf den Parkplätzen zugunsten des Gewerbes erhöht werden, argumentierte man in der GRK, welche die Massnahme mit einer Kostenfolge von 7175 Franken nur mit 4 gegen 2 Stimmen bei einer Enthaltung guthiess. Die Gegner befürchteten mehr Suchverkehr. Ursprünglich waren die Parkplätze rund um den Konzertsaal im Visier der Stadtpolizei gewesen, doch liess sie die Umwandlung dort wegen der besseren Kontrollmöglichkeiten fallen. (ww)

Es herrscht mittlere Zufriedenheit

Ansonsten sei es «kein aussergewöhnliches Jahr» für die Parking AG gewesen, erklärte Studer in seinem Jahresbericht. In den beiden Parkhäusern Bieltor und Baseltor waren die Frequenzen ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres geblieben - 467 273 Autos sind 2008 ins «Bieltor», gut 400 000 ins «Baseltor» gefahren. Weiterhin auf Wachstums-kurs ist das 1995 eröffnete Vorstadtparkhaus Berntor - mit einem Plus von weiteren 3,7 Prozent auf knapp 223 000 Einfahrten. «Tendenz gehalten», meldete der VR-Präsident für die ersten fünf Monate des Laufenden Jahres, noch gebe es keine grossen Anzeichen, dass die Frequenzen im Zeichen der Wirtschaftskrise rückläufig würden. «Und ich glaube auch nicht an einen markanten Rückgang», gab sich Studer optimistisch.

Das Geschäftsergebnis kann sich durchaus sehen lassen: Bei einem Nettoertrag aus der Parkierrung in allen drei Häusern von 4,269 Mio. Franken resultierte ein Cash-Flow von 1,8 Mio. Franken, was auch weiterhin erhebliche Abschreibungen ermöglicht hatte. «Sämtliche Neuinstallationen aller drei Parkhäuser wurden vollständig abgeschrieben», betonte der VR-Präsident, «und dank der Rückzahlung von 1,4 Mio. Franken konnte das Fremdkapital von 6,270 Mio. auf noch 4,828 Mio. Franken reduziert werden.» Auf eine Frage aus der Saalmitte, warum der Betriebsaufwand derart exorbitant angestiegen sei, begründete Studer dies mit einem Wassereintritt im Parkhaus Bieltor, der Erneuerung der Kassenanlagen «auf den neuesten Stand» und dem Ersatz der alten Verteilkasten im «Bieltor». Grössere Investititionen stünden in den nächsten fünf Jahren nicht an, «das nächste ist ein neuer Boden im Parkhaus Baseltor, der wohl eine Million kosten dürfe.»

Warum keine Dividende?

Ebenfalls aus der Aktionärsrunde heraus wollte Andreas Wyss wissen, wie es um eine Dividende stehe. Eine Frage, die immer wieder nach dem Bauabschluss des «Berntors» gestellt worden war, und die Niklaus Studer auch diesmal ausweichend beantwortete: «Wir prüfen die Frage immer wieder», räumte er zwar ein, doch müssten zuerst die Abschreibungen getätigt sein und ein solider Gewinn auch «eine regelmässige und nennenswerte Dividende über Jahre hinaus ermöglichen.» Und als letztes Argument bemühte er die aktuelle Wirtschaftslage - zuerst müsse die AG auch deren Auswirkungen auf das Betriebsergebnis abwarten.

Aktuelle Nachrichten