CVP

In der Krise für den Wirtschaftsmann

Stimmabgabe: Elvira Bader unterlag in der internen Ausmarchung klar.

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Stimmabgabe: Elvira Bader unterlag in der internen Ausmarchung klar.

Deutlich zogen die CVP-Delegierten den kantonsweit weniger bekannten Kantonsrat Roland Fürst der seit 10 Jahren in Bern politisierenden Nationalrätin Elvira Bader vor. Entscheidend waren wohl Fürsts Nähe zur Wirtschaft.

Christian von Arx

«Der Herbst wird orange!» Dies war der Refrain von CVP-Präsidentin Annelies Peduzzi an der Delegiertenversammlung. Mindestens zwei «Orangen» möchte die CVP diesen Herbst ernten: Einen zweiten Bundesratssitz am 16. September und einen Solothurner Ständeratssitz am 29. November. «Es braucht mehr CVP, auch in Bern», so Peduzzis Begründung, um die Nachfolge des verstorbenen SP-Ständerats Ernst Leuenberger zu kämpfen. Zur Auswahl: Nationalrätin Elvira Bader (Mümliswil) und Kantonsrat Roland Fürst (Gunzgen).

Gute Kontakte zu FdP-Kreisen»

Fürst verwies in seiner Vorstellung primär auf seine Kontakte zur Wirtschaft. Als Direktor der Solothurner Handelskammer (seit 2006) habe er ein breites Netzwerk aufgebaut und pflege viele Kontakte «zur Wirtschaft und damit zu Kreisen der FdP». Und die Freissinigen sind es, welche die Ständeratswahl entscheiden könnten. Er trete für eine sozial- und umweltverträgliche Wirtschaft ein.

Sein Handicap sprach Fürst selber an: Als Nationalratskandidat 2007 hatte er 6600 Stimmen weniger als Bader erreicht. «Aber seither habe ich meinen Bekanntsheitsgrad stark ausgebaut», meinte er. Und vor allem forderte er die Delegierten dazu auf, strategisch zu entscheiden - wie die SP, die Roberto Zanetti der Nationalrätin Bea Heim vorgezogen hatte.

«Bin eine von Euch»

«Einen Ständeratssitz erbt man nicht, den muss man sich erkämpfen!», packte Elvira Bader den Stier bei den Hörnern. Und brachte den politischen Stallgeruch in den Josefsaal der Oltner St.-Martinskirche: «Ich bin eine von euch!» Die Bäuerin stellte nicht ihre 10 Jahre im Nationalrat in den Vordergrund, sondern andere Seiten ihrer Person: Als ausgebildete Primarlehrerin, Mutter von drei eigenen und drei angenommenen Kindern, usw.

Erst zuletzt streifte sie Themen, mit denen sie in der Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats zu tun hatte und hielt fest: «Ich kenne den Gesetzgebungsprozess und die Verwaltung.» Wichtig seien ihr günstige Stromtarife und die Verringerung des administrativen Aufwands für die Unternehmen.

Je drei Sekundanten

Die Versammlungsregie sah vor, dass nun je drei Unterstützungsvoten für die beiden Vorgeschlagenen abgegeben wurden. Micha Obrecht (Hofstetten), Präsident der CVP Dorneck-Thierstein, fest, dass Elvira Bader der geeignete Gegenpol zu Roberto Zanetti sei. Fürst hingegen sei im Schwarzbubenland noch nicht bekannt. Johanna Gut (Lommiswil) fand, mit Rolf Büttiker sei die Wirtschaft schon im Ständerat vertreten. Peter Dietschi (Laupersdorf), Präsident der CVP Amtei Thal-Gäu, erachtete Bader mit dem Hinweis auf ihre Stimmenzahlen in den CVP-Stammlanden wie auch bei den Zusatzstimmen als erfolgversprechendste Kandidatin.

Als «kompetent, sachlich, überlegt und anständig» rühmte Kantonsrat Konrad Imbach (Biberist Roland Fürst. Er sei eine Integrationsfigur für den christlichsozialen wie für den Wirtschaftsflügel. Alt Kantonsratspräsident Kurt Friedli (Hägendorf) erinnerte daran, dass in der Politik jetzt die Ankurbelung der Wirtschaft im Vordergrund stehe, aber auch die Gesundheitspolitik, wo Fürst glaubwürdig die notwendigen unpopulären Lösungen vertreten könne. Den Menschen Roland Fürst stellte Kantonsrat Theo Frey (Dulliken) in den Vordergrund: Er sei ein Menschenfreund, kein Personenkritiker. «Er ist das, was man in der Schweiz eine Persönlichkeit nennt», meinte Frey und rühmte: «Er wird auch in der Teppichetage der Politik an diejenigen im Parterre denken.»

Keine freie Diskussion

Nach diesen sechs «handverlesenen» Voten wurden keine weiteren Diskussionsbeiträge mehr zugelassen. Es wurden 139 Stimmzettel ausgeteilt. Von 130 gültigen lauteten 88 für Roland Fürst und 42 für Elvira Bader.

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