Wetter

In den Bergen Schnee bis zum Abwinken – im Flachland der wärmste Januar seit Messbeginn

Links das verschneite Bellwald am 21.Januar, rechts die Anhöhe St. Anton am 24.Januar bei strahlender Sonne.

Links das verschneite Bellwald am 21.Januar, rechts die Anhöhe St. Anton am 24.Januar bei strahlender Sonne.

Trotz grosser Schneemassen in den Bergen ist das Wetter im Flachland dieses Jahr bisher erstaunlich mild gewesen – so mild wie lange nicht mehr: Der Januar 2018 bricht Temperaturrekorde, die bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen.

Schweizer Bergorte versanken vor etwas mehr als einer Woche in Weiss. Innert kurzer Zeit fiel tonnenweise Schnee. Die Lawinengefahr stieg auf die höchste Stufe, Orte wie Zermatt und Andermatt waren von der Umwelt abgeschnitten.

Bilder vom eingeschneiten Zermatt: 

Im Flachland sieht es komplett anders aus — Schneeschuhe sind überflüssig und die Temperaturen angenehm mild. Wie Meteonews-Meteorologe Stefan Scherrer auf Anfrage der AZ sagt, handelt es sich um einen Rekord-Januar. Es ist der wärmste, der jemals in der Schweiz gemessen wurde. Mit einem Rekord wurde schon Mitte des Monats gerechnet.

Gemäss seiner Aussage griffen Meteorologen beim Vergleich auf Temperaturtabellen zurück, die Daten seit dem 19. Jahrhundert enthalten. Dabei stiessen sie auf keine höheren Monatdurschnittstemperaturen für einen Januar.

In den Städten purzelten die Rekorde reihenweise. So ist die Durchschnittstemperatur in Genf  1,2 Grad höher als 1834, dem Jahr mit dem zweitwärmsten Januar in der Stadt am Lac Léman. In Bern und Basel war 2007 bisher der wärmste Januar. In beiden Städten war die Durchschnittstemperatur dieses Jahr 0,5 Grad höher.

infogram: Wärmster Januar — Temperaturtabelle

Bedenklich sei das aber nicht und auch mit der Klimaerwärmung könne man es nicht in Verbindung bringen, sagt Scherrer. Solche Ausnahmen würden immer wieder einmal vorkommen und seien erst dann kritisch zu betrachten, wenn sie vermehrt aufträten. 

Mildes Klima aufrgund von Warmfronten

Aber wie ist es möglich, dass in den Alpen so viel Schnee fällt und in den tiefer gelegenen Gebieten keine Spur davon zu sehen ist? 

Scherrer erklärt, das sei vor allem auf die Warmfronten aus dem Südwesten zurückzuführen. Diese Strömungen erreichten die Schweiz im Januar fast unterbrochen und führten neben erhöhtem Niederschlag und den damit einhergehenden Überschwemmungen auch zu der stark erhöhten Monatsmitteltemperatur.

Die Südwestströmung drückte dabei vor allem viel Feuchtigkeit in die südlichen Gebiete. Während es im Flachland aufgrund des Temperaturüberschusses dabei zu warm für Schneefall wurde, blieb es in den höheren Gebieten kalt genug. In Folge der Wolkenstauung schneite es im Südwallis deswegen tagelang. 

Höhere Pollenbelastung

Bei diesem aussergewöhnlich milden Wetter könnte man fast meinen, es sei schon März und der Frühling beginne. Doch wie die Sprecherin von wetter.TV heute mitteilte, kommt mit dem Februar ein Wetterumschwung. Die Temperaturen werden wohl sinken. Der Winter ist noch nicht vorbei.

Wenn auf diesen verhältnissmässig warmen Januar auch kein vorzeitiger Frühling folgt, so hat er eine andere Auswirkung, die für einige Allergiker sehr unerfreulich ist. Laut Bericht des Wetterstudios ist die Pollenbelastung durch das mildere Klima grösser. Haselpollen sind zum Beispiel schon jetzt sehr stark konzentriert. 

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