Covid-19
In den Altersheimen wird zuerst geimpft - noch sind aber nicht alle Kantone so weit

100'000 Impfdosen sind in der Schweiz. Viel zu wenig, um alle Risikopatienten zu impfen. Deshalb gibt es mehr oder weniger klare Regeln, wer zuerst eine Impfung erhält.

Lucien Fluri
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Luzern will als erster Kanton impfen. Hier das Bild einer Grippeimpfung.

Luzern will als erster Kanton impfen. Hier das Bild einer Grippeimpfung.

Christian Beutler / KEYSTONE

Vorläufig reicht der Impfstoff längst noch nicht für alle: Erst 100'000 Impfdosen sind in der Schweiz. Und im Januar kommen 250'000 Dosen. Wer also erhält zuerst eine Impfung? Das war von der nationalen Kommission für Impffragen schon festgelegt worden, bevor der Impfstoff zugelassen war. Vorerst haben alle Anrecht auf eine Impfung, die älter als 75 sind. Das sind alleine schon 750'000 Personen. Hinzu kommen Erwachsene, egal welchen Alters, die an einer chronischen Krankheit leiden und einem hohen Risiko ausgesetzt sind. Sie müssen sich bei ihrem Hausarzt melden, um Zugang zur Impfung zu erhalten. Später stossen alle Über-65-Jährigen und das Gesundheitspersonal dazu.

CH Media

Noch aber sind gar nicht alle Kantone so weit, dass sie impfen können. Luzern beginnt zwar heute, andere Zentralschweizer Kantone starten erste kleinere Impfaktionen und Basel-Stadt legt am 28. Dezember los. Die meisten Kantone werden offiziell aber erst in der Woche vom 4. Januar starten, mit Impfzentren und/oder mobilen Equipen. Auf der Agenda stehen werden dann insbesondere Alters- und Pflegeheime. In diesen leben schweizweit rund 160'000 Personen. Dort werden die Bewohner und, je nachdem, auch das Personal geimpft. Das ergibt mit Blick auf den bisherigen Verlauf der Pandemie Sinn. In der ersten Welle gab es zahlreiche Altersheime in denen das Virus wütete – mit Todesfolgen.

"Warum funktioniert es in Luzern, aber in Bern nicht?"

Einige Kantone wie Bern werden erst um den 11. Januar herum starten. Nicht überall kommt dies gut an. Ein Nationalrat sagt hinter vorgehaltener Hand: «Warum funktioniert es in Luzern, aber in Bern nicht?» Es würden sich nun noch unnötig Personen anstecken und schlimmstenfalls sterben. Michael Jordi dagegen wünscht sich Verständnis, dass nicht alle Kantone schon bereit sind. Der Zulassungsentscheid kam nicht nur früher als erwartet. «Es wird auch die grösste Impfaktion geben, die die Schweiz je gesehen hat», sagt der Generalsekretär der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren. «Es steckt ein sehr grosser Aufwand hinter der Organisation.» Personal muss rekrutiert und teils geschult werden. Jeder Impfvorgang muss dokumentiert werden. Zudem ist eine logistische Feinverteilung dadurch erschwert, dass der Impfstoff bei minus 70 Grad gekühlt werden muss. Die Impfstoffdosen müssen innert weniger Tage verimpft werden, sobald sie umgepackt sind.

Wie gross der Aufwand ist, zeigt der Blick in den Kanton Zug: Dort wird mit 100 Vollzeitstellen gerechnet. Es dürfte dereinst nicht nur in mehreren Schichten geimpft werden. Es braucht eine ärztliche Aufsicht, Einweise- und Sicherheitspersonal. «Wir befinden uns nicht in einem Rennen», mahnt Rudolf Hauri, der oberste Kantonsarzt der Schweiz.