Ständerat
Im Stöckli sind 19 Sitze vakant - der Rechtsrutsch aber wird gebremst

Mit etwas Glück könnten die Bürgerlichen ihre Mandate im Ständerat ausbauen. Ein Sturm bleibt aber aus.

Bastian Heiniger
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Ständeratssaal.

Ständeratssaal.

Keystone

Im Ständerat sind nach den Wahlen vom Sonntag noch 19 Sitze vakant. Einen Rechtsrutsch wie im Nationalrat dürfte es aber kaum geben. Die FDP konnte erst acht der bisher elf Sitze verteidigen. Hingegen hat die SVP ihre bisherigen fünf Mandate bereits gesichert. Für beide Parteien bestehen indes noch Chancen, neue Sitze zu erobern – die FDP könnte einen dazugewinnen und die SVP mit viel Glück eventuell drei. Insgesamt aber dürften die Kräfteverhältnisse gleich bleiben.

Am ehesten möglich scheint für die SVP ein Sitzgewinn im Kanton Aargau, wo Pascal Bruderer (SP) mit klarem Resultat bereits wiedergewählt wurde. Im ersten Wahlgang überflügelte Hansjörg Knecht (SVP) Philipp Müller (FDP) mit gut 5800 Stimmen. Beim zweiten Wahlgang kommt es nun zum Zweikampf der Bürgerlichen.

Allerdings dürfte Müller mit Stimmen aus dem Mitte-Links-Lager rechnen, wenn die deutlich abgeschlagene Ruth Humbel (CVP) nicht mehr antritt. Gestern war sie zwar für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Doch im Vorfeld kündigte sie an, sie werde nicht mehr antreten bei einem aussichtslosen Resultat.

Im Duell mit der SP
Im Rennen ist die SVP ebenfalls im Kanton St. Gallen, wo es zum Duell mit der SP kommt. Klar gewählt ist bereits Karin Keller-Sutter (FDP). Im zweiten Wahlgang dürfte Thomas Müller (SVP) allerdings einen schweren Stand haben gegen Paul Rechsteiner, der gut 12 000 Stimmen mehr holte. Der Gewerkschafter setzte sich bereits vor vier Jahren gegen die SVP durch. Damals gewann er im zweiten Wahlgang überraschend gegen Toni Brunner und wechselte nach 25 Jahren im Nationalrat in die Kleine Kammer.
Bereits wiedergewählt ist im Kanton Solothurn Pirmin Bischof (CVP). Auch hier kommt es zum Duell mit der SP.

Im zweiten Wahlgang muss Walter Wobmann (SVP) gegen den bisherigen Ständerat Roberto Zanetti (SP) antreten. Dieser holte jedoch über 12 000 Stimmen mehr. Die Frage ist nun, ob die SVP im zweiten Wahlgang die Stimmen von Marianne Meister (FDP) holen kann, die nicht mehr antritt.

Noch schwieriger dürfte es für die SVP im Kanton Bern werden. Albert Rösti erreichte hinter Hans Stöckli (SP) und Werner Luginbühl (BDP) nur den dritten Platz. Ob er überhaupt zum zweiten Wahlgang gegen die beiden bisherigen Ständeräte antritt, ist noch ungewiss. Insgesamt wird es für die SVP also schwierig, neue Mandate zu erobern. Ein Sturm aufs Stöckli, wie ihn die Volkspartei vor vier Jahren ankündete, bleibt auch diesmal aus.

FDP muss noch kämpfen
Gute Chancen bestehen für die FDP im Kanton Zürich, wo nach 32 Jahren die SP mit Daniel Jositsch wieder ins Stöckli zieht. Das Absolute Mehr verpasst haben die bürgerlichen Verfolger: Klar auf dem zweiten Platz liegt Ruedi Noser (FDP) gefolgt von Hans-Ueli Vogt (SVP), der jedoch gut 25 000 Stimmen weniger holte. Die Frage ist nun, ob sich die beiden Parteien auf einen Kandidaten einigen können – um gegen Bastien Girod (Grünen) anzutreten.

Eine ähnliche Situation besteht im Kanton Obwalden: Der Kampf um die Nachfolge von Hans Hess (FDP) endete am Wahlsonntag unentschieden. Von drei Kandidaten holte keiner das Absolute Mehr. Die meisten Stimmen gewann Erich Ettlin (CVP). Gefolgt wird er von André Windlin (FDP) auf dem zweiten und Adrian Halter (SVP) auf dem dritten Platz. Auch hier müssen sich die Bürgerlichen auf einen Kandidaten einigen – ansonsten könnte hier die CVP als glückliche Dritte profitieren.
Auf Kurs ist die FDP im Tessin. Die bisherigen Filippo Lombardi (CVP) und Fabio Abate (FDP) verpassten das Absolute Mehr. Verfolgt wird das Spitzenduo jedoch vom Lega-Kandidaten Battista Ghiggia.

Zweite Wahlgänge braucht es ebenfalls in den Kantonen Freiburg, Genf, Waadt und Wallis. Allerdings zeichnet sich nirgendwo für die bestehenden Parteien die Gefahr eines Sitzverlustes ab. In Freiburg werden die CVP und die SP wohl ihre Mandate halten, in Genf und dem Waadt dürften sie Links-Grün bleiben und im Wallis in den Händen der CVP.