Herzogenbuchsee

Eigentlich hätte im Frühling im Alterszentrum Scheidegg in Herzogenbuchsee die neue Abteilung für Demenzkranke eröffnet werden sollen. Doch nun hat der Stiftungsrat den Bau zurückgestellt und stattdessen eine Gesamtüberprüfung in Auftrag gegeben.

Drucken
Teilen

Der Grund für den verschobenen Baubeginn liegt im neuen Finanzierungsmodell des Kantons. «Ab 1. Januar 2010 sollen die Heime wie KMUs operieren», erklärt Fred Lüthi, Stiftungsratspräsident des Alterszentrums Scheidegg. «Das bedeutet, die volle Verantwortung über den Betrieb und die Kosten, auch bei der Baufinanzierung, liegt neu bei den Heimen.»

Verantwortung liegt beim Heim

Das habe auch Vorteile, findet Lüthi. «Wir sind an keine Bauauflagen mehr gebunden.» Das heisst auch, «dass wir nicht mehrmals Projekte einreichen, die dann irgendwo in einer Schublade verschwinden». Diesen Eindruck jedenfalls hatte Lüthi bisher. «Die Vorarbeiten für die Gesamtrenovation waren enorm, das Dossier umfangreich. Trotzdem wurde die Bewilligung noch nicht erteilt.»

Bauten der Heime werden künftig aus dem Eigenkapital, durch Hypotheken und nicht zuletzt durch die Heimbewohner finanziert. Diese bezahlen ab dem 1. Januar 2010 einen zusätzlichen Betrag von Fr. 36.25 pro Person und Tag als Infrastrukturzuschlag.

In der «Scheidegg» leben 71 Pensionäre und arbeiten 85 Personen (umgerechnet auf 100-Prozent-Stellen sind es 45). «Die auf uns zukommenden Aufgaben haben den Stiftungsrat bewogen, eine externe Beraterfirma zu engagieren», sagt Lüthi. Die Senevita AG aus Wabern wird in Modulen eine Strategie erarbeiten, den Betrieb in den Breichen Personal, Organisation, Finanzen und Qualitätsmanagement überprüfen und wo nötig anpassen sowie ein Bau- und Sanierungskonzept erstellen.

Gerade Letzteres ist ein grosses Anliegen des Stiftungsrates. «Das Haus ist mit rund 30 Jahren schon alt und muss dringend saniert werden», weiss Lüthi. Wie sehr es eilt, zeigt er anhand eines aktuellen Beispieles auf: «Der Bettenlift ist defekt.» Das bedeute, dass keine Personen, sondern nur noch Betten und Waren transportiert werden dürfen. «Das ist mit einem enormen betrieblichen Mehraufwand verbunden.»

Mehr als eine Utopie?

Ein neuer Lift kostet rund 130 000 Franken, die Reparatur des alten rund 55 000 Franken. «Weil wir noch nicht wissen, wie es weitergeht, haben wir uns für die kostengünstigere Reparatur entschieden.» Bei all diesen Überlegungen zur Zukunft der «Scheidegg» lässt Lüthi eine Vision einfliessen: Den Hochkonjunkturbau abreissen und ein neues Gebäude aufbauen.

«Land wäre genügend vorhanden», so Lüthi, der sich bewusst ist, dass diese Utopie zu Diskussionen Anlass geben wird. Trotzdem, «ein Neubau käme möglicherweise günstiger, als ein ‹Flickwerk›, und unsere Anlage wäre damit in jeder Hinsicht auf dem neusten Stand – auch oder gerade im Hinblick auf die neue Abteilung für Demenzkranke.». (mz/iba/lba)

Aktuelle Nachrichten