Secondo-Soldaten

«Herr Maurer muss sich irgendwann mit der Realität abfinden»

Bundesrat Ueli Maurer bei einem Besuch der Rettungstruppen-Rekrutenschulein Wangen an der Aare. Keystone

Bundesrat Ueli Maurer bei einem Besuch der Rettungstruppen-Rekrutenschulein Wangen an der Aare. Keystone

Verteidigungsminister Ueli Maurer hat die Loyalität von Secondos in der Armee im Ernstfall infrage gestellt – Secondo-Vertreter zeigen sich empört.

Verteidigungsminister Ueli Maurer kommt wegen seiner Aussage über die Loyalität von Secondo-Soldaten in die Kritik. Gemäss Tonaufzeichnungen der «Schweiz am Sonntag» stellte Maurer vorletzten Samstag an der SVP-Delegiertenversammlung in seiner Rede über die Herausforderung der Armee die Loyalität von Secondos infrage. Er erwähnte, dass die Zivilbevölkerung heute möglicherweise nicht mehr so geeint sei wie einst auf dem Rütli. Laut der Zeitung habe Maurer danach folgende Begründung hinzugefügt: «Weil wir verschiedene Volksgruppen haben unter uns, die Beziehungen zum Herkunftsland unterhalten und dadurch beeinflusst werden könnten. Wir haben im Übrigen auch in der Armee etwa einen Drittel Secondos. Möglicherweise stellt es auch für diese Leute ein Konfliktpotenzial dar, wenn sie in den Einsatz gehen müssten. Auch wenn sie sich jetzt integrieren und gut ausgebildet sind.»

Bedeutung der Secondos verkannt

Bei linken Sicherheitspolitikern sorgt Maurers Aussage für Kopfschütteln. «Ich erachte es als unangebracht, wenn der Vorsteher des Verteidigungsdepartements an der Loyalität von Secondos in der Schweizer Armee zweifelt», sagt die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. Niemand dürfe aufgrund seiner Herkunft diskriminiert werden. Ihre Rats- und Parteikollegin Evi Allemann, ebenfalls Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission, geht mit Maurer noch härter ins Gericht: «Er verkennt mit seiner Skepsis die Bedeutung der Secondos für unsere Gesellschaft und konkret auch für die Armee», sagt die Berner Nationalrätin. Die Aussage lege zwar einmal mehr das ausländerfeindliche Gedankengut der SVP und ihres Bundesrats offen, sei aber dennoch zu wenig skandalös, als dass die Politik aktiv werden müsste. Wenig Freude über Maurers Erläuterungen hat der Verein Secondos Plus. «Auch Herr Maurer muss sich irgendwann mal mit der Realität abfinden, dass sich unsere Gesellschaft längst verändert hat», sagt Co-Präsident Halua Pinto de Magalhães. In den grösseren Städten hätten bereits über die Hälfte der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Da sei es nicht verwunderlich, dass sich diese Entwicklung auch im Militär abbilde. Pinto geht davon aus, dass sich Maurer mit seiner Aussage ins eigene Fleisch schneidet. «Wenn selbst Herr Maurer die Qualität seiner Armee anzweifelt, wird es wohl Zeit für einen Systemwechsel – also die Abschaffung der Wehrpflicht», sagt Pinto. Handlungsbedarf sieht der Verein im Moment jedoch auch nicht.

Gleiche Rechte und Pflichten für alle

Bürgerliche Kommissionsvertreter stärken Maurer dagegen den Rücken. Die Frage ist laut dem St. Galler CVP-Nationalrat Jakob Büchler «legitim», berichtete die Gratiszeitung «20 Minuten». Auch der Berner SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal findet es «richtig», dass die Thematik nicht ausgeblendet werde. Beim VBS will man sich zu den Äusserungen von Vorsteher Maurer auf Nachfrage nicht äussern und verweist auf die Armee. Diese hält fest, dass die Armee Wert darauf lege, dass sie keine Unterschiede bezüglich Herkunft der Soldaten mache. Wer Schweizer Soldat sei, sei auch Schweizer Bürger und habe sich zugunsten der Landesverteidigung zu engagieren. Für alle würden dieselben Rechte und Pflichten der Bundesverfassung der Eidgenossenschaft sowie des Militärgesetzes gelten.

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