Gewerbeverband
Hans-Ulrich Bigler, die schlechte Kopie von Otto Fischer

Der Direktor des Gewerbeverbands, Hans-Ulrich Bigler, hat den Verband auf einen aggressiven Kurs eingeschworen. Intern hat er die Strukturen verbessert, gegen aussen eckt er oft an.

Doris Kleck
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Der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Hans-Ulrich Bigler (Archiv)

Der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, Hans-Ulrich Bigler (Archiv)

Keystone

Gerold Bührer, früherer Präsident von Economiesuisse, habe den Gewerbeverband auf subtile Weise gesteuert, erzählt man sich in Bundesbern. Nämlich beim Jassen mit Edi Engelberger, dem einstigen Präsidenten der Gewerbler. Die informellen Kontakte zwischen den beiden Wirtschaftsverbänden waren intakt - nicht wie heute. Bei Economiesuisse wundert man sich über die harsche Reaktion des Gewerbeverbandes auf die Feststellung, die Schweiz sei kein reines KMU-Land.

Für den Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler ein Angriff ohne Substanz. Er entfachte eine Polemik. Dabei geht es um gute KMU und böse Multis - eine Affiche, die in Wirtschaftskreisen vor der Abstimmung über die 1:12-Initiative nicht gut ankommt.

«Bigler hat die Strukturen verbessert, schlägt ein hohes Tempo an, bewirtschaftet Themen konsequent», sagt Nationalrat Peter Schilliger (FDP/LU), der als Präsident des Verbandes der Gebäudetechniker oft mit Bigler zu tun hat. Dass dieser dem Verband neuen Schwung verliehen hat, bestreiten selbst seine Kritiker nicht.

Doch er fühle sich schnell angegriffen, sei undiplomatisch und habe den Drang, die KMU als beste aller Firmen darzustellen. Die Abgrenzung zu Economiesuisse gehört insofern zum Programm. Doch Martin Schläpfer, Leiter Wirtschaftspolitik der Migros, hält es für bedenklich, dass sich Wirtschaftsvertreter neuerdings gegenseitig angreifen: «Die Aggressivität des Gewerbeverbandes ist nicht gut.»

Kein Netzwerker und Vermittler

Seine Kritiker unterstellen dem FDP-Mann aus dem Säuliamt einen Profilierungsdrang: Bigler wolle unbedingt in den Nationalrat. 2011 scheiterte er. Die politischen Ambitionen des Ökonomen und ehemaligen Oberst im Generalstab entbehren nicht einer gewissen Ironie. Denn der holzige Bigler gilt nicht als «Animal politique». Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jean-Pierre Triponez gehen ihm die Fähigkeiten als Netzwerker und Vermittler ab.

Manche erinnert Bigler mit seiner klaren ordnungspolitischen Haltung gegen mehr Bürokratie an Otto Fischer, der den Verband zwischen 1962 und 1980 führte. Tatsächlich kämpfte dieser konsequent gegen den Staat. Doch er war eine Saftwurzel ohne Allüren, dessen Reden noch heute als Highlights gelten - ein Charismatiker. Ein Berner Politikinsider sagt indes: «Bigler ist die schlechte Kopie von Otto Fischer.» Ein anderer drückt es so aus: «Er kann einen Saal mit 300 Leuten nicht für sich einnehmen.»

Bigler hat das Profil des Gewerbeverbandes geschärft - in der Tonalität erinnern die Communiqués an die SVP. Allerdings: Zwar versucht Bigler das Gewerbe als den intakten Teil der Wirtschaft darzustellen, doch dies scheint der grösste gemeinsame Nenner des Verbandes zu sein. Denn die Gebäudetechniker wollen eine andere Energiepolitik als das produzierende Gewerbe.

Die Gipser und Maler setzten sich im Gegensatz zu den Baumeistern für die Solidarhaftung ein. Und im Namen der Apotheker versucht der Verband, die Liberalisierung des Heilmittelgesetzes zu unterlaufen. Die divergierenden Interessen unter einen Hut zu bringen, ist schwierig. Es geht Bigler dabei nicht anders als seinem Kollegen von Economiesuisse.

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