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Hans Grunder kämpft um sein politisches Erbe

Hans Grunder

Hans Grunder

Nach der Wahlniederlage steigt der Berner Nationalrat wieder in den Ring und weibelt für seine Bundesrätin

Jetzt, wo BDP-Ikone Eveline Widmer-Schlumpf die Abwahl aus dem Bundesrat droht, übernimmt er wieder das Steuer der Partei: BDP-Gründervater Hans Grunder. Im April 2012 trat der umtriebige Emmentaler als Parteipräsident zurück.

Seither war es um ihn ruhiger geworden. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn, kürzerzutreten. Anfang Mai erlitt das BDP-Aushängeschild einen Schlaganfall – zum zweiten Mal in einem Jahr.

In seinen Brustkorb pflanzten die Ärzte darauf einen vier Zentimeter langen Chip, der den Herzrhythmus überwacht und bei Störungen sofort Alarm schlägt. Obschon gesundheitlich angeschlagen, bekniete ihn die Partei, nicht zurückzutreten und sich nochmals zur Wahl zu stellen.

Mit Erfolg: Der Emmentaler Hans Grunder erzielte am Sonntag das beste Ergebnis aller Kandidaten seiner Partei im Kanton Bern.

Jetzt, da die BDP bei den Wahlen Verluste eingefahren hat und Bundesrätin Widmer-Schlumpfs Stuhl gefährlich wackelt, steht Grunder wieder ganz im Dienste seiner Partei.

Das Schicksal des 59-jährigen Bauernsohns aus Hasle-Rüegsau ist zu eng verknüpft mit jenem von Eveline Widmer-Schlumpf, als dass er in diesem entscheidenden Moment abseitsstehen könnte.

Er war der erste SVP-Bundesparlamentarier ausserhalb Graubündens, der 2007 für die abtrünnige Bundesrätin Partei ergriff, als diese von ihrer Partei hart attackiert wurde.

BDP droht Bedeutungsverlust

Er war es auch, der bei der Bundesratswahl 2011 im Hintergrund die Fäden zog, um für seine Bundesrätin die entscheidenden Mehrheiten zu zimmern. «Ich bin ein Macher, ein Stratege», sagt er.

Seine Gefühlslage nach der Wiederwahl von Widmer-Schlumpf beschrieb der fünffache Vater damals so: «Mir ist ein riesiger Brocken vom Herzen gefallen. Es hat mich sogar zu Tränen gerührt.»

Heute sagt der gleiche Grunder zwar: «Es geht mir nicht um Eveline Widmer-Schlumpf. Ich will, dass die zersplitterte Mitte in der neuen Legislatur bei Sachgeschäften wie der Europa- und Energiepolitik konstruktiv zusammenarbeitet.»

Doch so ganz nimmt man ihm das nicht ab. Hinter den Kulissen arbeitet der gewiefte Strategiefuchs daran, den BDP-Bundesratssitz doch noch ins Trockene zu bringen.

Denn er weiss: Ohne Eveline Widmer-Schlumpf droht seine Partei mittelfristig von der Bildfläche zu verschwinden.

Mitte-Block soll Sitz retten

Verglichen mit 2011 wird es für Grunder ein ungleich schwierigeres Unterfangen, seine Bundesrätin zu halten: Mit 101 gegen 100 Stimmen im Nationalrat verfügen SVP und FDP über eine hauchdünne Mehrheit.

Im Ständerat bleiben die rechtsbürgerlichen Kräfte mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Minderheit. Gleichwohl haben mindestens 9 der 27 CVP-Parlamentarier signalisiert, dass Eveline Widmer-Schlumpf mit ihrer Stimme nicht mehr rechnen kann.

Für Widmer-Schlumpf kommt es also auf jede Stimme an, das Risiko einer Abwahl bleibt für die im Volk beliebte Magistratin gross.

«Wir brauchen eine gemeinsame Bundeshausfraktion, wenn möglich mit BDP, CVP und GL», sagt der Pferdezüchter und Firmeninhaber. Ein solcher Mitte-Block würde den zweiten Bundesratssitz legitimieren.

Im verzweifelten Poker um die Macht soll nun also das verheiratet werden, was noch im letzten Oktober so gar nicht zusammen zu passen schien. Es war just die BDP, die der CVP eine Absage erteilte, als es darum ging, ein gemeinsames Bündnis zu bilden.

Bei der BDP-Basis ging die Angst um, die Kleinpartei könnte von der grösseren CVP aufgesogen werden. Ihr Heil suchte sie stattdessen im Alleingang.

Und bekam bei den Wahlen prompt die Quittung: Nicht nur in Zürich und im Aargau, auch in ihren beiden Hochburgen Bern und Graubünden verlor die Partei massiv Wähler.

Den Luxus des Alleingangs können sich Grunder und seine BDP heute nicht mehr leisten. Es geht um das nackte Überleben der Partei.

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