Wählen kann mühsam und kompliziert sein, vor allem für jene, die es zum ersten Mal tun. Was ist genau mit diesen Listen? Was bedeutet Kumulieren? Und was macht man mit diesem Panaschieren? Für solche und andere Fragen richteten die Parlamentsdienste früher jeweils das Wahltelefon ein. Dort konnte in den Wochen vor den Eidgenössischen Wahlen jeweils anrufen, wer Fragen hatte: zum Ausfüllen der Stimmzettel etwa oder zum Parlament ganz allgemein. Montags bis Freitags nahmen Mitarbeiter der Parlamentsdienste oder Studenten die Hörer ab und klärten auf.

«Parli» kann deutsch, französisch und italienisch

Doch im Jahr 2019 macht die Digitalisierung auch vor dem Wahltelefon nicht mehr halt. Es wird verdrängt von einer Maschine: Vor den Wahlen im Herbst können die Stimmbürger erstmals auch mit «Parli» Kontakt aufnehmen. Er ist ein sogenannter Chatbot, eine Maschine, mit der gechattet werden und die vordefinierte Fragen beantworten kann. Und das in den Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch.

Das neue Angebot der Parlamentsdienste richtet sich an Jungwähler, vor allem an Erstwähler. «Locker und auf Augenhöhe» soll «Parli» sein, wie es beim Hersteller heisst. Das klingt dann beispielsweise so: «Hallo! Ich bin Parli. Am 20. Oktober 2019 wird in der Schweiz das Parlament neu gewählt! Ich kann Ihnen erklären, um was es geht und wie das Wählen funktioniert.» Dann kann man «Parli» etwa fragen, wer denn alles wählen darf, wie man Wahlzettel ausfüllt oder wie die Wahlen in gewissen Kantonen ablaufen - und er antwortet fachkundig.

Kosten von unter 50'000 Franken

«Parli kann erklären, wie wählen geht, sonst ist er strohdumm», sagt Daniel Schweizer. Er ist Leiter Ressort Web bei den Parlamentsdiensten und hat das «Parli»-Projekt betreut. Die Idee dazu hatte er an einer Präsentation der Entwicklerfirma Zeix, an der es um Chatbots ging. «Nach den Wahlen im Jahr 2011 haben wir das Wahltelefon eingestellt, weil der organisatorische Aufwand einfach zu gross war. Ein Chatbot schien uns dann eine gute Alternative zu sein», sagt Schweizer. Es sei auch darum gegangen, einen neuen Ansatz der Informationsvermittlung zu testen. Gekostet hat die Entwicklung laut Schweizer «unter 50'000 Franken» für alle drei Sprachversionen.

Beworben haben die Parlamentsdienste das neuen Angebot noch nicht. Zwar werde es teilweise schon in Schulen eingesetzt, sagt Schweizer, doch die grosse Kommunikationsoffensive unter anderem auf Social Media werde man erst später starten. «Bevor die Wahlunterlagen noch nicht verschickt wurden, macht das wenig Sinn.» Und «Parli» soll nicht das gleiche Schicksal wie das Wahltelefon ereilen und nach den Wahlen im Herbst nicht einfach eingestellt werden, sondern weiterhin in den Schulen eingesetzt werden können.