Schweiz

Grenzkontrollen, Schutzmasken und Kurzarbeit: 15 Fragen und Antworten zum Corona-Virus in der Schweiz

Wer nicht zur Risikogruppe gehört und Krankheitssymptome wie Fieber und Husten hat, muss grundsätzlich nicht zum Arzt.

Wer nicht zur Risikogruppe gehört und Krankheitssymptome wie Fieber und Husten hat, muss grundsätzlich nicht zum Arzt.

Die Ereignisse überschlugen sich, als am Dienstag Falschmeldungen um eine angebliche Grenzschliessung im Tessin die Runde machten. Am Mittwoch informierten die Verantwortlichen des Bundes darüber, was Sache ist. Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse.

Ist die Grenze zu Italien geschlossen?

Nein. Aber seit Montag führt die Schweiz Kontrollen und Stichproben an den Grenzen zu Italien (also im Wallis, im Tessin und in Graubünden) durch. Die Schweiz nennt dies offiziell «Monitoring». Sie will überprüfen, ob die Dekrete der italienischen Regierung eingehalten werden. Einreisewillige werden beispielsweise angehalten und gefragt, warum sie in die Schweiz möchten. Wer nicht in der Schweiz arbeiten muss, dem wird empfohlen, umzukehren.

Werden Einreisende an der Grenze zurückgewiesen?

Nein. Die Schweiz hat keine rechtliche Handhabe, Einreisewilligen die Fahrt in die oder durch die Schweiz zu verbieten oder sie zur Umkehr zu zwingen.

Hat es genügend Personal an der Grenze?

Ja. Christian Bock, der Direktor der Eidgenössischen Zollverwaltung, sagt, es sei vorderhand genügend Personal vorhanden. Neun kleinere Grenzposten sind geschlossen worden, damit sich der Einreiseverkehr auf weniger Grenzposten konzentriert. «Es handelt sich hierbei nicht um eine teilweise Grenzschliessung, sondern um eine technische Massnahme, um die Verkehrsflüsse zu kanalisieren», heisst es.

Wird es Fiebermessungen an der Grenze geben?

Grundsätzlich könnte der Bundesrat solche Massnahmen anordnen. Derzeit ist dies nicht der Fall. Man prüfe ständig verschiedene Massnahmen, heisst es vom Bundesamt für Gesundheit.

Würde eine Grenzschliessung Sinn machen?

Aus Sicht der Fachleute macht eine Grenzschliessung keinen Sinn mehr, wie Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit, sagt. Die Massnahme wäre drastisch, aber nur von begrenzter Wirkung. Man könne Viren nicht durch eine Grenzschliessung fernhalten. So oder so «wäre es jetzt definitiv zu spät», sagte Mathys.

Gibt es genügend Spitalbetten in Intensivstationen gibt es in der Schweiz?

Viele Spitäler haben laut Mathys begonnen, zusätzliche Intensivpflegeplätze zu schaffen. Das geschieht beispielsweise dadurch, dass nicht dringende Operationen verschoben werden. «Der Wille besteht, dass die Kantone hier noch weitergehen und zusätzliche Kapazitäten schaffen», sagte Mathys. Wie viele Plätze es schweizweit gibt, ist jedoch unklar: Eine Übersicht dazu gibt es noch nicht – der Kantönligeist lässt grüssen. Der Bund will diese Zahlen nun national erheben. Klar ist: Auch in der Schweiz sind die Kapazitäten beschränkt, zumal auch geschultes Personal für die Behandlung notwendig ist.

Sollen wir zuhause Masken horten?

Weil die Masken in den Apotheken ausverkauft sind, werden sie teilweise gestohlen. «Palettweise» seien Masken geklaut worden, sagte Mathys. Das Bundesamt für Gesundheit betont: Primär braucht es die Schutzmasken im Gesundheitswesen – nicht nur in den Spitälern, sondern beispielsweise auch für die Spitex.

Gibt es genügend Hygienemasken?

Der Bund hat Reserven, die er den Kantonen kontingentiert zur Verfügung stellt. Ursprünglich waren 13 Millionen Hygienemasken an Lager, ein Teil davon ist inzwischen bereits an die Kantone geliefert worden. Laut Mathys sind noch 7 Millionen in den Beständen des Bundes. Atemschutzmasken – die insbesondere von den Ärzten gebraucht werden – hat der Bund noch über 300'000 an Lager.

Können überhaupt noch Schutzmasken in die Schweiz geliefert werden?

Ja, das sei möglich, sagt Mathys. Allerdings wurden mehrere Lieferungen blockiert: Deutschland hindert einen Lastwagen mit Schutzmasken an der Einfahrt in die Schweiz, in Hamburg wurde ein Schiffscontainer mit Schutzmaterial blockiert. Und auch eine Lieferung von Desinfektionsmittel aus Italien kam bisher nicht an. Gespräche liefen, sagte Ineichen-Fleisch. Beim blockierten Container in Hamburg zeichne sich eine Lösung ab. Ineichen-Fleisch liess durchblicken, dass der Bund die Blockade nicht für legal hält.

Sind Schulschliessungen nötig?

Der Bund hält Schulschliessungen derzeit nicht für sinnvoll, da es «zu einer Vermischung der Generationen» käme, sprich: Viele Grosseltern würden die Kinder hüten. Das will der Bund verhindern. Zudem würden die Kinder kaum brav zuhause sitzen, sondern ihre Gspänli ausserhalb der Schule treffen, gab Mathys zu bedenken.

Welche Massnahmen plant der Staat für die Wirtschaft?

In dieser Woche haben sich Vertreter der Bundesämter für Sport und Kultur sowie des Staatssekretariates für Wirtschaft mit Vertretern verschiedener betroffener Branchen getroffen; dazu gehören Sportorganisationen, Kulturveranstalter, die Reisebranche. Staatssekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch sieht zwei Massnahmen, die rasch helfen könnten: Einerseits sind Bürgschaften in den Gesprächen angesprochen worden. Damit könnte die Liquidität kurzfristig sichergestellt werden. Andererseits wird die Kurzarbeit als nützliches Mittel angesehen.

Gibt es ein Konjunkturpaket?

Dies stehe für die Betroffenen aktuell nicht im Zentrum, sagte Staatssekretärin Ineichen-Fleisch. Dafür gibt es Anpassungen bei der Kurzarbeit: Die Anmeldefrist wird von zehn auf drei Tage hinabgesetzt. Die auszufüllenden Unterlagen sollen sich auf die zwingenden Angaben beschränken und es soll einfacher werden, die Notwendigkeit von Kurzarbeit glaubhaft zu machen.

Am 15. März läuft das Veranstaltungsverbot ab. Was passiert danach?

Das muss der Bundesrat am Freitag entscheiden. Vom Bundesamt für Gesundheit heisst es, eine Weiterführung des Verbots würde Sinn machen, um die Epidemie weiter zu bekämpfen. Man kann also damit rechnen, dass das Veranstaltungsverbot verlängert wird.

Was muss ich tun, wenn ich am Virus erkrankt bin?

Wer nicht zur Risikogruppe gehört und Krankheitssymptome wie Fieber und Husten hat, muss grundsätzlich nicht zum Arzt. Er soll aber zuhause bleiben und Kontakte vermeiden – der Bund spricht von «Selbstisolation». Diese wird nicht von den Behörden angeordnet, sondern liegt in der Eigenverantwortung jedes einzelnen. Wie man sich verhalten soll – und wie sich Familienmitglieder und Mitbewohner schützen können – erklärt der Bund in einem Merkblatt. Wer schwerer krank ist oder zu einer Risikogruppe gehört, soll sich telefonisch beim Arzt melden.

Wie lange dauert die Epidemie noch?

Das ist nicht vorhersagbar und hängt von verschiedenen Faktoren ab; etwa wie gut die Vorsichtsmassnahmen greifen oder ob wärmeres Wetter das Ausmass mildert. In Asien hat sich die Epidemie nach rund zwei Monaten abgeschwächt. Dies wäre in der Schweiz im Mai der Fall.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1