Glarner

«Glarner disqualifiziert sich selbst»

SVP-Fraktionschef Andreas Glarners «Ich würde es wieder tun» löste unterschiedliche Reaktionen aus.

Die Fortsetzung der Geschichte mit dem Inserat der weinenden Kinder von SVP-Fraktionspräsident Andreas Glarner löste unterschiedliche Reaktionen aus. Glarner hatte die Fotos der amerikanischen Künstlerin Jill Greenberg für sein Inserat missbraucht. Obwohl er ihr nun im Rahmen eines Vergleiches eine unbekannte Geldsumme überweisen muss, sagte Glarner gestern, er bereue die Aktion nicht: «Ich würde es wieder tun. Huber abzuwählen, war das Ziel. Dafür hätte ich noch viel mehr bezahlt.»

Parteipräsident Thomas Lüpold hält zu seinem Mann aus Oberwil-Lieli. «Das ist ein privates Problem, das muss er selbst regeln», sagt Lüpold. Dass Glarner mit seiner Aussage seine im Februar ausgesprochene Entschuldigung bedeutungslos macht, beachtet der Präsidenten nicht: «Für mich gilt, was Glarner in der Fraktion gesagt hat, immer noch.»

«Wozu sind die Kinder nackt?»

Vreni Friker, SVP-Vizeammann in Oberentfelden, findet in Bezug auf die amerikanische Künstlerin gar: «Diese Dame hat nichts zu husten. Solche Fotos dürfte es gar nicht erst geben.» Friker bezweifelt, dass die Kinder nur deswegen so weinten, weil ihnen ein Schleckstängel weggenommen wurde. «Und wozu hat sie die Kinder nackt fotografiert? Mit den Bildern macht sie das grosse Geld, dabei ist ihre Auffassung von Ethik sehr fragwürdig.» Dass Andreas Glarner so reagiert habe, sei halt «Glarner live»: «Er sagt, was er denkt, das wissen wir alle.»

Ihrer Parteikollegin Regina Jäggi, Gemeindeammann in Rohr, ist dies jedoch kein Trost. Sie findet Glarners Aussage «das Hinterletzte» und fragt sich: «Welcher Teufel hat ihn bloss geritten? Was ist der Zweck einer solchen Reaktion? Ich verstehe ihn einfach nicht.» Sie kenne ihn nicht persönlich und es falle ihr schwer, Glarner einzuordnen. «Wenn ich ihn mal treffe, werde ich ihn fragen, was er sich dabei gedacht hat», sagt Jäggi. Selbst wenn man wütend sei, müsse man sich mit gewissen Aussagen zurückhalten können.

«Glarner verulkt seine Wähler»

FDP-Präsidentin Doris Fischer-Taeschler findet nicht, dass Glarners Verhalten die gemeinsame bürgerliche Politik beeinflussen werde. «Wir arbeiten nur auf der sachpolitischen Ebene zusammen, deswegen hat das keinen Einfluss», sagt Fischer-Taeschler. Allerdings heisse dies nicht, dass man fehlenden Anstand unterstützen müsse. Mit seiner «Ätsch-bätsch»-Reaktion verulke Glarner all jene, die ihn nach der Entschuldigung gewählt hätten. «Er disqualifiziert sich selbst.»

Beide Parteipräsidenten - Fischer-Taeschler und Lüpold - kritisieren allerdings den MZ-Artikel: «Das ist eine unsägliche Story», findet Fischer-Taeschler und Lüpold sagt: «Ich staune, dass die Inserat-Geschichte nochmals gebracht wurde. Sie wird aufgebauscht, der Vergleich mit der Künstlerin ist keine Geschichte wert.» (kus)

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