Corona-Virus

Gewerkschaft will Baustellen schliessen, Baumeister haben Angst um Jobs

Darf noch gebaut werden? Die Gewerkschaften sorgen sich, dass die Bauarbeiter zu wenig vor dem Corona-Virus geschützt werden.

Darf noch gebaut werden? Die Gewerkschaften sorgen sich, dass die Bauarbeiter zu wenig vor dem Corona-Virus geschützt werden.

Zwischen Baumeistern und der Gewerkschaft Unia, zwischen dem Bund und einzelnen Kantonen wird um die Frage gerungen, ob auch Baustellen geschlossen werden müssen. «Es könnten viele Existenzen ruiniert werden», warnt der Immobilienverband.

Tausenden von Ladeninhabern, Coiffeuren oder Verkäuferinnen sind derzeit bedrückt, weil sie nicht mehr arbeiten können. Sie sorgen sich um ihre Existenz. Doch die Gewerkschaft Unia kämpft in Zürich oder Freiburg dafür, dass auch die Bauarbeiter zuhause bleiben. Sie hat die zuständigen Regierungsräte aufgefordert, Baustellenschliessungen zu verordnen.

Man werde mit Anfragen und Hilferufen von Bauarbeitern überrannt, begründet die Gewerkschaft ihre Forderung. «Sie beklagen sich über massive Verletzungen der Schutzmassnahmen auf ihrer Baustelle und haben Angst vor dem drohenden Einkommensverlust.» In einigen Kantonen der Westschweiz sind Baustellenschliessungen bereits Realität. Genf und Waadt haben diese Massnahme am Mittwoch angekündigt.

Der Bund ist nicht glücklich über das Vorpreschen

Dabei stehen diese Kantone in Widerspruch zum Bund. Dieser hat am Montag nämlich entschieden, dass die Baustellen nicht geschlossen werden sollen. Nicht erfreut ist man denn auch in Bern über das Vorpreschen einzelner Kantone. Dort ist man überzeugt, dass der Bundesrat diese Frage eigentlich abschliessend geregelt hat und kantonale Sonderzüge nicht korrekt sind. Man sei deshalb in engstem Kontakt mit den Kantonen, sagte Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Staatssekretariat für Wirtschaft.

Die Unternehmen hätten Möglichkeiten, die Hygienemassnahmen umzusetzen, begründet der Bund, warum nicht auch noch dieser Wirtschaftszweig stillgelegt werden soll.

«Es könnten viele Existenzen ruiniert werden»

Auch beim Baumeisterverband will man die Baustellen so lange als möglich offen halten. «So soll der Verlust einer grossen Zahl von Arbeitsplätzen, Lehrstellen, Betrieben und schlussendlich vieler Existenzen möglichst minimiert werden», schreibt der Verband in einem offenen Brief an die Unia.

Mit der Forderung nach einem Baustopp werde riesiger Schaden riskiert. Zudem würden die Hygienemassnahmen jeweils so gut wie möglich umgesetzt. Der Verband Immobilien Schweiz warnte vor «verheerenden Konsequenzen für die Volkswirtschaft». Kleinere und mittelgrosse Baubetriebe könnten gefährdet sein. Insbesondere dürfe es bei der öffentlichen Hand nun auch keinen Ausschreibungsstopp wegen des Corona-Virus geben, fordert der Verband. Sonst könnten noch mehr Aufträge wegbrechen.

Unia findet rasch viele Unterstützer

Warum gefährdet ausgerechnet die Unia mit ihrer Forderung die Arbeitsplätze der Bauarbeiter oder will sie in die Kurzarbeit drängen? «Entweder nimmt man die Vorgaben des Bundesrates ernst oder nicht», sagt Lorenz Keller von der Gewerkschaft. Die Landesregierung habe einschneidende Massnahmen beschlossen, um die Ansteckungsgefahr zu verhindern. Dies müsse man auf Baustellen ebenso ernst nehmen wie an allen anderen Orten. «Denn wenn sich das Virus weiterverbreitet, haben wir ein massives Problem.»

Bei der Unia kritisiert man fehlende Hygienemassnahmen oder viel zu enge Baracken auf vielen Baustellen. Man habe innert kurzer Zeit per Online-Petition mehr als 24000 Unterschriften gesammelt, teilte die Gewerkschaft zudem mit.

SBB machen Baustellen freiwillig zu

Freiwillig schliessen wollen die SBB alle ihre «nicht betriebsnotwendigen Baustellen», und zwar bis am Freitagabend. Dies haben die Bundesbahnen gestern angekündigt. Man wolle «alle verbleibenden Ressourcen auf die Störungsbehebung und den betriebsnotwendigen Unterhalt» konzentrieren, schreibt die SBB. «Neben SBB-Angestellten arbeiten oft sehr viele Arbeiter aus Drittfirmen auf diesen Baustellen. Oft musste man feststellen, dass diese Firmen sich wenig um die Massnahmen wegen Corona kümmerten», sagt Urs Huber von der Eisenbahnergewerkschaft SEV.

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