Nach der Katastrophe
Germanwings-Flug: US-Anwälte prüfen Klage gegen Lufthansa

Amerikanische Opferanwälte gehen in Stellung. Sie wollen im Fall von Germanwings-Flug 4U9525 zeigen, dass neben dem Copiloten auch die Lufthansa schuld ist am Tod von 150 Menschen.

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Das Germanwings-Drama ruft jetzt amerikanische Opferanwälte auf den Plan. (Foto der Absturzstelle)

Das Germanwings-Drama ruft jetzt amerikanische Opferanwälte auf den Plan. (Foto der Absturzstelle)

Keystone

«Ja, wir prüfen eine Klage gegen Lufthansa», sagt Brian Alexander, Partner der Kanzlei Kreindler & Kreindler, zu SonntagsBlick. «Wie bei anderen US-Kanzleien laufen bei uns die Vorbereitungen.» Noch hat er keine Angehörigen der Opfer des Germanwings-Fluges als Klienten gewinnen können. Aber: «Das ist zu diesem Zeitpunkt normal», sagt Alexander. «Die Klagen folgen nach der Trauer.»

Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.
39 Bilder
72 Deutsche waren an Bord der Maschine.
Aufgrund der hohen Geschwindigkeit beim Aufprall wurde das Flugzeug in unzählige kleine Teile zerrissen.
Die Absturzstelle liegt auf ungefähr 1600 Metern über dem Meer und ist nur zu Fuss zu erreichen.
Germanwings-Maschine in Frankreich abgestürzt
Die Identifikation der Leichen per DNA-Analyse ist äusserst aufwendig.
Ermittler untersuchen Trümmerteile.
Das Trümmerfeld zeugt von der Wucht des Aufpralls.
Die Maschine wurde in unzählige Stücke zerfetzt.
Der 24. März wird als schwarzer Tag in die Geschichte der Region eingehen.
Die Rettungskräfte konnten die Unglücksstelle nur mit Helikoptern erreichen.
Vor dem Gymnasium der Schulklasse, welche an Bord der Unglücksmaschine ist, werden Kerzen angezündet.
Vor dem Gymnasium der Schulklasse, welche an Bord der Unglücksmaschine ist, werden Kerzen angezündet.
Trümmerteile liegen in der Berglandschaft
Trümmerteile am Absturzort
Trümmerteile am Absturzort
Ein Hubschrauber über der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Ein Hubschrauber sucht das Gelände ab.
Die Rettungshelikopter stehen im Tal bereit
Blick aus dem Helikopter auf dem Weg zur Unglücksstelle
Frankreichs Staatspräsident François Hollande nimmt Stellung zum Flugzeugabsturz.
«Ein Schock»: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich.
Germanwings-Manager Oliver Wagner vor dre Pressekonferenz in Köln
Der französiche Premierminister Manuel Valls bespricht sich mit dem spanischen Königspaar
Die Flugkurve auf Flightradar24 der abgestürzten Germanwings-Maschine.
Angehörige treffen am Flughafen Düsseldorf ein
Polizisten vor dem Germanwings-Schalter am Flughafen Düsseldorf
Betroffenheit am Swissport-Schalter in Barcelona
Angehörige des Careteams am Flughafen Düsseldorf
Flughafen-Personal in Düsseldorf.
Die Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf.
Violeta Bulc, die europäische Transportzuständige.
Der Airbus A320 der Germanwings, der abgestürzt sein soll.

Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.

Keystone

Er muss es wissen. Seine Kanzlei ist weltweit führend bei Forderungen nach Unfällen mit Flugzeugen. Trifft die Airline bei einem Crash keine Schuld, ist die Schadenssumme bei 140'000 Euro pro Opfer gedeckelt. Bei Fahrlässigkeit entfällt die Obergrenze. Zwei Stränge verfolgt Alexander, um der Lufthansa die Verletzung der Sorgfalt zu belegen:

1. Hat die Airline wissentlich einen Piloten ins Cockpit gesetzt, dessen mentale Verfassung die Passagiere gefährdete?

2. Führte die Lufthansa die in den USA übliche Zwei-Personen-Regel pro Cockpit nicht ein, um Geld zu sparen? Die Regel erhöht klar die Sicherheit.

«Natürlich wird Germanwings Schadenersatzverpflichtungen nachkommen», sagt eine Lufthansa-Sprecherin zu SonntagsBlick. «Wir gehen davon aus, dass alle wesentlichen Ansprüche im Rahmen der gesetzlichen Haftpflicht der Germanwings ausreichend versichert sind.»

Politiker fordern Wiedereinführung von Passkontrollen

Nach der Katastrophe melden sich nun auch Schweizer Politiker zu Wort. Sie fordern, dass Passagiere am Flughafen wieder den Pass zeigen müssen - auch wer innerhalb Europas, also des Schengenraums, fliegt. Das haben Recherchen der Zeitung «Schweiz am Sonntag» ergeben.

Die Berner SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler, eine ehemalige Polizistin, sagt gegenüber der Zeitung: «Ich fände Passkontrollen an den Flughäfen sinnvoll, vor allem um der grenzüberschreitenden Kriminalität und dem Terror besser Herr zu werden.»

Geissbühler stimmt damit einer Forderung des deutschen Innenministers Thomas de Maizière (CDU) zu, der eine Ausweispflicht auf allen Flügen im Schengen-Raum verlangt. Dies als Konsequenz aus dem Germanwings-Absturz von vorletzter Woche.

Der Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission, SVP-Nationalrat Thomas Hurter, plädiert ebenfalls für eine Praxisänderung. Neue Möglichkeiten dazu müssten geprüft werden. Für Hurter ist die generelle Wiedereinführung der alten Passkontrollen aber keine Option, wie er der «Schweiz am Sonntag» sagt. Andere Mitglieder der sicherheitspolitischen Kommission mahnen dagegen zur Zurückhaltung.