Kunstrasen
Geplanter Kunstrasen polarisiert

Aus finanziellen Gründen will Biel-Benkens FDP-Präsident Manuel Mohler den Kunstrasen verhindern. Gemeindepräsident Peter Burch sieht dadurch die Zukunft des FC gefährdet.

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möhler und burch

möhler und burch

bz Basellandschaftliche Zeitung

Andreas Maurer

Das Referendum

2,1 Millionen An der Gemeindeversammlung wurde der Kunstrasen-Kredit von 2,1 Millionen Franken mit 130 gegen 39 Stimmen angenommen. Der Kanton beteiligt sich über den Kasak-Fonds mit 356 000 Franken. Die Gemeinde Biel-Benken muss folglich noch rund 1,7 Millionen bezahlen. Die FDP hat das Referendum ergriffen: Es unterschrieben 600 Leute. Für das bz-Streitgespräch wurden auch die Vertreter des FC angefragt. Sie lehnten ab und verwiesen auf den Gemeindepräsidenten. (öpf)

Herr Burch, vor einem halben Jahr warnten Sie, ein Kunstrasen würde den Finanzplan Ihrer Gemeinde total durcheinander bringen. Heute sind Sie ein überzeugter Befürworter des Projekts. Weshalb hat der Gemeinderat eine Kehrtwende vollzogen?

Peter Burch: Die heutigen Fussballplätze sind überbelegt und ständig gesperrt. Dieses Problem haben wir vernachlässigt. Derzeit profitieren wir davon, dass die Situation auf dem Baumarkt nicht so gut ist. Wir rechnen daher damit, dass wir den Kredit für den Schulhausneubau unterschreiten. Das verbessert die finanzielle Situation erheblich. Man darf aber nicht nur die finanzielle Seite betrachten: Der FC verfügt über sehr viele engagierte Trainer und beschäftigt viele Junioren. Wenn wir mit der Infrastruktur hintendrein hinken, ist es absehbar, dass dies alles zusammenfallen wird. Die Trainer wurden zu lange vertröstet. Bei einem ablehnenden Entscheid werden viele genug haben und künden.

Möchten Sie das in Kauf nehmen, Herr Mohler?

Manuel Mohler: Ich glaube nicht, dass es so weit kommt. Im Moment geht es ja auch ohne Kunstrasen. Ich habe selber jahrelang ehrenamtliche Juniorenarbeit geleistet und wir wurden seinerzeit von der Gemeinde auch nicht bevorzugt behandelt. Übt jemand diese Tätigkeit mit Herzblut aus, dann macht er es auch weiterhin.

Wie soll das Platzproblem des FC ohne Kunstrasen gelöst werden?

Mohler: Es ist nicht meine Aufgabe, dafür eine Lösung darzulegen.

Burch: Es gibt keine Alternative. In der heutigen Zeit ist ein Kunstrasen das adäquate Mittel, um dem Platzbedarf gerecht zu werden.

Unter welchen Voraussetzungen würden Sie einen Kunstrasen unterstützen, Herr Mohler?

Mohler: Wenn er in den Finanzplan passen würde und ein Bedürfnis der Allgemeinheit - der Schulen und der Jugend allgemein - darstellen würde.

Burch: Es ist immer eine Frage der Wertung: Ist es uns das wert? Ist es uns wichtig? Ich denke an unsere Jugend.

Mohler: Der Kunstrasen wird zum Projekt der Jugend hochstilisiert. Die bereits bestehenden Sportplätze werden tagsüber aber kaum benützt. Der Kunstrasen stellt nur ein Bedürfnis der Jugendlichen des FC Biel-Benken dar. Den Stimmbürgern wird aber vorgegaukelt, die ganze Dorfjugend würde davon profitieren. Weder die Schule noch die Jugend haben aber ein Bedürfnis nach einem Kunstrasen. Sonst würden die bestehenden Sportplätze schon heute öfter genutzt.

Burch: Die Plätze sind eben oft gesperrt und können daher gar nicht genutzt werden.

Mohler: Auch wenn sie nicht gesperrt sind, werden sie kaum benutzt. Man muss klar deklarieren, dass es nur ein Bedürfnis des FC ist. Und dieses besteht auch nur am Abend.

Burch: Durch das neue Schulhaus würde die Schule gleich neben dem Platz liegen. Dann würde er öfter genutzt werden. Ich fände es sinnvoll, wenn die Schüler öfter draussen Sport treiben würden.

Mohler: Man muss das Problem viel grundsätzlicher betrachten. Auch andere Vereine haben ein Kapazitätsproblem. Wenn man nur dem FC einen Kunstrasen baut, ist das eine einseitige Bevorzugung.

Stehen die anderen Vereine nicht hinter dem Projekt?

Burch: Doch, die IG Dorfvereine steht einstimmig dahinter. Die Präsidentin des Sportclubs bestätigte mir, dass auch ihr Club das Projekt unterstützt, auch wenn sich dadurch im schlimmsten Fall der Bau der Sporthalle verzögern würde.

Mohler: Unter den Vereinen herrscht keine Einigkeit. Wenn ein Präsident etwas sagt, heisst das nicht, dass alle dafür sind. Diesen Eindruck erhalte ich, wenn ich mit den Leuten im Dorf rede.

Wegen des Kunstrasens müssten allenfalls andere wichtige Projekte hinausgeschoben werden oder die Steuern erhöht werden.

Burch: Das kommt auf den Gang der Wirtschaft an. Durch die Einsparungen beim Generationenprojekt ist die Mehrbelastung nicht mehr so gross.

Mohler: Um wie viele Einsparungen geht es denn?

Burch: Ich nenne nicht gerne genaue Zahlen. Es sollte aber mehr als eine halbe Million sein.

Mohler: Ursprünglich ging man beim Kunstrasen von einem Betrag von einer Million aus. Mittlerweise ist man bei 1,7 Millionen. Selbst bei einem Betrag von einer Million hat der Gemeinderat gesagt, dass dies den Finanzplan aus dem Gleichgewicht bringen würde. In Biel-Benken stehen demnächst sehr viele teure Projekte an: Tiefbau, Generationenprojekt oder Hochwasserschutz. Man muss einfach klare Prioritäten setzen.

Die FDP setzt diese bei den Steuern?

Mohler: Das wird uns immer unterstellt, ist aber überhaupt nicht so. Die steuerliche Attraktivität spielt eine wichtige Rolle. Aber es ist nicht das einzige Kriterium. Auch der Umweltschutz ist uns beispielsweise wichtig: Eine Studie hat gezeigt, dass ein Kunstrasen im Vergleich mit einem Naturrasen in fünf von sechs Kategorien unvorteilhaft abschneidet. Negativ fällt beim Naturrasen vor allem die Düngung ins Gewicht.

Burch: Wie viele Naturrasenfelder bräuchte es aber, um einen Kunstrasen zu ersetzen? Etwa fünf.
Mohler: Das bezweifle ich.

Ein anderes Problem ist die Lebensdauer. Recherchen der «Sonntag bz» zeigten, dass ein Kunstrasen oft bereits nach zehn Jahren ersetzt werden muss und nach fünf bis sechs Jahren erste Reparaturen notwendig sind. Deshalb sind jährliche Rückstellungen von 50 bis 70 000 Franken nötig. Hat die Gemeinde das einberechnet?

Burch: Ja, wir stellen dieses Geld zur Seite. Unsere Gemeinde ist finanziell gut aufgestellt. Auf der Rangliste der potentesten Steuerzahler des Kantons belegen wir den fünften Platz. Jetzt kommen viele Investitionen zusammen. Dafür kommt später wieder eine Zeit zum Profitieren. Wir wollen kein Schlafdorf sein, sondern ein lebendiges Biel-Benken. Das gibt es nicht zum Nulltarif. Man muss auch die Relationen sehen: Wir geben ständig viele 100 000 Franken für Strassen aus. Zwei Strassen ergeben einen Kunstrasen.

Mohler: Aber damit werden neue Gebiete erschlossen und Steuerzahler angelockt.

Burch: Wodurch auf der anderen Seite Bedürfnisse für die Infrastruktur ausgelöst werden. Das ist ein Teufelskreis. Wir haben aber gute Steuerzahler. Die werden uns nicht davon laufen.

Was für ein Abstimmungsergebnis erwarten Sie?

Burch: Es wird eine grosse Mobilisierung geben. Viele Leute merken, dass es um viel geht. Es ist natürlich einfach, aus Kostengründen Nein zu stimmen. Ich denke aber, dass es in Biel-Benken genug Idealisten gibt.

Mohler: Ich rechne mit einem knappen Resultat. Unser erstes Ziel haben wir aber bereits erreicht: Dank des Referendums können sich alle Stimmbürger zu diesem wegweisenden Entscheid äussern.