Kommentar
Genfer Gipfeltreffen: Aussenpolitische Knochenarbeit ist wenig glamourös

Auf internationaler Ebene kann der Schweizer Bundesrat einen Erfolg verbuchen. Die Arbeit ist aber nicht getan.

Nina Fargahi
Nina Fargahi
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Mit grossem Tamtam haben sich US-Präsident Biden und der russische Staatschef Putin in Genf getroffen. Das Bild der beiden Staatsmänner, die sich die Hand schütteln, geht um die Welt. Auf internationaler Ebene kann der Schweizer Bundesrat einen Erfolg verbuchen. Er hat es geschafft, Hand zu bieten, damit sich die beiden Präsidenten von Angesicht zu Angesicht sprechen können. Die Schweiz kann ihren Ruf als diplomatische Wegbereiterin auffrischen und ihre «guten Dienste» im grellen Scheinwerferlicht der internationalen Presse präsentieren.

Doch der schöne Schein vermag letztendlich nicht zu überdecken, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland auf einem Tiefpunkt befinden. Ein knapp vierstündiges Treffen vermag dies kaum zu verbessern. So sagte Biden, dass er sich aus diesem Treffen lediglich berechenbarere Beziehungen erhoffe. Putin-Sprecher Peskow sagte klar, dass es kein historischer Tag werde. Entschlossenheit und Lösungsorientiertheit sehen anders aus. Vor allem angesichts der vielen Problemfelder wie etwa die Ukraine, die Hackerangriffe oder der Fall Nawalny, um nur wenige Beispiele zu nennen. Auch die Schweiz hat jüngst mit dem Abbruch der Verhandlungen über das Rahmenabkommen aussenpolitisch nicht gerade eine gute Figur gemacht.

Um echte Lösungen zu finden, steht also für Biden und Putin, aber auch für den Schweizer Bundesrat viel aussenpolitische Knochenarbeit bevor. Und diese ist wenig glamourös. Der pompöse Gipfel mag positiv stimmen, man freut sich zusammen mit Bundespräsident Parmelin, der sich zwischen Putin und Biden strahlend ablichten lässt. Die Arbeit ist damit nicht getan.