Zahlendebakel

Genfer Behörden widersprechen dem BAG: 40 Prozent der Ansteckungen geschehen im Nachtleben

Die Genfer Behörden bleiben dabei: Clubs sind ein Problem. (Symbolbild)

Die Genfer Behörden bleiben dabei: Clubs sind ein Problem. (Symbolbild)

Der Kanton Genf bleibt dabei: 40 Prozent der Ansteckungen geschehen im Nachtleben. Dies zeigten aktuelle, verifizierte Daten, so die die Genfer Behörden. Die Daten des BAG seien als Handlungsgrundlage ungeeignet.

Die aktuelle lokale epidemiologische Situation in Genf sei in den vom Bundesamt für Gesundheit publizierten Daten nicht abgebildet, erklärte Florence Forget, Sprecherin des Genfer Departements für Sicherheit, Arbeit und Gesundheit am Dienstag gegenüber CH Media. Dies liege daran, dass die Ärzte aufgrund ihrer Überlastung die Daten jeweils verspätet nach Bern lieferten. 

Im Kanton Genf stelle man seit zwei Wochen mehrere Cluster fest, bei denen jeweils zwei bis 20 Personen infiziert wurden. Diese Ansteckungen konzentrierten sich auf etwa 20 Bars, Restaurants und Clubs. Die Behörden müssten im Umfeld dieser Lokale regelmässig Untersuchungen an bis zu 300 Personen vornehmen, so Forget. Dies rechtfertige den Genfer Entscheid, Nachtclubs bis auf weiteres zu schliessen. 

Hospitalisierungen haben sich in drei Wochen verdreifacht

Die epidemiologischen Daten im Kanton Genf machten Massnahmen notwendig: In den letzten drei Wochen habe sich die Zahl der Neuansteckungen im Wochentakt verdoppelt, von 37 auf zuletzt 216 Fälle. Die Testpositivität habe sich in dieser Zeit von 2 Prozent auf 12 Prozent versechsfacht. Rund 40 Prozent der Ansteckungen in dieser Zeit seien Bars, Discos und Nachtclubs zuzuordnen. Die Zahl der Hospitalisierungen sei seit dem 10. Juli von 4 auf 15 Fälle gestiegen, so Forget.

Das Bundesamt für Gesundheit hatte am Sonntag gemeldet, dass lediglich 1,9 Prozent der Neuansteckungen mit der Clubszene in Verbindung stünden. Dabei wurde aber auch bekannt, dass das BAG 39,8 Prozent der Ansteckungen überhaupt nicht zuordnen kann. 

Die Richtigstellung aus Genf kommt zu einem Zeitpunkt, in dem sich das BAG wegen seines Datenmanagements und seiner Kommunikation heftiger Kritik ausgesetzt sieht. Das Online-Portal nau.ch stellte am Montag gar die Vermutung in den Raum, das BAG habe den Kanton Genf bei der Beurteilung der Hauptansteckungsorte vergessen. 

Es sei möglich, dass Ärzte Daten verspätet an das BAG meldeten, bestätigt BAG-Sprecher Yann Hulmann auf Anfrage von CH Media. Ein Teil der Differenzen bei den Daten gehe wahrscheinlich aber auch darauf zurück, dass die Kantone beim Contact-Tracing zusätzliche Daten sammelten, die dem BAG nicht vorlägen. Das BAG stütze sich auf die von den Ärzten zugestellten Formulare, in denen die Ansteckungsorte leider oft nicht angegeben würden. 

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