Stefan Müller-Altermatt

Gegen die Einsamkeit: Nationalrat telefoniert wegen Coronavirus mit allen Senioren seiner Gemeinde

Mit diesem Aufruf fordert die Gemeinde Herbetswil in Solothurn dazu auf, sich per Telefon bei Kollegen zu melden.

Mit diesem Aufruf fordert die Gemeinde Herbetswil in Solothurn dazu auf, sich per Telefon bei Kollegen zu melden.

CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt hängt am Hörer. Als Gemeindepräsident von Herbetswil ruft er alle über 80-Jährigen an.

Am 75. Geburtstag klingelt normalerweise der Gemeindepräsident von Herbetswil im Kanton Solothurn und schüttelt die Hand des Jubilaren. Händeschütteln? Im Zeitalter des Corona-Virus undenkbar. Die persönliche Gratulation, die sich nach dem ersten hohen Geburtstag in Fünfjahresschritten wiederholt, entfällt bis auf weiteres.

Dafür erhalten nun alle Seniorinnen und Senioren, die älter sind als 80 Jahre vom Gemeindepräsidenten und CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt ein Telefon. Ziel ist es, in erster Linie die Einsamkeit der älteren Generation zu lindern. Denn wegen des Corona-Virus sind Personen über 65 Jahre besonders dazu angehalten, soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Bei einer Infektion mit dem Virus sind ältere Personen besonders gefährdet.

Auf der Facebook-Seite der Gemeinde wird zudem dazu aufgerufen, dass sich die übrigen Dorfbewohner ebenfalls wieder einmal bei ihren Freunden, Verwandten und Nachbarn melden.

Aufmunterung und Information

In der Gemeinde Herbetswil gibt es rund 50 Einwohner, die älter sind als 80 Jahre. Weil einige unter dem gleichen Dach oder im Altersheim wohnen, kommen für den Gemeindepräsidenten so 33 Telefonate zusammen.

Die ersten Anrufe hat er heute Freitag schon getätigt. Und er stellte fest: «Die Aktion wirkt nicht nur gegen die Einsamkeit. Es geht auch darum zu Informieren. Denn vielen älteren Bewohnern ist noch gar nicht so richtig bewusst, dass sie nun den Stammtisch meiden oder den Spieleabend sein lassen sollten», sagt Müller-Altermatt.

Der Solothurner CVP-Nationalrat ist zuversichtlich, dass er selbst die 33 Telefonate machen kann - auch wenn sonst seine 5 Kollegen aus dem Gemeinderat ebenfalls noch zur Verfügung stünden. Er geht davon aus, dass die Session des Parlaments nächste Woche abgebrochen wird. «Es wäre die richtig Entscheidung. Nur schon symbolisch. Ich kann ja nicht den Menschen in der Gemeinde raten, zu Hause zu bleiben, und dann am nächsten Tag nach Bern fahren, wo 246 Parlamentarier aus dem ganzen Land zusammen kommen», sagt er.

Solidaritätsangebote per Internet

Das Beispiel der Solothurner Gemeinde Herbetswil ist nur eines von vielen. In den sozialen Medien häufen sich die Hilfsangebote. Auf Twitter schreibt jemand: «Als Lehrer habe ich jetzt ja sozusagen zwei Wochen Zwangsurlaub.» Falls jemand Hilfe benötige, solle man sich in an ihn wenden.

Neben den bestehenden Kanälen wurden aber auch neue Plattformen gegründet, um speziell in der Corona-Krise Hilfe zu vermitteln. So schalteten die Jungsozialisten zusammen mit der Organisation Campax die Plattform solidarity-now.ch. Auf dieser Seite kann man sich einen Brief herunterladen.

Darauf erklärt man nicht zur Risikogruppe zu gehören und bietet seine Hilfe zum Beispiel zum Einkaufen an. Den Zettel kann man zum Beispiel im Treppenhaus aufhängen. Auf der Webseite sind auch Sicherheitstipps aufgeschaltet. «Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, dann siehst du die betroffene Person nicht länger als einige Sekunden. Gebt euch nicht die Hand, geh nicht in die Wohnung hinein, kommuniziere möglichst per Telefon», heisst es da etwa.

Die ökumenische Organisation Junge Kirche hat eine ähnliche Plattform aufgeschaltet . Unter www.soli.junge-kirche.ch, kann man ebenfalls seine Hilfe anbieten oder welche suchen.

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