Einige sprechen verächtlich von Ablasshandel. Wer mit schlechtem Gewissen ins Flugzeug steigt, kann mithilfe der Stiftung Myclimate die klimaschädliche Wirkung der Reise kompensieren.

Für einen Hin- und Rückflug nach Peking gibt’s das reine Gewissen für 86 Franken. Soll mindestens die Hälfte der Treibhausgase in der Schweiz kompensiert werden, schlägt die Reise mit 267 Franken zu Buche. Im Gegenzug werden in Indien beispielsweise Biogasanlagen gefördert, um die klimaschädliche Verbrennung von Holz zu reduzieren.

Solche Ausgleichszahlungen zugunsten des Klimas haben in der Schweiz die vergangenen Jahre stark zugenommen (siehe Grafik). Und doch: Erst etwa jeder hundertste Flug wird kompensiert.

Mitverantwortlich dafür sind die Airlines. Sie machen es den Kunden alles andere als einfach, einen klimaneutralen Flug zu buchen. Ob spezielle Menüwünsche, Reiseversicherungen oder zusätzliches Gepäck: Diese Zusatzdienstleistungen kann der Reisende mit einem einzigen Mausklick dem Flug hinzufügen und im selben Zahlungsvorgang abschliessen.

Anders bei der Klimakompensation: Nach der Buchung und Bezahlung des Fluges muss er eigens auf die Website von Myclimate gehen und dort den Flug neu angeben und einen weiteren Zahlungsvorgang auslösen.

Fachleute sehen in diesem Umweg einen wichtigen Grund, wieso nicht mehr Flüge kompensiert werden. Viele Kunden kommen gar nicht auf die Idee, eine Zahlung zu leisten – weil sie nicht damit konfrontiert werden. Andere scheuen den Mehraufwand für die separate Buchung.

Myclimate-Sprecher Kai Landwehr spricht von einem «grossen Hindernis für die Kunden». Er ist überzeugt: «Könnten die Reisenden den Flug bereits bei der Buchung mit einem Klick kompensieren, würden das viel mehr tun.»

Mit der Klimabewegung kommen nun allerdings auch die Fluggesellschaften in Bewegung. Der Schweizer Ferienflieger Edelweiss wird im Juni die CO2-Kompensation direkt in den Buchungsablauf integrieren. «Wir wollen damit unserer Verantwortung gegenüber dem Klima nachkommen», sagt Mediensprecher Andreas Meier.

Dasselbe Ziel verfolgt die Swiss. Im Verlauf dieses Jahres sollen die Kunden die Klimakompensationen direkt dem Flug hinzubuchen können, sagt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek. Unmittelbarer Anlass für den Schritt ist die Überarbeitung der Buchungsplattform des Lufthansa-Konzerns, zu dem die Swiss gehört.

Landwehr von Myclimate begrüsst die Anstrengungen. «Damit fällt es klimabewussten Reisenden noch einfacher, ihren CO2- Fussabdruck zu neutralisieren.»

Selbstverständlich ist das Verhalten der Schweizer Fluggesellschaften nicht. Landwehr hat keine Kenntnisse von anderen grösseren Airlines, die einen Klimarechner mit Kompensationsmöglichkeiten direkt in den Buchungsprozess integriert haben.

Andere Fluggesellschaften gehen indes in eine ähnliche Richtung. Bei der Air France beispielsweise lassen sich seit vergangenem Februar Baumpflanzprojekte unterstützen, mit denen CO2 gebunden wird.

Den Klimaeffekt des Flugs berechnen kann der Kunde hingegen nicht. Vielmehr ähnelt die Zahlung einer gewöhnlichen Spende für ökologische Zwecke.

Andere Fluggesellschaften wie die Billigairline Easyjet sind noch nicht so weit. «Easyjet bietet keine CO2-Kompensation für Einzelkunden an, da unsere Flüge durch das Emissionshandelssystem der Europäischen Union abgedeckt sind», schreibt eine Sprecherin.

Was sie nicht sagt: Diesem Zwang zum Kauf von Verschmutzungsrechten sind alle Fluggesellschaften unterworfen, wenn sie in der EU operieren. Und: Dieser Preis liegt sehr tief und vermag die Klimakosten bei weitem nicht zu decken.