Fall Salez

Fünf Monate nach der Amoktat: Jetzt handeln die Regionalbahnen

Die Amoktat von Salez im vergangenen August führt dazu, dass die Regionalbahnen ihr Sicherheitsdispositiv anpassen.

Die Amoktat von Salez im vergangenen August führt dazu, dass die Regionalbahnen ihr Sicherheitsdispositiv anpassen.

Feuerlöscher, Lehrvideos und Co. – Fünf Monate nach dem Brandanschlag in einer Regionalbahn in Salez SG ändern die Bahnbetreiber die Rollmaterial-Bestellungen.

Der Fall sorgte weit über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen: Am 13. August entzündete ein 27-jähriger Schweizer in einem gut besetzten Regionalzug der Südostbahn (SOB) eine brennbare Flüssigkeit und griff mit einem Messer wahllos Passagiere an.

Die Bilanz war tragisch: Drei Personen – der Täter inklusive – kamen bei der Amoktat ums Leben, vier weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Eine noch grössere Opferzahl konnte nur dank des beherzten Eingreifens von Unbeteiligten und der geistesgegenwärtigen Reaktion des Lokführers, der den Zug zur nahe gelegenen Haltestelle Salez-Sennwald steuerte, verhindert werden.

Zwei Todesopfer bei Zug-Attacke in Salez

Zwei Todesopfer bei Zug-Attacke in Salez (13. August 2016)

In einem Zug im St. Galler Rheintal hat am Samstag ein 27-jähriger Schweizer sechs Zugpassagiere mit einem Messer und brennbarer Flüssigkeit angegriffen und zum Teil schwerst verletzt. Die Attacke im Zug bei Salez hat schon zwei Todesopfer gefordert. Eine 34-jährige Frau sowie der mutmassliche Täter erlagen heute im Spital ihren Verletzungen. Über das Motiv des mutmasslichen Täters liegen noch keine Angaben vor.

Aviatik als Vorbild

Ein knappes halbes Jahr später zeigt eine Umfrage der «Nordwestschweiz»: Mehrere Schweizer Bahnunternehmen haben aufgrund des tragischen Vorfalls Massnahmen getroffen, welche die Sicherheit von Personal und Passagieren erhöhen sollen. Am grössten war der Handlungsdruck naturgemäss bei der direktbetroffenen Südostbahn. Eine ins Leben gerufene Arbeitsgruppe hat einen Katalog von Massnahmen ausgearbeitet, die bereits implementiert oder zumindest in die Wege geleitet sind.

So hat die SOB die Brandfall-Signalisierung im Fahrgastraum verbessert und mit farblichen Anpassungen dafür gesorgt, dass die Feuerlöscher einfacher als solche erkennbar sind. Ein Informationsblatt in der Nähe der Türen soll dafür sorgen, dass die Passagiere im Notfall richtig handeln. Dazu prüft die SOB das Anbringen von Löschdecken in den Bahnwagen und gar ein Lehrfilm über das «Verhalten im Brandfall» könnte bald über die Bildschirme flimmern – genau wie vor jedem Start im Flugzeug.

Einsatzbilder nach dem Brandanschlag von Salez:

Die Erkenntnisse aus dem Fall Salez haben die SOB zudem veranlasst, die Bestellung des neuen Rollmaterials anzupassen. Im neuen Voralpen-Express werden die Feuerlöscher näher bei den Türen platziert. Und der Bildschirm soll die Passagiere im Ernstfall präziser instruieren.

Schneller die Polizei am Draht

Die SOB ist jedoch bei weitem nicht das einzige Transportunternehmen, das sein Sicherheitsdispositiv nach Salez angepasst hat. Die SBB haben die Einsatzleitzentrale der Transportpolizei personell verstärkt und die Abläufe bei der Alarmierung von Polizei, Feuerwehr und Sanität optimiert. «Wir überprüfen laufend die Sicherheitslage in der Schweiz und reagieren situativ auf mögliche Veränderungen wie beispielsweise bei Grossevents, Extrazügen oder Ereignissen im Ausland», heisst es bei den Bundesbahnen.

Die BLS optimiert die Videoüberwachung in den Zügen, indem ältere und störungsanfälligere Kameras durch neue ersetzt werden. Bei den 60 neuen Zügen, die ab 2021 ausgeliefert werden, soll der Innenraum «noch heller und übersichtlicher gebaut werden», so die Medienstelle. Damit erhöhe man das Sicherheitsgefühl der Reisenden. Der Regionalverkehr Bern–Solothurn (RBS) seinerseits rüstet die 14 neuen Züge standardmässig mit einer automatischen Brandbekämpfungsanlage und einem Notruf-Knopf aus, mit dem man direkt die Betriebsleitzentrale erreichen kann.

Neue Zugbegleiter sind Tabu

Laut ertönte im August der Ruf nach dem konsequenten Einsatz von Zugpersonal auch im Regionalverkehr – so, wie es früher der Fall war. «Für mich ist klar: Es braucht wieder in jedem Regionalzug einen Zugbegleiter», sagte etwa Hans-Ruedi Schürch, Präsident des Lokomotivpersonalverbandes LPV-SEV.

Angriff in Südostbahn bleibt ein Rätsel

Angriff in Südostbahn bleibt ein Rätsel: Ein Augenzeuge berichtet. (14. August 2016)

Nach dem Brandaschlag in Salez sind der Täter und eines der Opfer an ihren Verletzungen erlegen. Ein Augenzeuge berichtet, wie er das Drama erlebte.

Von solch einschneidenden Massnahmen haben die angefragten Transportunternehmen nun aber abgesehen. Der Einsatz von Zugbegleitern sei «im Rahmen der Sicherheitsgespräche erörtert» worden, sagt Thurbo-Mediensprecher Werner Fritschi stellvertretend. Das Zugpersonal sei aber in erster Linie für die Kontrolle der Fahrausweise verantwortlich, zudem könnten «Übergriffe mit grosser krimineller Energie dadurch auch nicht verhindert werden».

Die Rhätische Bahn fährt hingegen weiterhin einen anderen Kurs. Bei ihr sind unabhängig vom Fall Salez mehr als die Hälfte aller Züge begleitet. Mediensprecherin Yvonne Dünser: «Dies sorgt für ein gutes Sicherheitsgefühl unserer Fahrgäste.»

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