Wallis
Freysinger schrie «Wahlbetrug» – nun ist klar, wen die Wahlfälscher unterstützen wollten

Die vergangenen Walliser Grossrats- und Staatsratswahlen wurden von Wahlfälschungen überschattet. Nun ist klar, dass die Wahlfälscher Oskar Freysinger und damit auch die SVP unterstützen wollten.

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Nichts zu lachen, Oskar Freysinger. .key

Nichts zu lachen, Oskar Freysinger. .key

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In den drei Gemeinden Naters, Brig und Visp waren Ende März Unregelmässigkeiten festgestellt worden. Zahlreiche Bürger wollten in diversen Wahllokalen ihre Stimme abgeben, erhielten aber im Vorfeld keine Wahlunterlagen. Bei einer Überprüfung durch die Gemeinden mussten die Betroffenen feststellen, dass in ihrem Namen bereits abgestimmt worden war.

Gegenüber dem «Walliser Boten» bestätigten zwei voneinander unabhängige Quellen, dass bei der gefälschten Stimmabgabe jeweils für Oskar Freysinger, Staatsrat, gestimmt wurde.

Oskar Freysinger – seine politische Karriere in Bildern:

Oskar Freysinger war der bekannteste und umstrittenste Walliser Politiker. Klicken Sie sich durch die Bilder seiner Karriere.
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Von 1999 bis 2002 ist Freysinger Präsident der SVP Wallis, die er mitbegründet hat.
National bekannt wird er, als er am SVP-Parteitag 2002 in Lupfig ein Spottgedicht vorträgt – mit einer Spitze gegen den damaligen Bundesratskandidaten Toni Bortoluzzi. (Symbolbild)
2003 zieht Freysinger in den Nationalrat ein, wie auch Pascale Bruderer (seit 2002 im Rat) und Christophe Darbellay.
Mit seinen Provokationen macht er sich schnell einen Namen und ziert bald die Titelblätter nationaler Medien. Hier geht es um ein Inserat, das Osama bin Laden auf einer ID zeigt.
Auch in seiner Partei steigt Freysinger auf. Ab 2012 ist er einer von sieben SVP-Vizepräsidenten.
Nach drei Legislaturen ist Schluss: Zu den nationalen Wahlen 2015 tritt der Walliser nicht mehr an.
Berührungsängste zu extrem rechten Kreisen kennt Freysinger nicht. Mehrmals gerät er deswegen in die Schlagzeilen. Er tritt etwa beim rechtsextremen deutschen Magazin «compact» auf.
2013 entsteht Wirbel um Freysinger, weil in einer SRF-Sendung die deutsche Reichskriegsflagge in seinem Büro zu sehen ist. Er lässt verlauten, ihm gefielen die Farben und Symbole...
...und nicht die Ideologie dahinter.
2013 gelingt ihm die Wahl in den Walliser Staatsrat.
Er ist Vorsteher des Departements für Bildung und Sicherheit.
Bei den Regierungsratswahlen 2017 peilt Freysinger die Wiederwahl an.
Im Wahlkampf startete Freysinger einen Frontalangriff auf die vorherrschende CVP.
Im ersten Wahlgang musste er bereits eine empfindliche Schlappe hinnehmen – er landete nur auf Platz 6. Nach dem zweiten Wahlgang war dann klar: Die Walliser haben ihn aus der Regierung gewählt.

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Nach dem Betrug reichte die Unterwalliser SVP eine Wahlbeschwerde ein, die sie dann im letzten Monat wieder zurückzog. Dass die Betrüger ausgerechnet Freysinger unterstützen wollten, könnte natürlich der Grund für den Rückzug gewesen sein. In der Beschwerde beschuldigte die SVP zuvor ein Mitglied der Oberwalliser CVP, Wahlzettel gewisser Wählergruppen eingesammelt und diese ausgefüllt zu haben.

Zwar hatte die Wahlfälschung keine direkte Auswirkung auf den Ausgang der Staatsratswahlen, jedoch könnte sie die Parlamentswahlen entscheidend beeinflusst haben.
Laut Grégoire Nicollier, Mathematik-Dozent an der HES-SO Wallis, hätten bereits 14 Listen gereicht, damit im Bezirk Brig die CSPO mit der SVPO gleichauf wäre, dies teilte er 1815.ch mit. (nfr)

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