Interview
Freysinger ist zurück: "Das Mobbing, das ich erlebt habe, war sehr hart"

Oskar Freysinger tauchte nach seiner Abwahl als Walliser Staatsrat ab. Jetzt ist er zurück – als Autor. Im "Talk Täglich" verrät er, wie schlecht es ihm in den Tagen nach der Abwahl ging, wie viel Rente er bezieht – und warum er nicht wieder als Lehrer arbeitet.

Drucken
Teilen

Es ist die Geschichte einer Witwe, die in einem Dorf für den Erhalt des Grabes ihres verstorbenen Ehemannes kämpft. Dabei nimmt sie es mit dem mächtigen Immobilienmakler Alphons Blatter auf. Bergfried ist der neue Roman von Oskar Freysinger. 16 Bücher habe er schon geschrieben, erzählte der ehemalige SVP-Nationalrat und abgewählte Walliser Staatsrat in der Sendung "Talk Täglich" auf "Tele Züri".

Vordergründig ging Moderator Markus Gilli nicht auf das Buch ein, sondern auf Freysingers harte Zeit nach der Abwahl. Der SVP-Haudegen war abgetaucht, gab keine Interviews mehr, trat an keinen Podien mehr auf. Er sei nahe dran gewesen, "hops" zu gehen, sagte Freysinger ohne auszuführen, was er damit genau meinte. Er verriet auch, was ihm derart zu schaffen machte: "Das Mobbing, das ich erlebt habe, war sehr hart." Er behielt aber für sich, welchen seiner politischen Gegner er des Mobbings bezichtigt. Seither gehe es ihm aber viel besser. Die Erleichterung sei letztlich sehr gross gewesen.

Gleichwohl stand er mit 57 Jahren ohne Job da. Als Alt-Staatsrat erhalte er etwas mehr als 6000 Franken Rente pro Monat, verriet Freysinger, der mehr als 25 Jahre als Lehrer am Gymnasium Sion arbeitete. In den Beruf will er nicht zurückkehren: "Es gibt viele junge Lehrer. Ich will denen doch nicht den Job wegnehmen."

Gegen Schwule und Lesben

Freysinger plant bereits weitere Publikationen, etwa zu den Ereignissen rund um seine Abwahl. Dort ist vom Literaten wenig zu spüren. Er macht das Streben für den Umweltschutz, für ein geeintes Europa und für die Rechte von Schwulen und Lesben für den Untergang der Gesellschaft verantwortlich, vor dem er sich fürchtet. Er spricht auch von einer "No-Future-Gesellschaft".

Obwohl er die Gesellschaft am Abgrund sieht, will er sich nicht mehr auf der politischen Bühne engagieren. Die Wahrscheinlichkeit einer Kandidatur Freysinger sei gleich null. Lieber widmet er sich seiner grossen Leidenschaft, der Literatur. "Ich will nun im Kreativen tätig sein."

Den ganzen Talk mit Oskar Freysinger sehen Sie hier:

Oskar Freysingers Polit-Karriere in Bildern:

Oskar Freysinger war der bekannteste und umstrittenste Walliser Politiker. Klicken Sie sich durch die Bilder seiner Karriere.
15 Bilder
Von 1999 bis 2002 ist Freysinger Präsident der SVP Wallis, die er mitbegründet hat.
National bekannt wird er, als er am SVP-Parteitag 2002 in Lupfig ein Spottgedicht vorträgt – mit einer Spitze gegen den damaligen Bundesratskandidaten Toni Bortoluzzi. (Symbolbild)
2003 zieht Freysinger in den Nationalrat ein, wie auch Pascale Bruderer (seit 2002 im Rat) und Christophe Darbellay.
Mit seinen Provokationen macht er sich schnell einen Namen und ziert bald die Titelblätter nationaler Medien. Hier geht es um ein Inserat, das Osama bin Laden auf einer ID zeigt.
Auch in seiner Partei steigt Freysinger auf. Ab 2012 ist er einer von sieben SVP-Vizepräsidenten.
Nach drei Legislaturen ist Schluss: Zu den nationalen Wahlen 2015 tritt der Walliser nicht mehr an.
Berührungsängste zu extrem rechten Kreisen kennt Freysinger nicht. Mehrmals gerät er deswegen in die Schlagzeilen. Er tritt etwa beim rechtsextremen deutschen Magazin «compact» auf.
2013 entsteht Wirbel um Freysinger, weil in einer SRF-Sendung die deutsche Reichskriegsflagge in seinem Büro zu sehen ist. Er lässt verlauten, ihm gefielen die Farben und Symbole...
...und nicht die Ideologie dahinter.
2013 gelingt ihm die Wahl in den Walliser Staatsrat.
Er ist Vorsteher des Departements für Bildung und Sicherheit.
Bei den Regierungsratswahlen 2017 peilt Freysinger die Wiederwahl an.
Im Wahlkampf startete Freysinger einen Frontalangriff auf die vorherrschende CVP.
Im ersten Wahlgang musste er bereits eine empfindliche Schlappe hinnehmen – er landete nur auf Platz 6. Nach dem zweiten Wahlgang war dann klar: Die Walliser haben ihn aus der Regierung gewählt.

Oskar Freysinger war der bekannteste und umstrittenste Walliser Politiker. Klicken Sie sich durch die Bilder seiner Karriere.

Keystone

(mwa)

Aktuelle Nachrichten