Zivilcourage
Frau vor Sexualtäter beschützt: "Prix Courage" geht an Remo Schmid (31)

Weil er eine Frau vor einem Sexualtäter beschützte, ist der 31-jährige Dübendorfer Remo Schmid am Freitag mit dem "Beobachter Prix Courage" 2017 ausgezeichnet worden. Sein beherztes Eingreifen bewahrte die Frau wahrscheinlich vor einer Vergewaltigung.

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Er beschützte eine Frau vor einem Sexualtäter und wurde dabei selber verprügelt: Remo Schmid wird für sein beherztes Eingreifen mit dem diesjährigen "Prix Courage" ausgezeichnet.

Er beschützte eine Frau vor einem Sexualtäter und wurde dabei selber verprügelt: Remo Schmid wird für sein beherztes Eingreifen mit dem diesjährigen "Prix Courage" ausgezeichnet.

zvg

Im vergangenen Sommer hörte Schmid mitten in der Nacht durch die geöffneten Fenster die Hilfe-Schreie einer Frau. Er rannte hinaus und entdeckte bei der Bushaltestelle vor dem Haus einen Mann - vor ihm eine weinende Frau, die aus der Nase blutete.

Schmid zögerte nicht, zerrte den Schläger weg und wurde daraufhin selber verprügelt. Doch es gelang ihm, den Mann mit Hilfe eines herbeigeeilten Nachbars zu Boden zu drücken und festzuhalten, bis die Polizei eintraf.

Dank seines beherzten Eingreifens habe er die Frau mit grösster Wahrscheinlichkeit vor einer Vergewaltigung bewahrt, schreibt der "Beobachter" in seiner Mitteilung. Für seinen Einsatz erhält Schmid den mit 15'000 Franken dotierten "Prix Courage".

Diese Personen wurden nominiert:

Das sind die für den Prix Courage nominierten Zürcher. Remo Schmid, Philippe Viau, Muriel Pestalozzi, Remo Schmid, Natalie Burlet, Monika Bosshard.
13 Bilder
Mustafa Karasahin aus Unterkulm (Aargau) rettete ein Mädchen vor einem heranrasenden Zug.
Mustafa Karasahin Karasahin ist auf dem Weg zur Arbeit, als er das schrille Hupen eines heranrasenden Zuges hört. Dann erblickt er das Mädchen auf Gleis 1. Der 36-Jährige überlegt nicht erst: er springt hinunter auf das Gleis und gibt der Teenagerin einen kräftigen Stoss weg von den Schienen. Wenige Meter vor ihnen kommt der Zug zum Stillstand. Auf Gleis 2 nähert sich aber schon der nächste Zug. Das Mädchen versucht, sich loszureissen. In letzter Sekunde schafft es Karasahin, das lebensmüde Mädchen am Rucksack zu packen und ein Drama zu verhindern.
Philippe Viau aus Staffelbach (Aargau) rettet eine Person vor dem Ertrinken.
Philippe Viau aus Staffelbach (Aargau) hat gerade seine Mittagspause beendet und schlendert der Aare entlang zurück in die Werkstatt, als er im Strudel einer gefährlichen Wasserwalze eine orange Schwimmweste auf und ab wirbeln sieht. Der Polymechaniker zieht sein Shirt und Schuhe aus und springt unerschrocken ins Wasser. Erst als er ganz nah an der Wasserwalze ist, bemerkt er den leblosen Körper. Mit einer Hand versucht er, den Kopf des Ertrinkenden über Wasser zu halten, mit der anderen schwimmt er mit aller Kraft ans Ufer. Drei Männer eilen herbei und leisten Erste Hilfe – der Verunglückte überlebt.
Natalie Burlet aus Dättwil (Aargau) setzt sich für Kinder in Burkina Faso ein.
Natalie Burlet Natalie Burlet aus Dättwil hält Wort. Im Alter von 24 Jahren versprach sie einem unterernährten, in ihren Armen sterbenden Mädchen, sich dafür einzusetzen, dass künftig kein Kind aus Burkina Faso mehr ein solches Schicksal erleiden muss. Zurück in der Schweiz gründet die heute 36-jährige Radiologie-Fachfrau zusammen mit einer Freundin den Verein «Sourire aux Hommes». Im Januar 2007 eröffnen die beiden Frauen das erste Waisenhaus in der Kleinstadt Ouahigouya im Norden von Burkina Faso, drei Jahre später das zweite. Mittlerweile wohnen dort 52 Kinder und Jugendliche, 23 werden zusätzlich extern betreut. Finanziert wird das Projekt vollumfänglich über private Spenden.
Remo Schmid aus Dübendorf (Zürich) rettet eine Frau vor Übergriff.
Remo Schmid Remo Schmid aus Dübendorf (Zürich) hört mitten in der Nacht die Hilfe-Schreie einer Frau. Er rennt hinaus und sieht einen Mann, der sich gerade seine Hose hochzieht. Vor ihm sitzt eine Frau, Blut tropft aus ihrer Nase. Der 31-jährige Schmid zerrt den brutalen Schläger weg und wird selbst verprügelt. Doch es gelingt ihm schliesslich, den Mann zu Boden zu drücken. Zusammen mit einem Anwohner kann er den Täter festhalten, bis die Polizei eintrifft und diesen verhaftet.
Monika Bosshard aus Winterthur (Zürich) spendet ihre Niere.
Monika Bosshard Monika Bosshard aus Winterthur (Zürich) legt sich für eine Frau unters Messer, die sie bis vor kurzem nicht einmal kannte. Die Jugendarbeiterin und Katechetin erfährt im Winterthurer Gutschickquartier vom Schicksal der alleinerziehenden Eritreerin, die dringend auf eine Spenderniere angewiesen ist. Monika Bosshard zögert nicht lange: Sie informiert sich über die Risiken und Bedingungen einer Spende, schläft zwei Nächte darüber und meldet sich als Spenderin an. Nach vier Monaten mit vielen Tests und Check-ups wird sie als Spenderin zugelassen.
Muriel Pestalozzi
Muriel Pestalozzi Muriel Pestalozzi aus Dietikon (Zürich) bemerkt nach ihrem Stellenantritt auf dem Dietikoner Statthalteramt rasch, dass einiges nicht korrekt läuft. Sie wundert sich, dass sie ihren Vorgesetzten, Statthalter Adrian Leimgrübler, kaum zu Gesicht bekommt und es kursieren Gerüchte über angebliche Begünstigungen. Als plötzlich eines ihrer Dossiers fehlt und sich herausstellt, dass Leimgrübler es übernommen hat, handelt sie. Zusammen mit einer Kollegin wendet sie sich an den Ombudsmann, der Strafanzeige einreicht. Die Strafuntersuchung gegen Leimgrübler wird zwar eingestellt, aber das Verwaltungsgericht kommt zum Schluss, dass er mehrere Amtspflichten verletzt hat. Er stellt sich trotzdem zur Wiederwahl, wird aber nicht mehr gewählt.

Das sind die für den Prix Courage nominierten Zürcher. Remo Schmid, Philippe Viau, Muriel Pestalozzi, Remo Schmid, Natalie Burlet, Monika Bosshard.

Beobachter

Zivilcourage gegen sexualisierte Gewalt

SP-Ständerätin und Jury-Präsidentin Pascale Bruderer sagte in ihrer Laudatio, dass Zivilcourage wie sie Remo Schmid bewiesen habe, immer wichtiger werde. Sexualisierte Gewalt nehme zu und werde auch in alltäglichen Situationen zum Thema. Schmid habe viel Risiko auf sich genommen, um jemandem zu helfen. "In unseren Augen eine Heldentat."

Als "Held" fühlte sich Schmid bei seiner Tat allerdings nicht. "Man ist schon ein bisschen auf sich alleine gestellt", sagte er. Ihm ist der Begriff "Helfer" denn auch sympathischer.

Ein "Helfer" wurde an diesem Abend auch mit Pfarrer Sieber geehrt. Er erhielt den mit 10'000 Franken dotierten "Lifetime Award" für sein Lebenswerk. Der 90-Jährige setze sich schon sein ganzes Leben für Menschen in Not ein, für Obdachlose, Randständige, Drogensüchtige, begründete die "Beobachter"-Redaktion ihre Wahl.

Pfarrer Ernst Sieber und seine Sozialwerke seien als Begriffe längst so vertraut, dass man das Angebot als selbstverständlich erachte. Aber ohne Sieber gäbe es wichtige Angebote für Menschen am Rande der Gesellschaft nicht.

Die diesjährige Preisübergabe war die letzte von Jurypräsidentin Bruderer. Sie tritt aus Zeitgründen zurück. Wer ihre Nachfolge übernimmt, gibt der "Beobachter" Anfang 2018 bekannt.

Andreas Buechi, Beobachter-Chefredaktor (Mitte) und Moderator Röbi Koller verleihen Pfarrer Sieber den Prix Courage Lifetime Award.
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Ein "Helfer" wurde an diesem Abend auch mit Pfarrer Sieber geehrt.
Er erhielt den mit 10'000 Franken dotierten "Lifetime Award" für sein Lebenswerk.
Der 90-Jährige setze sich schon sein ganzes Leben für Menschen in Not ein, für Obdachlose, Randständige, Drogensüchtige.

Andreas Buechi, Beobachter-Chefredaktor (Mitte) und Moderator Röbi Koller verleihen Pfarrer Sieber den Prix Courage Lifetime Award.

ENNIO LEANZA