Nach dem medialen Kreuzfeuer wegen des Falles Carlos sieht sich der für die «Luxusbetreuung» verantwortliche Jugendanwalt Hansueli Gürber auch mit direkten Provokationen aus der Bevölkerung konfrontiert - selbst Morddrohungen hat er bereits erhalten. Die Polizei fährt deswegen regelmässig um sein Haus, der Kontrolle wegen und zum Schutz von Gürber.

Benjamin Tommer, Sprecher der Zürcher Justizdirektion, kann zu den Sicherheitsmassnahmen nichts sagen, bestätigt auf Anfrage der SonntagsZeitung aber: «Alle Beteiligten in dem Fall haben teilweise sehr emotionale Reaktionen erhalten.»

Die SonntagsZeitung hat in Gürbers Umfeld recherchiert - und erhielt den Eindruck eines tief frustrierten Mannes, an dem das wochenlange Kesseltreiben seine Spuren hinterlassen hat. Nächsten Sommer sollte er pensioniert werden, nun weiss er dem Vernehmen nach nicht, warum er nicht gleich aufhören soll. Zunächst aber nimmt er Ferien. Und er ist zu 50 Prozent krankgeschrieben: das Herz.

Gürber fühlt sich von den Medien ungerecht behandelt: Der Fall «Carlos» sei eine Erfolgsgeschichte, ist er überzeugt. Schliesslich habe man endlich geschafft, dass der 17-jährige Sohn eines Schweizers und einer Brasilianerin seit 14 Monaten deliktfrei lebe - nach über sieben delinquenten Jahren. «Dieser Weg hätte funktioniert», lautet das Fazit. Nur den Dokfilm mit dem Schweizer Fernsehen bereut er, dies sei ein Fehler gewesen.