Frau Leuthard, Postchefin Ruoff und die Geschäftsleitung von Postauto Schweiz sind zurückgetreten. Ist das die richtige Reaktion?

Doris Leuthard: Die Verantwortung liegt bei Postauto Schweiz. Darum ist es wichtig, dass man dort eine neue Geschäftsleitung und eine neue Kultur etablieren kann. Das ist hart für die Betroffenen, entspricht aber der Pflichtverletzung.

Sie sind politisch verantwortlich für den früheren Postpräsidenten Peter Hasler, dem Unterlassungen vorgeworfen werden. Sind Sie enttäuscht?

Bei ihm stellt sich die Frage der ominösen Aktennotiz. Dazu soll er selbst Stellung beziehen. Ich konnte noch nicht mit ihm sprechen, das ist auch nicht meine Aufgabe.

Doris Leuthard zum Postautoskandal: «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser»

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Post-Präsident Urs Schwaller sagte, er hätte kritischer nachfragen sollen. Warum vertrauen Sie ihm weiter?

Urs Schwaller ist Mitte 2016 in die Verantwortung gekommen, als die Machenschaften von Postauto schon jahrelang liefen. Er erhielt nur einen internen Bericht der Konzernprüfung, wonach sich das Problem der Gewinnsicherung nun lösen werde. Ich weiss nicht, ob Sie da eins und eins zusammengezählt und dahinter etwas Illegales gewittert hätten.

Wie schlimm ist das Versäumnis des Bundesamts für Verkehr (BAV), das Hinweisen des Preisüberwachers 2012 nicht auf den Grund ging?

Da muss sich das BAV sicher die Frage stellen, ob es hätte genauer hinschauen sollen. Der Preisüberwacher ist ständig mit Post und SBB in Kontakt zu Fragen des Gewinns und der Preisgestaltung. Das ist nichts Aussergewöhnliches. Insofern muss ich das BAV in Schutz nehmen. Aber es hätte nochmals insistieren sollen. Darum lassen wir nun ein Audit machen und unsere subventionsrechtlichen Prüfungen anschauen.

Ist der Neustart bei Postauto gut aufgegleist?

Es steht sehr viel Arbeit für die Post bevor. Für die Mitarbeiter war es sicher ein Schock, dass die ganze Geschäftsleitung der Postauto Schweiz weg ist. Für den Bundesrat ist wichtig, dass man nun nicht alle unter Verdacht stellt, viele machen einen guten Job. Jetzt muss Ruhe reingebracht werden und eine neue Equipe übernehmen. Die muss den Service public im Sinne von Ehrlichkeit und Transparenz erbringen. Das bedeutet mehrere Monate Knochenarbeit für das Management und den Verwaltungsrat.

Es wird spekuliert, Sie hätten reinen Tisch gemacht, um zurückzutreten. Ist das der Fall?

Ich habe schon gelesen, ich würde im März zurücktreten. Nun habe ich gelesen, ich würde diese Woche zurücktreten. Das wird nicht der Fall sein. Aber Sie dürfen weiter spekulieren.

Aufzeichnung: Fabian Fellmann

«Die Integrität von Susanne Ruoff steht nicht zur Diskussion»

Köpferollen bei der Postauto AG

Die Geschäftsleitung wird im Zuge des Buchungsskandals per sofort freigestellt. Dies gab Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller am Montag vor den Medien bekannt.