Ständerat

«Es kommt für mich einer Befreiung gleich»

16 Jahre: Adrian Amstutz. Bilder: Peter Schneider/Key (Bern, 26. September 2019)

16 Jahre: Adrian Amstutz. Bilder: Peter Schneider/Key (Bern, 26. September 2019)

Adrian Amstutz, 65 Jahre, SVP/BE. Amstutz sass seit 2003 für die SVP im Nationalrat. Von 2012 bis 2017 war er Fraktionschef der SVP. Derzeit leitet er den Wahlkampf.

«Ganz ehrlich: Ich freue mich wie ein kleines Kind auf das nahe Ende. Wehmut verspüre ich überhaupt keine, es kommt für ich einer Befreiung gleich. Ich sage nicht, dass es eine Belastung gewesen ist, Politiker zu sein. Jede Tätigkeit hat schöne und harte Seiten, wenn man sie richtig macht. Das gilt doch für alle, ob Koch, Maurer, Chauffeur oder Pflegefachfrau. Die politische Tätigkeit herauszuheben, wäre darum anmassend. Ich habe sehr gerne Politik gemacht, aus tiefer Überzeugung gekämpft für die Freiheit und Unabhängigkeit unseres Landes.

Ich war früher Wettkampf-Sportler, und da war es auch irgendwann zu Ende. Ich habe also Erfahrung im Aufhören und darum auch keine Angst davor, in ein Loch zu fallen. Im Dezember werde ich 66 Jahre alt. Jetzt nehme ich mir die Freiheit, etwas kürzer zu treten. Ich will mehr Skifahren, mehr biken, mehr mit dem Gleitschirm fliegen. Vor allem aber will ich mehr Zeit mit der Familie verbringen. Es war immer mein wichtigstes Lebensziel, eine grosse Familie zu haben, und dieses Glück wurde mir geschenkt. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Was bleibt von der Politik? Die vielen guten Kontakte. Einiges an Lebenserfahrung. Und Erinnerungen. Der prägendste Moment war das Ja von Volk und Ständen zur Masseneinwanderungs-Initiative. Im Guten, aber auch im Schlechten, weil sie von der Parlamentsmehrheit in keinem Punkt umgesetzt worden ist – ein demokratiefeindlicher Verfassungsbruch. Die mediale Begleitung hat den Politbetrieb stark verändert in meinen 16 Jahren als Nationalrat. Das ist Fluch und Segen zugleich, denn man sucht ja als Politiker die Aufmerksamkeit. Insgesamt ist der Ton rauer geworden. Daran sind alle schuld.

Jetzt, in meinen letzten Tagen im Bundeshaus, sind alle sehr freundlich zu mir. Das zeigt, dass man nicht fehlen wird. Niemand hat hier je gefehlt. Ich sage jeweils: Man ist froh über jeden, der nicht kommt. Wenn ich mich jetzt zurückziehe, dann mache ich das richtig. Ich werde keiner der Ex-Politiker, die das Bundeshaus nicht sein lassen können…»

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