«Als ich mit meinen Angehörigen telefonierte, um ihnen zu sagen, dass es mir gut geht, kamen mir die Tränen.» Das sagt ein Mann, der am Donnerstagnachmittag mit dem Schrecken davonkam, als bei der Schwägalp kurz nach 16 Uhr eine Lawine niederging. Wie der Mann berichtet, gab es beim Vorfall Verletzte – ob Menschen unter den Schneemassen verschüttet worden sind, entzieht sich seiner Kenntnis.

Am frühen Abend bestätigte die Ausserrhoder Kantonspolizei dann, dass beim Lawinenniedergang drei Personen leicht verletzt worden waren. Zudem wurden Teile des Restaurantbereichs des im Dezember 2015 neu eröffneten Hotels sowie rund 15 Autos von den Schneemassen verschüttet. Auch die Polizei konnte vorerst nicht mit Sicherheit sagen, ob sich noch Menschen unter den Schneemassen befanden. Sprecher Anton Sonderegger hielt fest, im Hotel würden keine Personen vermisst – es könne aber natürlich sein, dass Tagesausflügler vom Lawinenniedergang überrascht worden seien, wobei bis dato keine Vermisstmeldungen eingegangen seien. 

Schnee herumwirbeln sehen

Der Augenzeuge und seine Frau waren am Donnerstag gegen 15 Uhr im Hotel auf der Schwägalp angekommen, wo sie zwei Nächte verbringen wollten. In der Folge begaben sie sich in den Restaurantbereich, um ein Bier zu trinken und Zeitung zu lesen, wie der Mann erklärt. Die beiden nahmen an einem Tisch am Fenster Platz. Plötzlich sah der Mann draussen Schnee herumwirbeln – er dachte zunächst an eine Dachlawine. «Dann gab es einen Riesenlärm, und im hinteren Bereich drangen die Schneemassen ins Restaurant ein», sagt der Mann.

Postauto wurde gegen Eingangsbereich gedrückt

Laut dem Augenzeugen befanden sich zum Zeitpunkt des Lawinenniedergangs nur wenige Gäste im Restaurantbereich des Hotels. Das Postauto allerdings, das vor dem Hotel stand, wurde laut dem Mann gegen den Eingangsbereich gedrückt, und auf dem Schwägalp-Parkplatz seien auf dem Dach liegende Autos zu sehen. Der Mann berichtet weiter, dass mindestens eine Person aus dem Schnee ausgebuddelt worden sei. Er habe eine verletzte Person mit einem eingebundenen Arm gesehen.

Strasse komplett verschüttet

Die Strasse vor dem Hotel sei komplett verschüttet worden, sagt der Augenzeuge weiter. Die Rede sei im Moment von einer Staublawine, die niedergegangen sei – ob dem tatsächlich so ist, weiss der Mann aber nicht.

Wie Anton Sonderegger von der Ausserrhoder Kantonspolizei erklärt, ging die Lawine auf einer Breite von rund 300 Metern nieder, die Schneemassen erreichen eine Höhe von bis zu fünf Metern. Sie erfasste den Bereich vom Personalhaus über den Hotelbereich und die Käserei bis hin zur Postauto-Haltestelle.

Die Verletzten würden medizinisch und psychologisch betreut, hiess es von Seiten der Polizei. Die Arbeiten konzentrierten sich vorerst auf die Suche und die allfällige Rettung möglicher vermisster Personen. Der Alpine Rettungsdienst nahm die Suche nach möglichen Verschütteten auf. Laut Anton Sonderegger standen 76 Retter, zwei Hunde sowie Spezialisten für die Lawinensuche und die Lawinenbeurteilung im Einsatz. Noch vor 20 Uhr wurde die Suche dann aber vorderhand unterbrochen. Dies aufgrund der Dunkelheit, des anhaltenden Schneefalls und der Lawinengefahr, wie Anton Sonderegger sagt.

Die Strasse zur Schwägalp wurde nach dem Lawinenabgang ab der Passhöhe gesperrt. Ein Grossaufgebot mit mehreren Dutzend Fahrzeugen von Polizei, Ambulanz und Feuerwehr wurde auf die Schwägalp beordert. Auch Schneeräumungsfahrzeuge waren vor Ort.