Schweiz

Epidemiologin Emma Hodcroft bezweifelt Trendwende

In der Schweiz werde so wenig getestet, dass die Fallzahlen nicht aussagekräftig seien, so Emma Hodcroft. (Symbolbild)

In der Schweiz werde so wenig getestet, dass die Fallzahlen nicht aussagekräftig seien, so Emma Hodcroft. (Symbolbild)

Die Abnahme der Fallzahlen sei auch darauf zurückzuführen, dass sich die Leute weniger testen liessen, sagt die Basler Epidemiologin Emma Hodcroft. Viele hätten Angst vor den Kosten des Tests.

(wap) Nachdem BAG-Direktorin Anne Lévy am Sonntag eine Trendwende verkündet hatte, gibt es Widerspruch aus der Wissenschaft. In einem Interview mit dem Tagesanzeiger äussert sich die Basler Epidemiologin und Coronaexpertin Emma Hodcroft kritisch zur Datengrundlage des BAG: «Die hohe Positivitätsrate in der Schweiz zeigt eindeutig, dass wir zu wenig testen. Wir haben deshalb kein klares Bild über die effektiven Fallzahlen.» Und: «Bei der aktuell hohen Positivitätsrate führt jeder Rückgang der durchgeführten Tests automatisch zu einem Rückgang der Fallzahlen. Die aktuelle Abnahme der Fallzahlen kann zum Teil auch darauf zurückzuführen sein, dass weniger getestet wird.»

Problematisch sei, dass viele nicht wüssten, ob sie sich nun testen lassen müssen. Hodcroft hält Tests nicht nur bei Personen mit Symptomen für notwendig, sondern auch bei allen, die mit einer infizierten Person Kontakt hatten. Das Problem: Die Coronatests sind nur dann gratis, wenn man gemäss Online-Checkliste des BAG die nötigen Symptome hat. Sonst zahlt man selbst. «Auch alle, die mit einer positiv getesteten Person nahen Kontakt hatten, sollten sich unbedingt gratis testen lassen können, selbst wenn sie keine Symptome haben», fordert Hodcroft. Die Behörden müssten hier Zweifel ausräumen.

Bei der Interpretation des R-Wertes, der angibt, wie schnell sich das Virus in der Bevölkerung verbreitet, sei Vorsicht geboten, sagte Hodcroft ausserdem. In der Westschweiz gebe es dank den strengen kantonalen Massnahmen einen Rückgang der Fallzahlen, in der Region Basel dagegen beobachte man nach wie vor einen Anstieg.

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