Kindertagesstätten

Eltern blicken neidvoll nach Luzern

Vermehrt sollen in Tagesstätten Männer Kinder betreuen.Remo NägeLI/NLZ

Vermehrt sollen in Tagesstätten Männer Kinder betreuen.Remo NägeLI/NLZ

Noch bis Ende 2012 läuft in der Stadt Luzern der im April 2009 begonnene Pilotversuch mit Betreuungsgutscheinen. Die Bilanz fällt so positiv aus, dass kein Zweifel besteht, dass die Gutscheine auch definitiv eingeführt werden.

Junge Eltern verbinden das Wort Kindertagesstätte in der Regel mit endlosen Wartelisten und der Unsicherheit, ob ihr Kind einen Platz in der gewünschten Krippe und auf den gewünschten Termin hin erhält. Nicht so in der Stadt Luzern: Dort herrschen diesbezüglich paradiesische Zustände. Es gibt keine Wartelisten. Ein Eintritt ist vielerorts von einem Tag auf den anderen möglich. Eltern können unter verschiedenen Krippen diejenige auswählen, die ihnen am besten passt.

Wie Luzern das schafft? «Das Geheimnis ist es, dass alle subventionsberechtigten Eltern Subventionen bekommen und nicht nur einige. So schaffen wir bezahlbare Betreuungsplätze», sagt Regula Wyrsch von der Sozialdirektion der Stadt Luzern. Noch bis Ende 2012 läuft der im April 2009 begonnene Pilotversuch mit den Betreuungsgutscheinen. Die Bilanz fällt so positiv aus, dass kein Zweifel besteht, dass die Gutscheine auch definitiv eingeführt werden.

Konkret: Im alten System hatte die Stadt mit einzelnen Kinderkrippen Leistungsverträge vereinbart. So subventionierte die Stadt insgesamt 145 von total 393 Plätzen. Die Nachfrage nach subventionierten – und damit für die Eltern deutlich günstigeren Plätzen – überstieg das Angebot deutlich. «Schon vor dem Systemwechsel verfügte die Stadt Luzern über genügend Betreuungsplätze, doch zu wenige waren bezahlbar», sagt Wyrsch. Denn: «Nicht alle können und wollen 120 Franken pro Tag für einen Betreuungsplatz bezahlen.»

Subventionierte Eltern

Mit dem Systemwechsel wurde jeder Krippenplatz zu einem potenziell subventionierten Platz: Denn die Gutschriften werden an die Eltern und nicht mehr an die Krippen ausgerichtet. Die Eltern können diese für das Bezahlen des Krippenplatzes oder einer Tagesmutter einsetzen. Heute erhalten 61 Prozent der Eltern mit familienergänzender Kinderbetreuung von der Stadt Luzern Betreuungsgutschriften. Kriterien für die Subventionsberechtigung sind das steuerbare Einkommen und das Arbeitspensum.

Mit dem Systemwechsel entstanden deutlich mehr Krippenplätze: Heute gibt es 635 Plätze allein in der Stadt Luzern. Hinzu kommen über 300 Plätze in der Agglomeration der Stadt Luzern, die ebenfalls subventionsberechtigt sind. «Das System ist durchlässig: Wenn Eltern aus Luzern eine Krippe in der Nähe ihres Arbeitsorts in der Agglomeration finden, können sie den Gutschein dort einsetzen», sagt Wyrsch.

Die grosse Zunahme an Plätzen zeigt: Die stärkere marktwirtschaftliche Freiheit macht es für Anbietende attraktiv in Luzern ein Angebot zu schaffen oder auszubauen. Der verstärkte Wettbewerb hat aber bis anhin noch nicht zu sichtbaren Reaktionen aufseiten der Anbietenden geführt: «Die Krippen haben seit Einführung der Betreuungsgutscheine nicht neue betreuerische Konzepte ausgearbeitet. Das wollen viele Eltern auch nicht unbedingt: Sie suchen sich die Krippe nach den Kriterien Nähe zum Wohn- oder Arbeitsplatz und gute Grundqualität aus», sagt Regula Wyrsch.

Eine externe Evaluation in Luzern hat gezeigt: Das Geld, das die Stadt in die Betreuungsplätze investiert, kommt zurück. Trotzdem: Bis Eltern schweizweit ohne Wartefrist zu einem Krippenplatz kommen, dürfte es noch dauern: «Es braucht einen politischen Willen, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hohe Priorität einzugestehen. Nur so gelingt der Systemwechsel wirklich», sagt Wyrsch.

Baselland stimmt ab

Es existiert keine schweizweite Übersicht über die Gemeinden, die auf das System Betreuungsgutscheine umgestellt haben, welches alt Bundesrat Pascal Couchepin 2007 als Modell der Zukunft propagierte. Doch die Zahl der Gemeinden, die direkt Eltern statt Betreuungsplätze subventionieren, steigt. So setzen Altdorf (UR), Horw, Hochdorf, Kriens, Emmen (LU) und Küsnacht (ZH) auf Betreuungsgutschriften. Beschlossen sind sie unter anderem in der Stadt Bern und Freienbach (SZ). Im Kanton Baselland entscheiden
die Stimmbürger am 11. März, ob sie auf das Gutschein-System umsteigen wollen.

«Ich gehe davon aus, dass es vermutlich auch an anderen Orten Bestrebungen gibt, auf das System Betreuungsgutscheine umzustellen», sagt Cornelia Louis, Leiterin des Ressorts Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung beim Bundesamt für Sozialversicherungen. Nur wisse der Bund nicht immer von diesen Bestrebungen, denn der Bund richte keine Finanzhilfen für entsprechende Projekte mehr aus.

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