Kinderkrebshilfe
Eine Wunschplattform unterstützt krebskranke Kinder und deren Familien

Krebskranke Kinder können auf einer neuen Online-Plattform der Krebshilfe Schweiz ihre Wünsche veröffentlichen. Um möglichst viele zu erfüllen, ist die Kinderkrebshilfe auf Freiwillige angewiesen.

Simon Binz
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Angelo möchte mit einer Limousine chauffiert werden – letzte Woche wurde ihm dieser Wunsch erfüllt. AK

Angelo möchte mit einer Limousine chauffiert werden – letzte Woche wurde ihm dieser Wunsch erfüllt. AK

Andreas Kaufmann

Simon ist ein riesiger Fussballfan und möchte gerne seinen Lieblingsspieler Mauro Lustrinelli treffen. Die zehnjährige Saphira hingegen kocht sehr gerne und wünscht sich, dass sie einmal mit einem Profi ein richtig tolles Menü zaubern könnte. Und Angelo, der möchte schon sein ganzes Leben lang einmal mit einer Limousine herumchauffiert werden.

Simon, Saphira und Angelo, sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind krebskrank. Ihre Wünsche veröffentlichten die Drei auf der neuen Online-Plattform der Kinderkrebshilfe Schweiz mit Sitz in Olten (siehe Box). Krebskranke Kinder und ihre Familien können dort ihre Wünsche publizieren.

Kinderkrebshilfe Schweiz

Mitglieder der Kinderkrebshilfe sind Eltern/gesetzliche Vertreter oder Angehörige und Betreuer von Kindern, die krebskrank sind oder waren. Zurzeit hat der Verein 436 aktive Mitglieder. Ein grosser Teil der Arbeit des Vereins mit Sitz in Olten besteht aus unentgeltlichen Kurzberatungen. Der Verein bietet aber auch finanzielle Unterstützung für betroffene Familien. Im Jahr 2013 wurden 143 Gesuche über rund 400 000 Franken bewilligt. Der Hauptanteil dieser Gesuche betraf die Vergütung von Reisekosten. Weiter werden verschiedene Freizeit- und Ferienaktivitäten für Familien oder Einzelpersonen angeboten. Informationen zur Kinderkrebshilfe Schweiz gibts auch unter: www.kinderkrebshilfe.ch (SBI)

Um möglichst viele zu erfüllen, ist die Kinderkrebshilfe auf Freiwillige angewiesen. Wer eine tolle Idee hat, braucht aber nicht zu warten: Mit ein paar wenigen Klicks lassen sich auch Angebote platzieren.

«Auf Eigeninitiative angewiesen»

Seit rund zwei Monaten ist die Plattform nun online und wird es vorerst für die nächsten zwei Jahre bleiben. Auch wenn bereits einige Wünsche publiziert und auch erfüllt wurden; «das ganze Projekt lief bisher etwas zaghaft an», sagt Brigitta Setz, Geschäftsleiterin Kinderkrebshilfe Schweiz. «Unsere Leute sind einfach noch etwas zurückhaltend mit ihren Wünschen und getrauen sich noch nicht richtig.»

Bisher habe ihnen zudem auch noch etwas die Zeit gefehlt, die Seite zu promoten. «Vielleicht hätten wir nicht unbedingt schon im Februar starten sollen», räumt die Geschäftsleiterin ein, fügt aber sogleich an: «Seit unserer Mitgliederversammlung im März nehmen Wünsche und Angebote stetig zu.» Ziel sei, dass die Plattform zum Selbstläufer wird.

Aufgrund des grossen Zeitaufwandes sei es für die Mitarbeiter der Kinderkrebshilfe nämlich gar nicht möglich, alle Wünsche selbst zu arrangieren. «Wir sind auf die Eigeninitiative unserer Mitglieder angewiesen.» Zudem fehle es in Sachen Prominente – Beispiel Lustrinelli – an «Connections». Nach der Mitgliederversammlung habe sich aber jemand mit guten Kontakten gemeldet. Diese Person wird jetzt an verschiedenen Orten für das Projekt werben.

Wunschplattform für die Familie

Das Angebot soll laut Setz nicht nur krebskranke Kinder ansprechen, sondern genauso eine Wunschplattform für die Geschwister («Diese kommen sonst oft zu kurz») und auch die Eltern sein. Schliesslich stehe beim Verein die Familie im Zentrum. «Auch Eltern, die ihr Kind verloren haben, sollen ihre Wünsche äussern, damit ihnen jemand etwas Gutes tun kann», macht Setz einen Aufruf.

Ein Blick auf die Wunschplattform verrät: Zurzeit sind attraktive Angebote aufgeschaltet. So werden beispielsweise Tickets für den Auftritt des Circus Royal in Bern vergeben, oder Tandemfliegen für die ganze Familie (durchgeführt von erfahrenen Gleitschirmfliegern aus Interlaken) angeboten. Ein Mädchen darf gar Geraldine Schnidrig (Miss Bern 2013) zu einem Event oder Foto-Shooting begleiten. Setz sagt, dass diese Angebote aber nicht den Eindruck vermitteln sollen, dass nur «spezielle» Projekte erwünscht seien. «Auch simple Angebote, wie Zopfteigtiere backen mit Bäcker Armando, sind einfach genial. Jeder kann etwas anbieten.»

Derendingerin erfüllt Traum

Wie eingangs erwähnt, wurden seit der Lancierung der Plattform bereits einige Wünsche erfüllt. Während Simon noch auf Mauro Lustrinelli warten muss und sich bisher noch kein Profikoch bei Saphira gemeldet hat, wurde dem 12-jährigen Angelo letzte Woche sein grosser Traum erfüllt. Gemeinsam mit seinem Bruder und Freunden wurde er in einer Limousine herumchauffiert und anschliessend zum Essen in den Mc Donalds ausgeführt. Das Projekt wurde von Patrick Ansorg von der Firma Rent-a-Limo im bernischen Bremgarten ermöglicht und finanziell von Christin Stampfli aus Derendingen unterstützt.

Sie habe von dem Projekt in dieser Zeitung erfahren und dann online nachgeschaut. «Dort ist mir der Wunsch von Angelo aufgefallen und wir haben uns entschieden ihm diesen zu erfüllen», erklärt Stampfli. Eine Mitarbeiterin der Kinderkrebshilfe habe sich dann bei ihnen gemeldet. «Wir haben ein bisschen geplaudert, und ich hatte anschliessend ein richtig gutes Gefühl.» Stampfli sagt, dass sie nicht mitgemacht hätte, wäre ihr das Projekt dubios vorgekommen. Sie habe aber gewusst wie und wo das Geld eingesetzt werde und alles sei reibungslos abgelaufen. «Ich konnte Angelo mit der Aktion eine Freude machen und würde die Wunschplattform jederzeit wieder unterstützen.»

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